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Full text of "Experimental-untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus"

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Experimental -Untersuchungen 
zur Lehre vom Rhythmus. 



(Kapitel I, II Abschnitt 1.) 



Inaugural-Dissertation 



zur 



Erlangung der Doktorwürde 

genehmigt 

von der philosophischen Fakultät 

der 

rriedrich-Wilhelms-UnlTersitat zn Berlin 

ven 

Kurt Eoffka 

aus Berlin. 

Tag der Promotion: 12. Oktober 1908. 




Leipzig. 

Verlag von Johann Ambrosius Barth. 

1906. 




^ O ünc^R<:-?d Thesis 






Referenten : 
Geheimrat Professor Dr. Stumpf. 
Greheimrat Professor Dr. Biehl. 

Mit Genehmigung der hohen Fakultät kommt hier nur der erste 

Teil der ganzen Arbeit zum Abdruck. Der Rest wird demnächst 

in der ZeUschrifi für Psychologie erscheinen. 



InhaltSTerzeiclmis. 

Seite 

Erstes Kapitel. Methodik 5 

§ 1. Versuchsanordnung . 5 

§ 2. Instruktion 12 

§ 3. Versuchspersonen ... - 16 

Zweites Kapitel. Resultate 18 

Erster Abschnitt. Versuche mit der ersten Instruktion .... 19 

§ 1. Das erste Bhythmuserlebnis und seine Entwicklung ... 19 

§ 2. Der Vorgang der subjektiven Rhythmisierung 28 

A. Regelmäfsigkeit und Rhythmus. Der Akzent 28 

B. Die Grenzen der subjektiven Rhythmisierung 35 

1. Die Grenzen des Tempo 35 

2. Die Grenzen der Dauer der rhythmischen Gruppen . 37 

C. Die phänomenologische Repräsentation und der Ausdruck 

des Rhythmus 38 

D. Die Entwicklung des rhythmischen Erlebnisses bei Beob- 
achtung der Reihen 41 

E. Die Pause und ihre Bedeutung für den Rhythmus ... 42 

F. Täuschungen 45 

I. Täuschungen, die für die Gruppenbildung charakte- 
ristisch sind 45 

1. Die Verlängerung der Pause nach den Gruppen . 45 

2. Die Veränderungen an dem betonten Reiz ... 45 

a) Die Veränderungen der Qualität des betonten 
Reizes 46 

b) Die Veränderungen des Zeitwertes des betonten 
Reizes 46 

II. Täuschungen, die den ganzen Ablauf der Reihen be- 
treffen 46 

G. Faktoren, die die Struktur der Gruppen bestimmen ... 47 

I. Individuelle unterschiede 48 

II. Perseveration 49 



4 Kurt Koffka, 

III. Verteilung der Aufmerksamkeit 60 

IV. Einflufs der Eigenschaften der Gruppen aufeinander 51 
H. Assoziationen. Gefühlsbetonung 55 

§ 3. Die Rhythmisierung objektiv-rhythmischer Reihen .... 55 

A. RegelmäTsigkeit und Rhythmus 56 

B. Die komplizierteren rhythmischen Gruppen 57 

0. Die phänomenologische Repräsentation und der Ausdruck 

des Rhythmus 59 

D. Die Entwicklung des rhythmischen Erlebnisses bei Beob- 
achtung der Reihen 60 

E. Die Pause und ihre Bedeutung für den Rhythmus ... 64 

F. Täuschungen 65 

I. Täuschungen, die für die Gruppenbildung charakte- 
ristisch sind 65 

1. Die Verlängerung der Pause nach den Gruppen . 65 

2. Die Veränderungen an den Reizen 65 

a) Die Veränderungen der Qualität der Reize . . 65 

b) Die Veränderungen des Zeitwertes der Reize 65 
II. Täuschungen, die den ganzen Ablauf der Reihen be- 
treffen 66 

G. Faktoren, die die Struktur der Gruppe bestimmen ... 66 

I. Individuelle Unterschiede 66 

II. Perseveration 67 

III. Verteilung der Aufmerksamkeit 68 

IV. Einflufs der Eigenschaften der Gruppe aufeinander . 68 
H. Assoziationen. Gefühlsbetonung 69 

Zweiter Abschnitt. Die Versuche mit der zweiten Instruktion . 

§ 1. Der Vorgang der willkürlichen, subjektiven Rhythmisierung 

§ 2. Der Einflufs des Tempo auf die willkürliche Rhythmisierung 

§ 3. Die Perseveration bestimmter Typen 

§ 4. Die komplizierten Gruppen. Die Gewöhnung 

§ 5. Repräsentation und Aufdruck bei willkürlich rhythmisierten 
Reihen 

§ 6. Die übrigen für den Rhythmus in Betracht kommenden 

Faktoren bei der willkürlichen Rhythmisierung 

Dritter Abschnitt. Die Versuche mit der dritten Instruktion 

§ 1. Der Vorgang der Reproduktion rhythmischer Gruppen . . 

§ 2. Die begleitenden Vorstellungsreihen ; ihr Verhältnis zueinander 

§ 3. Die Bedeutung des Optischen für den Rhythmus 

§ 4. Die begleitenden Vorstellungsreihen und das Rhythmuserlebnis 

§ 5. Material über die übrigen Faktoren 

Anhang zum zweiten Kapitel. Über die objektiv vorhandenen 

Bewegungen während des Rhythmuserlebnisses 

Drittes Kapitel. Theorie 

§ 1. Die vorhandenen Rhythmustheorien und ihre Mängel . . . 

§ 2. Die Hauptpunkte für eine Theorie des Rhythmus .... 

§ 3. Elemente einer allgemeinen psychologischen Theorie des 
Rhythmus 



ExperimentaUüntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 5 

Das Gebiet des Rhythmus ist seit den Arbeiten Meumanns^ 
und BoLTONs ^ von verschiedenen Seiten her angegriffen worden, 
und es fehlt nicht an Theorien, die es versuchen, der Erschei- 
nung in ihrem vollen Umfange gerecht zu werden. Trotzdem 
bleiben noch viele Fragen ungeklärt, manche scharfen Meinungs- 
verschiedenheiten ungeschlichtet. So konnte es denn reizen, aufs 
neue dies Gebiet von Grund auf zu bearbeiten und zu versuchen 
mit Hilfe neuer Beobachtungen den Streit zwischen den alten 
Theorien durch Anerkennung einer von ihnen, durch Verknüpfung 
mehrerer miteinander oder schhefslich, wenn sich dies als er- 
forderlich erweisen sollte, durch Aufstellung einer neuen zu 
schHchten. Zu diesem Zwecke war es gut, wenn man möglichst 
von einer anderen Seite an das Gebiet herantrat, als es bisher 
geschehen war, und es ergab sich als eine gute Lösung dieser Auf- 
gabe der Versuch, rein auf optischem Wege Rhythmen hervor- 
zurufen. Dies hat gleichzeitig den grofsen Vorteil, dafs die 
Rhythmen, die ich anwendete, den Beobachtern gänzlich unbe- 
kannt, für sie ein gänzlich neues Erlebnis waren, so dafs der 
Einflufs starker rhythmischer Gewohnheiten aus dem Tongebiete 
sehr abgeschwächt wurde. Die Neuigkeit des Erlebnisses mufste 
die Beobachter besonders interessieren, und wenn sie gut ge- 
schult waren, so war die Möglichkeit vorhanden, Angaben von 
ihnen zu erhalten, die man bei der Verwendung von akustischen 
Reizen mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit hören würde, da 
es ja immer schwerer ist, ein Erlebnis, das einem so geläufig ist 
wie eben das Tonrhythmuserlebnis, zu analysieren, als ein neues, 
unbekanntes, das sich erst allmähhch entwickelt. Aus dem Ge- 
sagten geht hervor, dafs meine Methode vorzüglich die intro- 
spektive war; doch wurde bei dem gröfsten Teil der Versuche 
parallel auch eine objektive verwendet, wie sogleich im folgenden 
beschrieben werden wird. 

Erstes Kapitel. Methodik. 

§ 1. Yersnehsanordnnng. 

Bei meinen Versuchen verwendete ich zwei verschiedene 
Anordnungen; an der einen wurden die Vorversuche, an der 
anderen die Hauptversuche ausgeführt. 

^ Ebnst Mbuhann, Untersuchungen zur Psychologie und Ästhetik des 
Rhythmus. Phil Stud. 10. 

* Thaddabüs L. Bolton, Rhythm. Ämer, Journ. of Psychol 6. 



Kurt Koffka. 



Vorversuchsanordnung. 

Das Prinzip meiner ersten Versuchsanordung bestand darin, daTs ein 
sichtbares Objekt^ und zwar ein schwarzer Strich von 1 cm Breite auf grauem 
Gründe in regelmäXsiger und variierbarer Zeitfolge sichtbar gemacht und 
y erdeckt werden konnte. Dies war sehr einfach auszuführen. Die Versuchs- 
person safs vor einem Schirm aus grauer Pappe, in den 4 cm yom oberen 
Hand entfernt ein 10® breites 6 cm hohes Diaphragma geschnitten war. 
Dahinter stand ein zweiter Schirm von der gleichen Farbe, auf dem der 
schwarze Strich angebracht war. Zwischen diesen beiden Schirmen wurden 
nun mit Hilfe eines mit Zentrifugalregulierung versehenen recht konstanten 
Motors auswechselbare Scheiben gedreht. Die Geschwindigkeit des Motors 
wurde durch eine doppelte Übertragung auf das gewünschte Mafs herab- 
gesetzt. 

Diese Scheiben waren aus der gleichen Pappe wie die Schirme und 
enthielten Ausschnitte, die dem Ausschnitt in dem vorderen Schirme ent- 
sprachen; wenn die beiden Ausschnitte übereinander lagen, war dann der 
schwarze Strich zu sehen, sonst nur der graue Grund. Durch Variation 
der Ausschnitte der Scheiben konnte die Zeitfolge des Auftauchens des 
Striches verändert werden, waren die Ausschnitte verschieden grofs, so 
erschien der Strich einmal kürzere, einmal längere Zeit, und waren die 
übrig gebliebenen Stellen verschieden, so wurden dadurch die Zwischen- 
räume zwischen den einzelnen Erscheinungen des Striches verschieden 
lang; schliefslich konnte noch die Höhe des Ausschnittes variiert werden, 
80 dafs dann der Strich einmal länger, einmal kürzer war; in diesem Falle 
war der Strich länger, als der Ausschnitt in dem vorderen Schirm und der 
rotierenden Scheibe hoch war, so dafs er den ganzen Ausschnitt durchlief, 
während sonst unten und oben noch 1 cm Rand war. 

Ich benutzte 10 verschiedene Scheiben, die alle nach dem Prinzip 
konstruiert waren, dafs die kleinste Einheit, Ausschnitt oder Scheibe, ein 
ganzes Teilbares von 360 war, und alle anderen, falls verschiedene vorhanden 
waren, einfache Multipla dieser Einheit darstellten. Es folgt eine Übersicht 
über die Scheiben. Die Zeiten der Exposition des Striches sind durch 
Viertel- resp. Halbenoten, die der Pausen durch Viertelpausen symbolisiert. 

iinui 



2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 
8. 
9.* 
10. 



* In Scheibe 9 war der Strich einmal 8, das andere Mal 4 cm lang. 



Experimental'TJntersuchungen zw Lehre vom Rhythmus. 



Im allgemeinen ist also der Rhythmus durch Verschiedenheit der 
Pausen hervorgebracht. Scheibe 1 ist vollständig regelmäTsig, Scheibe 2. 
bringt regelmäTsiges Erscheinen durch Striche und Pausen für sich be- 
trachtety während eine Gruppierung Strich — Pause schon nicht mehr gleich- 
mAfsig ist. In Scheibe 9 ist die Länge, in Scheibe 10 die Expositionsdauer 
des Striches variiert. 

Das Tempo hängt natürlich schon von der Zahl der Ausschnitte auf 
der Scheibe ab, es konnte aber auch noch durch Benutzung verschiedener 
Übertragungen variiert werden. 5 verschiedene Umdrehungsgeschwindig- 
keiten der Scheibe wurden benutzt und zwar: 



Geschwindigkeit 


Zeit für 1 Umdrehung 


1 


2,2 Sek. 


II 


1.8 „ 


in 


M „ 


IV 


1 » 


V 


1.13 „ 



Das Tempo habe ich immer für die schnellste Aufeinanderfolge innerhalb 
einer Gruppe berechnet. Es ist die Zeit von Anfang einer Exposition bis 
zum Anfang der nächsten, also für die verschiedenen Scheiben: 



Tempo 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 Scheiben 


1 


1100 


1100 


733 


825 


450 


489 


366 


366 


1100 


880 


2 


900 


900 


600 


675 


360 


400 


300 


300 


900 


720 


3 


700 


700 


467 


525 


280 


311 


232 


232 


700 


560 


4 


600 


500 


333 


375 


200 


222 


166 


166 


500 


400 


5 


565 


565 


377 


424 


226 


251 


188 


188 


565 


452 



Die Versuchspersonen hatten während des Versuchs Gummiantiphone 
in den Ohren, damit jeder störende Einflufs des Motorgeräusches aus- 
geschaltet wäre. Ich safs so, dafs ich die Personen während des Versuches 
gut beobachten und ev. Bewegungen zeitlich mit Hilfe einer Fünftelsekunden- 
uhr messen konnte; die Versuchszeit betrug jedesmal rund 1 Minute. 

Die Vorzüge dieser Anordnung bestanden in ihrer grofsen Einfachheit. 
Demgegenüber traten aber erhebliche Mängel zutage. Einmal hatte ich 
kein Mittel, den Motor während der Versuche zu kontrollieren, so daCs 
unbemerkt kleine Temposchwankungen eingetreten sein können. Dann 
traten sehr leicht Scheinbewegungen auf. Der Strich klappte auf und zu, 
er öffnete sich von der Mitte aus nach oben und unten, u. ä. Schliefslich 
stellen die so gebotenen Bhythmen nicht den einfachsten Fall dar; sie 



8 Kurt Koffka. 

entsprechen nicht einfachen Klopfrhythmen, sondern eher legato auf- 
einander folgenden Tönen verschiedener Höhe; wenigstens stellte sich diese 
Auffassung sehr leicht ein. S. u. Femer war ich allmählich darauf geführt 
worden, die Ausdrucksbewegungen der Beobachter während des Versuches 
zu fixieren. So entschlofs ich mich eine andere yoUkommenere Anordnung 
aufzubauen, die dann für meine Hauptversuche durchgängig benutzt wurde. 

Hauptversuchs an Ordnung. 

Das Prinzip der neuen Anordnung war dem der alten entgegengesetzt. 
An die Stelle eines festen Objekts, das nur abwechselnd gezeigt und ver- 
deckt wurde, trat eine in regelmäfsigen Intervallen aufleuchtende Kreis- 
fläche, die, wie des näheren auf S. 10 beschrieben ist, in einem dunklen 
Hintergrunde auftauchte. Als Lichtquelle diente eine GBissLSKSche Röhre, 
die von einem BüHMKOBFPschen Induktorium mit Strom gespeist wurde. 
Die Anordnung, wie sie nach vielfachen mühevollen Versuchen zustande 
kam, war folgende. 

Es handelte sich darum, im Induktionsapparate durch zeitlich variier- 
bare einmalige Unterbrechungen des Primärstromes einen genügend starken 
Sekundärstrom hervorzurufen, um die GsisBLERSche Röhre zum Leuchten 
zu bringen. Zur Regulierung der Zeitfolge diente mir der ScnuMANnsche 
Zeitsinnapparat ^ des Instituts, der durch den von ELblmholtz konstruierten 
Motor mit Zentrifugalregulierung gedreht so konstant läuft, dafs die mittlere 
Variation für 90® Umdrehung nicht mehr als 1 <7 ist. Es zeigte sich aber, 
dafs die Kupferkontakte beim Abreiüsen viel zu grofse Funken gaben, so 
dafs die Unterbrechung eine viel zu allmähliche war, und der gewünschte 
Erfolg nicht eintrat. Man mufste also dazu schreiten, den Primärstrom 
des Induktionsapparates durch ein anderes Relais zu unterbrechen. Hierzu 
wurde ein von Zimmbbmann angefertigtes Ankersignal verwendet, das mit 
Platinkontakten versehen und sowohl für Stromschliefsung wie für Strom- 
öffnung zu benutzen war. Dies Relais mufste an die Stelle des heraus- 
genommenen NsEFSchen Hammers, der gewöhnlich die Unterbrechungen im 
Ruhmkorff besorgt, geschaltet werden, d. h. parallel zu dem in das Induk- 
torium eingebauten Kondensator. 

Die Schaltung war folgende (vgl. die Figur): 

Da 4 verschiedene Arbeiten zu leisten waren, Drehung des Zeitsinn- 
apparates, regelmäfsiges und variierbares Funktionieren des Relais, die 
Erzeugung des Induktionsstromes, und viertens das Aufleuchten der 
GsissLEBSchen Röhre, so waren 4 verschiedene Stromkreise erforderlich. 

Stromkreis I: Von einem Akkumulator meiner aus 2 zweizeiligen 
Akkumulatoren bestehenden Batterie B zum Motor M und durch einen 
verstellbaren Widerstand Wi zurück. 

Stromkreis II: Von dem anderen der beiden Akkumulatoren zu einem 
Schaltbrett Seh mit 6 Verbindungen, von diesem zu den Kontakten des 
Zeitsinnapparates Z\ vom Rahmen dieses Apparates in die Klemmen der 



^ vgl. F. A. Schümann: Ein Kontaktapparat zur Auslösung akustischer 
Reize. ZdUchr. f. Fsychol. 17. 



Experimentcd- Untersuchungen zur Lehre vom Bhythmus, 9 

Magnete des Relais R und zurück zur Batterie. Auf dem Zeitsinnapparat 
waren in gleichmäfsigen Abständen 8 Kontakte angebracht, die mit dem 
Schaltbrett in folgender Verbindung standen: Der erste beliebig gewählte 
mit dem ersten Kontakt des Schaltbrettes, der dritte mit dem zweiten, der 
fünfte mit dem dritten, der siebente mit dem vierten. Von den übrig 
bleibenden 4 Kontakten des Apparates waren immer je 2 in den 5. und 
6. Kontakt des Schaltbrettes gelegt, und zwar je nachdem, entweder 2 und 
4, und 6 und 8 oder 2 und 6, und 4 und 8 zusammen. Berührte die Feder 
auf dem drehbaren Hebel des Apparates einen der durch das Schaltbrett 
in den Strom gelegten Kontakte, so wurde der Strom geschlossen und die 
Magnete des Belais zogen den Anker an. 



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Stromkreis III: Von den beiden hintereinander geschalteten Akku- 
mulatoren der Batterie B zum Buhmkorff J\ von dem einen Kontakt, an 
dem der NsEPsche Hammer sonst safs, zu den Platinkontakten des Beiais B, 
und zurück zu dem anderen Kontakt des NESFSchen Hammers am Induk- 
torium; von der anderen Klemme des Buhmkorff zu den Magneten eines 
Ankersignals und durch einen ein für allemal eingestellten Widerstand W^ 
zurück zur Batterie. Das Beiais war so geschaltet, dafs in der Buhelage 
des Ankers der Strom geschlossen war und geöffnet wurde, wenn die 
Magnete den Anker anzogen. Stromschlufs im Stromkreis II bewirkte 
also Stromöfinung im Stromkreis III. 

Stromkreis IV : Von beiden Polen der Sekundärspule des Induktoriums 
zu 2 gegenüberliegenden Kontakten eines PoHLschen Kommutators, aus dem 
die Verbindungsschienen der 4 extremen Kontakte entfernt waren. Von 
2 anderen gegenüberliegenden Kontakten dann zur GsissLEBröhre ((r). Die 
Einführung des Unterbrechers hatte hier den Zweck, dafs ich den Sekundär- 
strom unterbrechen konnte auch ohne den Primärstrom auszuschalten. Die 
Vorrichtung trat erst bei der letzten Versuchsreihe (s. u.), in Kraft. Ge- 
wöhnlich war die Wippe geschlossen und der Apparat wurde lediglich 



10 Kurt Koffka, 

durch Ein- and Ausschalten des Primärstromes in und auTser Betrieb 
gesetzt. 

Die Apparate waren so angeordnet, dafs der Zeitsinnapparat das 
Beiais und die Batterie in einem, der Induktionsapparat, das Ankersignal 
und die GEissLERsche Bohre in einem anderen Zimmer standen. Die Zimmer 
waren durch Doppeltüren, von denen die eine mit Filz überzogen ist, von- 
einander getrennt, so dafs auch nicht das leiseste Geräusch hindurchdrang. 
Den Buhmkorff in das Beobachtungszimmer zu nehmen erwies sich als 
praktisch, da es sehr mifslich war, den hochgespannten Sekundärstrom 
durch die Zimmerleitung zu schicken, und auch das Ein- und Ausschalten 
sich so viel bequemer machen liefs. Das Ankersignal diente zur Markierung 
der Beize auf der Schleife eines HBßiNGSchen Kymographions K (s. u.). 
Es arbeitete absolut geräuschlos, was durch eine grofse Entfernung des 
Ankers von den Magneten erreicht wurde. Die GBissLBESche Bohre war 
in einem Kasten angebracht, der an seiner Vorderseite ein Loch von 1 cm 
Durchmesser hatte, das mit Mattglas bedeckt war. Hinter diesem fand das 
Aufleuchten statt. Der Beobachter safs auf einem Stuhl vor diesem Kasten; 
das Zimmer war verdunkelt bis auf eine Glühbirne, deren Licht aber auch 
noch vom Beobachter abgeblendet war; immerhin war es noch so hell, 
dafs die Versuchsperson zur Not den Sekundenzeiger einer Taschenuhr 
beobachten konnte. Noch dunkler machte ich es, aufser in ganz seltenen 
an der betr. Stelle beschriebenen Fällen nicht, um allzu starke Nachbilder 
auszuschliefsen. 

Die Einrichtung arbeitete im grofsen und ganzen durchaus zufrieden- 
stellend. Zuweilen kamen durch Lockerung irgend welcher Schrauben des 
Beiais Störungen vor, die meistens darin bestanden, dafs die Lichterschei- 
nungen verschieden intensiv waren. Dies konnte jedoch immer bald ab- 
gestellt werden. 

Mein Schaltbrett gab mir folgende Möglichkeiten für die Folge des 
Aufleuchtens der Bohre: Für gleichmäCsige Zeitfolgen konnte ich ein- 
schalten 1. Kont. 1, 2. Kont. 1 und 5, 3. Kont. 1357, 4. Kont. 1—8. Dies 
ist also eine Tempoänderung in sehr weitem umfange, die durch Einfügung 
von mehr und weniger Widerstand noch erweitert und vor allem verfeinert 
werden konnte. Das Tempo, berechnet als die Zeit zwischen 2 Beizen, die 
als momentan angenommen sind, schwankt in den Grrenzen: ein Beiz in 
2430 a bis ein Beiz in 150 a. Die Zeitmessung geschah für jeden Versuch 
besonders mit Hilfe des oben beschriebenen Beizmarkierers und eines 
jAQüETSchen Chronometers. Diese Kontrolle ergab einen sehr regelmäfsigen 
Gang des Motors. Es ist jedoch die Schwankung für die bestimmte Anzahl 
von Kontakten und den eingestellten Widerstand an verschiedenen Tagen 
ziemlich grofs, was an Verschiebungen der Kontakte, der Feder und ähn- 
lichen Umständen liegt. Für taktmäfsige Zeitfolgen hatte ich eine Fülle 
von Variationen. Für 2 Takt Kont. 13, Kont. 12 56, für 3 Takt Kont 135, 
Kont. 12 356 7, für 4 Takt Kont. 1245, für 5 Takt Kont. 12357 u.a., 
für 6 Takt Kont. 123 45 7, für 7 Takt Kont. 1—7. Alle diese Variationen 
konnten natürlich entsprechend im Tempo, berechnet als kürzeste Zeit 
zwischen 2 Beizen in einer Gruppe, variiert werden. Durch eine einfache 



ExperimentaUüntersudiungen zvat' Lehre vom Rhythmus. H 

Verstellung konnte die Anordnung auch dazu benutzt werden, akustische 
Rhythmen zu bieten : Die Kontakte des Relais wurden so gestellt, dafs An- 
ziehen der Magnete den Induktionsstrom schlofs, die Anker des Signals 
wurden den Magneten so weit genähert, daXs er mit einem scharfen Ge* 
rausch an sie herangezogen wurde, und die Wippe im Sekundärstrom wurde 
geöffnet. Schlofs man dann auch noch die Wippe, so hatte man gleich- 
zeitig akustischen und optischen Rhythmus. 

Der zweite Teil meiner Anordnung bestand in einem Apparat zur 
Registrierung der Ausdrucksbewegungen der Versuchspersonen. Als Kymo- 
graphion benutzte ich die ÜEBiNOSche Schleife unseres Instituts. Die Über- 
tragung geschah auf pneumatischem Wege. Es wurden vertikale Kopf- 
bewegungen, Fufsbewegungen und in ganz roher Weise Atem geschrieben, 
nachdem Versuche, Bewegungen der geschlossenen Hand aufzuzeigen, 
resultatlos geblieben waren. Die Versuchsperson stutzte das Kinn leicht 
auf eine mit einer Membran bespannte Trommel, auf die ein halbkugel- 
förmiges Hartgummisttick gesetzt war; der eine Fufs wurde durch Über- 
einanderschlagen der Beine in der Schwebe gehalten und darunter ein 
Gummiballon gebracht. Da es mir lediglich auf die Frequenz des Atems 
ankam, habe ich der Versuchsperson nur einen zweiten Gummiballon in 
die rechte Armhöhle gelegt, was zwar kleine aber doch erkennbare Aus- 
schläge ergab. Zur Kontrolle habe ich dann noch bei den meisten Ver- 
suchspersonen Versuche mit dem MARSYSchen Pneumographen und dem 
Sphygmographen gemacht. Als Zeitschreiber diente das JAQüExsche Chrono- 
meter. Die 3 Hebel der Mareytrommeln, das Chronometer und der Hebel 
des Reizmarkierers standen vertikal untereinander, so dafs für jeden Versuch 
im allgemeinen 5 Kurven vorliegen. 

Das mit Uhrwerk langsam betriebene Kymographion machte einiges 
Geräusch, trotzdem glaubte ich von der Verwendung von Antiphonen ab- 
sehen zu sollen, um die Versuchspersonen möglichst wenig zu irritieren. 
Dies gelang auch bei allen Versuchspersonen mit einer einzigen Ausnahme, 
wo ich dann eben wieder zu Antiphonen greifen mufste; sonst kamen nur 
ganz vereinzelt Störungen vor. 

Ich war im selben Zimmer wie die Versuchsperson, da die Apparate, 
besonders die graphischen, stetige Aufsicht nötig machten, konnte aber vom 
Beobachter während des Versuches nicht gesehen werden. Im allgemeinen, 
so bei allen Versuchen der ersten Reihe s. u., blieb die Versuchsperson 
auch während ihrer Aussagen auf ihrem Platze, so dafs sie mich beim 
Aufschreiben nicht beobachten konnte. 

Die Versuche wurden so gemacht, dafs ich zunächst das Kymographion 
in Betrieb setzte, um ein Stück der Normalkurven der betr. Person zu be- 
kommen. Erst dann wurden die Reize eingeschaltet. Häufig wurden die 
Versuche in der Mitte durch eine kurze Pause unterbrochen, um den Ein- 
flufs auf die Ausdrucksbewegungen feststellen zu können. 



12 Kurt Koffka. 

§ 2. Instruktion. 

1. Bei den Vor versuchen benutzte ich zwei verschiedene 
Instruktionen, die in 2 Versuchsreihen gesondert durchgeführt 
wurden. 

a) Zunächst kam es mir ja darauf an, festzustellen, ob 
durch visuelle Eindrücke allein unwiderstehlich der rhythmische 
Eindruck hervorgerufen werden konnte. Die Versuchsperson 
mufste sich also in möglichster Unkenntnis darüber befinden, 
was sie während des Versuches erleben würde. Die Instruktion 
mufste daher möglichst vag sein, was natürlich mancherlei Nach- 
teile hat, da der Beobachter zunächst nicht weifs, worauf er seine 
Aufmerksamkeit richten soll. Indessen hat sich die unbestimmte 
Instruktion bei meinen Versuchen bewährt. Fast durchweg gaben 
die Personen zunächst hauptsächlich gänzlich Irrelevantes an, 
aber obwohl ich Gleichgültiges ebenso ernst notierte wie Wichtiges, 
wurden doch sehr bald die Angaben ganz eindeutig und bestimmt. 

Die Instruktion war die folgende : „Beobachten Sie den Aus- 
schnitt in dem Schirm. In ihm wird von Zeit zu Zeit ein schwarzer 
Strich erscheinen. Geben Sie mir nachher an, was Sie erlebt 
haben." Die Aussagen wurden dann protokolliert (in den Haupt- 
versucheji sehr genau) ; gefragt wurde regelmäfsig nach etwaigen 
Assoziationen und nach der Gefühlsbetonung. 

Wie weiter unten zu sehen sein wird, kam es häufig vor, 
dafs die Beobachter nicht die Striche zu rhythmischen Gruppen 
zusammenfafsten, sondern den Wechsel von Strich und Hinter- 
grund. War dies geschehen, so liefs ich in den meisten 
Fällen den Versuch wiederholen und fügte die etwas schärfere 
Instruktion hinzu, möglichst nur auf den Strich zu achten. Diese 
Instruktion wurde aber sofort wieder zurückgezogen, so dafs für 
den folgenden Versuch dann nur wieder die erste Instruktion galt. 

Die Beihen wurden an 2, höchstens 3 Versuchstagen durchgeführt. 
Die Zahl der angestellten Versuche richtete sich ganz nach dem Verhalten 
der Versuchspersonen. Ich begann immer mit Scheiben 1 oder 2, die in 3 
verschiedenen Geschwindigkeiten gezeigt wurden, zeigte danach eine Beihe 
objektiver Rhythmen. Am nächsten Tage begann ich dann mit Scheiben 2 
oder 1 und vervollständigte die Anzahl der gebotenen Bhythmen. 

b) Bei der zweiten Reihe wollte ich einiges über die Grenzen 
der willkürlichen ßhythmisierung feststellen. Ich bot daher nur 
Scheibe 1, und benutzte die drei Tempi 2 — 4. Die Instruktion 
lautete: „Fassen Sie die erscheinenden schwarzen Striche zu 



ExperimentcU-Unterstichungen zur Lehre vom Rhythmus, 13 

Gruppen von x zusammen". Die Instruktion wurde vor jedem 
Versuche gegeben und dabei die x variiert. Die Versuche wurden 
gleichfaUs an zwei Versuchstagen durchgeführt, bei einer Ver- 
suchsperson an einem Tage. Alle Versuchspersonen, die an der 
zweiten Reihe teilnahmen, hatten auch an der ersten teilgenommen 
und daher einige Übung in diesen Versuchen erworben. 

2. Bei meiner Hauptversuchsanordnung führte ich 
drei verschiedene Reihen durch. Die beiden ersten entsprachen 
den beiden Reihen der Vorversuche. 

a) Die erste, bei der ersten Reihe gegebene, Instruktion 
lautete: „Sehen Sie auf die Wand des Kastens, dort wird ein 
bläuliches Licht erscheinen; beobachten Sie dies und geben Sie 
mir nachher an, was Sie erlebt haben". Auch hier rechtfertigten 
die Resultate die Unbestimmtheit der Fragestellung. 

Die Beihen wurden so durchgeführt, dafs zunächst objektiv gleich- 
mäfsige Beihen von verschiedenem Tempo geboten wurden. Entweder 
wurde damit der erste Versuchstag ausgefüllt, oder es wurden noch einige 
objektive Bhythmen vorgeführt. Dasselbe wurde am zweiten Tag in anderen 
Variationen wiederholt. Dann wurden noch 2 Beihen durchgeführt, um die 
Grenzen der subjektiven Bhythmisierung und den EinfluTs des Tempos 
auf diese festzustellen. An einem Tage wurden objektiv gleichmftfsige 
Beihen geboten, von langsamen anfangend, immer schneller werdend bis 
zu der Grenze. Am nächsten Tage wurde mit den schnellen angefangen 
und zu langsamen zurückgekehrt. Dann wurden noch cSinige Kontroll- 
versuche gemacht mit Benutzung von Pneumograph und Sphygmograph 
und auch noch einige Versuche mit akustischen Beizen. Dies wenigstens 
bei einem Teil der Versuchspersonen, bei anderen mufste es ihrer be- 
schränkten Zeit wegen unterbleiben. 

Es ist hier der Ort, auf einen Punkt von einiger methodischer 
Bedeutung einzugehen. Es handelt sich darum, wie man Ver- 
suchspersonen, die objektiv gleichförmige Reihen zunächst nicht 
rhythmisieren, oder wenigstens nichts davon in ihren Aussagen 
angeben, dazu bringen soll, dies doch zu tun. 

Ein bis jetzt zuweilen verwandtes Mittel, der Versuchsperson 
eine Hilfe zu geben, bestand darin, dafs man sie aufforderte, 
mitzuklopfen oder mitzuzählen. Bolton ^ verwandte bei seinen 
Versuchen mit akustischen Reizen teils ganz geschickte Suggestiv- 
fragen, teils aber auch solche, die besser hätten vermieden werden 
müssen, so wenn er die Versuchsperson fragt, warum sie denn 



^ Vgl. BoLTON, a. a. 0. ; J. B. Min£B, Motor Visual and Applied Bhythm, 
Psychol, Bev. Mon, Sup, 5. 



14 Kurt Koffka, 

mit dem Fnfse Takt schlüge. Hierdurch wird natürlich die Rein- 
lichkeit des Versuchs zerstört, da jetatt nicht mehr rein unwill- 
kürliche Rhythmisierung zustande kommen kann. Er ging aber 
noch weiter und liefs mitzählen und mitklopfen. Diese Sugges- 
tionen wurden ziemlich häufig angewendet. Noch weiter ging 
MiNEE bei seinen Reihen mit visuellen Reizen. Hier liefs er die 
Versuchspersonen, die von selbst nicht rhythmisiert hatten, in 
bestimmten Gruppen zählen und war dann zufrieden, wenn sie 
angaben, die Lichter richteten sich nach dem Zählen. Es ist 
dies aber eine Methode, der gewichtige Bedenken entgegenstehen. 
Man ruft nämlich dadurch einen ganz anderen Rhythmus hervor 
als den ursprünglich gegebenen. Gleichmäfsige Bewegungen 
werden sehr leicht rhythmisch, und wenn durch solche Be- 
wegungen subjektive Rhythmisierung eintritt, so ist durchaus 
nicht bewiesen worden, dafs sie durch die ursprüngliche rhyth- 
mische Reihe, sei sie akustisch oder optisch, hervorgerufen ist, 
noch dafs solche Reihen nur mit Hilfe von motorischen Rhythmen 
selbst rhythmisiert werden. Noch schlechter gestaltet es sich, 
wenn bewiesen werden soll, dafs Rhythmus durch optische Reize 
ebensogut hervorgerufen werden kann, wie durch akustische. 
Denn hier mufs sofort eiugewendet werden, dafs, wenn eiomal 
mit einer Reihe optischer Reize ein motorischer Rhythmus 
parallel ging, sich bei allen übrigen Versuchen eine starke Asso- 
ziation geltend macht. Es wäre also nur bewiesen, dafs optische 
Reize eiuen motorischen Rhythmus assoziativ hervorrufen können, 
weiter aber nichts. 

Aus diesen Gründen verzichtete ich auf dieses Hilfsmittel 
vollkommen. War es zunächst nicht zu erreichen, dafs die Ver- 
suchsperson die gleichmäfsigen Reihen rhythmisierte, so bot ich 
verschiedene objektiv gruppierte Reihen. Diese verfehlten nie, 
den rhythmischen Eiudruck hervorzurufen. Ich kehrte dann zu 
gleichförmigen Reihen zurück und erhielt dann ausnahmslos sub- 
jektive Rhythmisierung, ^ ohne auch nur mit einem Worte ange- 
deutet zu haben, dafs mir an den Aussagen, die von einem 
rhythmischen Erlebnis zeugten, mehr gelegen sei, als an den 
anderen. Dies scheint mir methodisch einwandsfrei zu sein, um 
so mehr, als meine Versuchspersonen sehr lange, auch nach 



^ Über den Einflufs des vorhergehenden Versuches auf die späteren 
vgl. die Abschnitte über Perseveration. 



Experimental'üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 15 

subjektiver Rhythmisierung durchaus nicht wufsten, worauf meine 
Versuche gerichtet waren. 

b) Die zweite, bei der zweiten Hauptreihe durchgeführte, 
Instruktion hiefs der unter l,b entsprechend: „Fassen Sie die 
Lichter zu Gruppen von x zusammen!" Es wurden hierzu ob- 
jektiv gleichmäfsige Reihen geboten und auch das Tempo im 
allgemeinen konstant gelassen. 

e) Eine dritte Reihe sollte dazu dienen, in den Versuchs- 
personen rhythmische Reihen ablaufen zu lassen, ohne ent- 
sprechende äufsere Reize. Ich schaltete zu diesem Zweck den 
Primärstrom ein, öffnete aber den Sekundärstrom durch Umklappen 
der Wippe, so dafs ich durch Berühren meines Signales die 
Stromstöfse im Primärkreis erkennen konnte. Dann klappte ich 
die Wippe plötzlich um, so dafs der Sekundärstrom geschlossen 
war, imd liefs die Röhre einige wenige Male, meistens 2 — 4, in 
einzelnen Fällen bis zu 14 Malen, aufleuchten, um dann die Wippe 
wieder zurückzuklappen. Die Instruktion hierbei war folgende: 
„Es wird eine beschränkte Anzahl von Lichtem erscheinen. 
Fassen Sie diese als Gruppe eines Rhythmus auf, und reprodu- 
zieren Sie diesen Rhythmus fortlaufend innerlich weiter. Ich 
werde Ihnen das Kommando „denken" geben, das heifst, Sie 
sollen mit der Reproduktion anfangen. Später werde ich komman- 
dieren: „klopfen"; dann klopfen Sie den gedachten Rhythmus 
auch noch mit dem Finger mit. Wenn ich dann wieder sage 
„denken", hören Sie auf zu klopfen, u. s. f." Die Instruktion war 
auch hier wieder so unbestimmt wie möglich gefafst, um die 
Versuchsperson möglichst wenig zu beeinflussen in bezug auf die 
Art und Weise, in der sie die Reproduktion vollziehen soUte. 
War die Reproduktion eine ausschliefsHch oder überwiegend 
motorische, so untersagte ich in einer erneuerten Instruktion alles 
Mitzählen, Mitsprechen, Mitbewegen, Mitatmen usw. War sie 
akustomotorisch , so wurde auch diese untersagt. In einzelnen 
Fällen wurde sogar jede Unterstützung des Rhythmus durch 
phänomenologische Repräsentation verboten. 

Bei diesen Versuchen wurde der Atem nicht aufgeschrieben, 
dafür aber der Gummiballon als Empfänger für das Klopfen 
verwandt. Um das Klopfen unhörbar zu machen, wurde noch 
etwas Watte darauf gelegt. Meine Klopf kurve gibt ein Mafs für 
die Treue der Reproduktion des Taktes. 



16 Kurt Koffka. 

Die Versuche nahmen nie weniger als 2 Tage in Anspruch, wurden 
aber bei einigen Versuchspersonen über eine viel längere Zeit ausgedehnt. 

Es traf nicht durchweg zu, dafs Versuchspersonen, die an Beihe 2 
und 3 teilnahmen, auch an Reihe 1 beteiligt gewesen waren (vgl. den 
folgenden Abschnitt). 



§ 3. Yersnchspersonen. 

Die Damen und Herren, die sich mir freundlicherweise als Versuchs- 
personen zur Verfügung stellten, waren zum gröfsten Teile Mitglieder des 
psychologischen Seminars. Bei den Voryersuchen waren es die folgenden : 
a) für beide Reihen : Fräulein Grünewald, Herr Hbrgüth, Mr. Siobeb, b) für 
die erste Beihe allein: Herr Britz, Herr Heinitz, MiCs Mürdoch, Herr 
Navrogztnskt, Herr Weidenmüller. Bei den Hauptversuchen hatte ich die 
folgenden Damen und Herren : Für alle drei Reihen : Fräulein Klein, Herren 
LoosE und Müller, für Beihe 1 und III Herrn Gelb, sowie die Fräulein 
Grunewald und Warnbckb ; für Beihe I allein, und zwar im Winter 1906/07 
Herrn Prof. Cronin, Mifs Galbeaith Dr. med., Mifs Hahmond, Herrn Hbroüth, 
Herrn Oberarzt Dr. Jahricärejsr, Herrn Kantorowicz und MlCs Mürdoch, im 
Winter 1907/08 Herrn Kemritz ; für Beihe II allein Herrn Dr. Büpp und für, 
Beihe III allein Herrn Dr. von Hornbostel. 

Von diesen waren zu Beginn der Versuche völlig im unklaren über 
den Zweck bei den Vorversuchen die Herren Heinitz, Heroüth, Navroc- 
ZYNSKY und SiOBEE. Einige wuIsten ganz unbestimmt, dafs die Versuche 
etwas mit Bhythmus zu tun hätten : Mifs Mürdoch und Herr Weidenmüller, 
doch war ihr Wissen so wenig bestimmt, dafs sie unbedenklich zu den 
unwissentlichen gezählt werden können. Herr Britz und Fräulein Grüne- 
wald wufsten ziemlich genau, worauf ich es abgesehen hatte. Bei meinen 
Hauptversuchen wufsten die Personen, die schon an den Vorversuchen 
teilgenommen hatten, nun natürlich einiges, immerhin war sehr viel Zeit 
dazwischen verflossen, so dafs die Nachwirkung wohl nicht mehr sehr grofs 
war. Von den Versuchspersonen des Winters 1906/07 wufsten Mifs Gal- 
BRAiTH einiges und Mifs Hammond ganz wenig über den Zweck der Versuche, 
während die übrigen ganz unwissentlich an die Versuche herantraten. 
Ebenso ist es mit allen Personen, die sich an der ersten Beihe der Versuche 
im Winter 1907/08 beteiligten, Fräulein Grünewald natürlich ausgenommen. 
Herr Dr. Büpp kannte den Gegenstand meiner Untersuchung ungefähr. Er 
wurde herangezogen, weil er, als ich ihm meine Anordnung demonstrierte, 
sehr interessante Aussagen machte. Herr Dr. von Hornbostel schliefslich 
war völlig eingeweiht. Er besitzt aber so groDse Erfahrung auf diesem 
Gebiet, dafs mir seine freundlichst angebotenen Dienste äufserst wertvoll 
erschienen. 

Ich machte aufserdem noch an drei taubstummen Kindern, die mir 
durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Biemann aus der Kgl. Taubstummen- 
anstalt ins Institut geschickt wurden. Versuche aus Beihe I, über die an 
Ort und Stelle ausführlich berichtet werden wird. 



Experimental'üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 17 

Die Wahl der Versuchspersonen bietet immer eine gewisse 
Schwierigkeit. Im allgemeinen sind die Versuchspersonen, die 
sich anbieten, gar nicht, oder nur sehr wenig in psychologischen 
Versuchen geübt. Dies hat den Nachteil, dafs es häufig sehr 
schwierig ist, ihre Selbstbeobachtung zu erhalten, dafür aber den 
Vorteil, dafs sie ganz unbefangen und doch mit grofsem Inter- 
esse an die Sache herangehen. Wenn sie das Interesse behielten, 
ßo erlangten sie auch nach längerer oder kürzerer Zeit eine ziem- 
liche Übung für die angestellten Versuche. Ich habe von allen, 
mit denen ich längere Zeit arbeitete, recht eingehende Protokolle. 

Das unwissentliche Verfahren war natürlich für die Versuche 
der ersten Reihe recht wichtig. Die gröfste Mehrzahl meiner 
Versuchspersonen erfüllte daher auch diese Bedingung. Wenn 
sich auch Eingeweihte darunter befanden, so glaubte ich das 
dadurch rechtfertigen zu können, dafs sie ausschliefslich schon 
einige Übung in psychologischen Versuchen hatten; denn je 
geübter ein Beobachter ist, um so mehr kann er sich trotz seines 
Wissens den Reizen unbefangen hingeben. Die Hinzuziehung 
Yon Herrn Dr. Rupp und Herrn Dr. von Hornbostel wird noch 
dadurch weiter gerechtfertigt, dafs ja zu Reihe H und III ein 
gewisses Wissen um die Sache erforderhch war. Es war femer 
recht wünschenswert, dafs sich unter den Versuchspersonen solche 
befanden, die wenig musikalisch gebildet, oder ganz unmusikaUsch 
waren, da Personen mit den entgegengesetzten Eigenschaften 
stärker ausgeprägte rhythmische Gewohnheiten zu haben pflegen. 
Leider sind nun immusikalische Personen auch häufig wenig zur 
Auffassung von Rhythmus begabt, doch zählte glücklicherweise 
^ine meiner allerbesten Versuchspersonen, die in sehr feiner 
Weise auf die Rhythmen reagierte, zu denen, die sehr wenig 
musikalische Erfahrung haben. Zum Vergleich wurde auch das 
Ändere Extrem herangezogen (s. u.). 

Suggestivfragen beim Protokollieren der Aussagen glaube ich 
vermieden zu haben. Vielleicht ist übrigens allzugrofse Besorgnis 
in dieser Hinsicht gar nicht angebracht. Wenn man die Ver- 
suchspersonen einigermafsen ihrem allgemeinen Habitus nach 
kennt, so wird man aus den Antworten schon ersehen können, 
ob sie spontan oder durch Suggestion hervorgerufen waren. Das 
Bedenken, das G. E. Müllee^ gegen Suggestivfragen erhebt, 

' Vgl. G. E. MÜLLBB, Die Gesichtspunkte und die Tatsachen der psycho- 
physischen Methodik, S. 33. 

2 



18 Kurt Koffka. 

nämlich die Beeinflussung der Urteüsrichtung der Versuchs- 
personen, kommt bei unseren Versuchen wohl nicht in Betracht. 

Es lassen sich bei rein introspektiven Experimenten wie den 
meinen, 2 Grundtypen von Versuchspersonen unterscheiden. Die 
einen, und dies sind natürhch die besseren, beschränken sich 
lediglich darauf, ihr Erlebnis, wie es ihnen erscheint, festzuhalten 
und wiederzugeben. Alle, die bereits Übung in psychologischen 
Versuchen haben, gehören natürlich hierher. Da ich aber auch 
andere Versuchspersonen heranziehen mufste, so stiefs ich auch 
auf den anderen Typ. Diese Versuchspersonen nämlich haben 
eine andere Richtung des Interesses als die erstgenannten; es 
interessiert sie weniger, was sie erleben, als das, wodurch dies 
Erlebnis hervorgerufen ist. Sehen sie z. B. eine Reihe gleich- 
mäfsig verlaufender Lichter, dann versuchen sie auf irgendeine 
Weise herauszufinden, ob die Lichter auch tatsächlich gleich- 
mäfsig erscheinen. Dies bedingt zwei Fehlerquellen: Einmal 
geben sie sich dem Eindruck nicht so passiv hin, wie es 
wünschenswert wäre, dann aber sind auch ihre Aussagen nicht 
mehr ein AbbUd ihres ursprünglichen Erlebnisses, sondern ent- 
halten schon allerhand Schlüsse über die zugrunde hegenden 
Reize. Mit einiger Vorsicht wird man aber auch diese Versuchs- 
personen mit Nutzen verwenden können. Ich glaube behaupten 
zu können, dafs bei ungeübten Versuchspersonen Frauen eher 
dem ersten, Männer eher dem zweiten Typus angehören, obwohl 
es natürlich viele Ausnahmen gibt. 

Vortreffliche Bemerkungen über Versuchspersonen finden 
sich bei Bolton (a. a. O.). Ich habe im grofsen und ganzen 
mit meinen Versuchspersonen die besten Erfahrungen gemacht. 
Ein Wort nur noch über solche, die eine eigene dogmatische 
Theorie über den Gegenstand besitzen, ohne sich je introspektiv 
in ihn versenkt zu haben. Sie sind für feinere Selbstbeobr 
achtungen ganz unbrauchbar, es sei denn, dafs sie sehr grofse 
Übung in psychologischen Versuchen besitzen. Ich hatte eine 
solche Versuchsperson und brach mit ihr die Versuche bald ab. 



Zweites Kapitel. Resultate. 

Bei der Behandlung der Resultate scheint es am zweck- 
mäfsigsten, die Haupteinteilungen nach den verschiedenen In- 
struktionen vorzunehmen, und erst in diesen Gruppen wieder die 



Experimental'üntermchungen zur Lehre vom Rhythmus. 19 

Vorversuche von den Hauptversuchen zu scheiden. Das gröfsere 
Gewicht wird dabei natürlich immer auf den Hauptversuchen 
liegen ; einerseits sind hier die Versuchsbedingungen viel exakter 
festgelegt, andererseits habe ich von diesen Versuchen viel 
genauere und ausführlichere Protokolle. 

Der erste Abschnitt handelt demnach von den Versuchen 
mit der ersten Instruktion. 

Erster Abschnitt. Die Yersnche mit der ersten Instruktion. 

Bei der Besprechung der Erlebnisse, die die Versuchspersonen 
hatten, wenn sie Reihen von gleichmäfsig oder in rhythmischen 
Gruppen aufeinanderfolgenden Lichtreizen gegenübergestellt 
wurden, können wir drei verschiedene Gesichtspunkte obwalten 
lassen. Einmal wird zu besprechen sein, wann die betreffende 
Versuchsperson zum ersten Male rhythmisierte, und eventuell wie 
sich die Entwicklung des rhythmischen Prozesses bei ihr vollzog. 
Es sei an dieser Stelle nachdrücklich betont, dafs die Versuchs- 
personen natürlich nie gefragt wurden, ob sie Rhythmus gehabt 
hätten oder nicht; sie muTsten eben ihr Erlebnis beschreiben. 
Als Rhythmus wird nun nicht ein Erlebnis aufgefafst, das sich 
mit irgendeiner Definition dieser Erscheinung deckt, sondern 
dasjenige Erlebnis, das die Versuchsperson so bezeichnet. Trug 
die Versuchsperson Bedenken, das Wort anzuwenden, dann wurde 
sie gefragt, ob das in Frage stehende Erlebnis wesensverwandt 
sei mit den Erlebnissen, die sie in ihrem bisherigen Leben mit 
diesem Wort bezeichnet hatte. Das Mafs ist also ein rein sub- 
jektives, introspektives. Dies allein ermöglicht eine unbefangene 
Orientierung auf unserem Gebiete. 

An zweiter Stelle werden wir ausführlich den Vorgang der 
subjektiven Rhythmisierung besprechen, an dritter auf die Eigen- 
tümlichkeiten der Rhythmen bei objektiv rhythmischen Reihen 
eingehen. Diese beiden Untersuchungen werden je einen quali- 
tativen und einen quantitativen Teil haben. Als Schlufs des 
ersten Abschnittes soll dann eine Zusammenfassung dieser Teile 
stehen, die es uns ermöglichen soll, allgemeine Schlüsse zu ziehen. 

§ 1. Das erste Bhythmnserlebnis und seine EntwielLlnng. 

a) Vorversuche. 

Um zu versuchen, ob die Versuchspersonen gleichmäfsig 
ablaufende Reihen von selbst rhythmisieren würden, wurde ihnen 

2* 



20 -Kwrf Koffka. 

zuerst immer Scheibe 1 oder 2 geboten. Der Erfolg war jedoch 
nicht der gewünschte. Es wurde nämlich leicht entgegen der 
Instruktion ganz spontan der Wechsel zwischen dem Strich und 
dem Hintergrund als rhythnjisch aufgefafst. Ich möchte dies 
infolgedessen nicht mehr subjektive Rhythmisierung im strengen 
Sinne nennen, da hier die Gruppenbildung, die, wie wir sehen 
werden, ein wesentliches Moment des Rhythmus ist, schon im 
Material begründet liegt. Hier werden zwei qualitativ ver- 
schiedene Bestandteile zusammengefafst, die bei Scheibe 2 auch 
zeitlich verschieden lang waren, etwa wie zwei Töne von ver- 
schiedener Tonhöhe. 

Bei 4 Personen, die bei diesen Scheiben sofort rhythmisierten, 
war dies zweimal der Fall; so dafs für reinen subjektiven 
Rhythmus ohne vorhergehenden objektiven nur 2 Personen in 
Frage kommen. 

Die eine Person sah zuerst Scheibe 1, die andere Scheibe 2. Herr B., 
Scheibe 1 gibt dabei folgendes an: Er zählte bis 3 mit, der erste Strich 
war stark betont, nach dem dritten kam eine merkliche Pause. Die Er- 
scheinung verlief bei ihm so, dafs die Eindrücke zunächst wirr durch- 
einander waren und eine Unlustbetonung hatten; allmählich stellte sich 
dann ohne sein Zutun der Rhythmus ein, womit die Unlustbetonung ver- 
schwand. Herr VT., Scheibe 2 gab an: „Das Erscheinen des Striches er- 
scheint wie Hammerschläge in einem 2 teiligen Rhythmus". Zunächst 
wufste er über Betonung nichts zu sagen, bei einer VTiederholung des 
Versuchs gab er indes an, dafs der erste Strich eine Betonung trüge. 

Aufser diesen beiden waren es nur zwei Versuchspersonen, 
die eine der beiden erwähnten Scheiben ohne vorausgegangene 
objektive Rhythmen rhythmisierten, und zwar beide Scheibe 1. 
Sie gruppierten Strich — Pause. 

Fräulein G. hatte zweiteiligen steigenden Rhythmus mit Betonung auf 
der Pause, Mifs M. zweiteiligen fallenden Rhythmus mit Betonung auf dem 
Strich. Sie gab an, dafs das Abwechseln von Strich und Pause in ihr rein 
visuelle Assoziationen an ein Pendel hervorriefe. Sie zählte ganz unwill- 
kürlich bis 2 mit. 

Bei drei von den übrigen Versuchspersonen entwickelte sich 
der Rhythmus erst allmähüch. 

Herr He. sah zunächst Scheibe 2 in den Geschwindigkeiten 2 — 4. Bei 
den ersten beiden Versuchen gab Versuchsperson nichts an, beim dritten, 
mit Geschwindigkeit 4 spricht sie zum ersten Male von einem „Eindruck 
der Regelmäfsigkeit'', sie hat auch bemerkt, dafs der Strich viel kürzere 
Zeit dauert als die Pause. Ich zeigte dann Scheibe 4 in derselben Reihen- 
folge der Geschwindigkeiten. Hier fiel der Versuchsperson sofort der 



Experimental'ünfersuchiingen zur Lehre vom Rhythmus. 21 

Wechsel zwischen langen und kurzen Zeiten auf, doch nannte sie es noch 
eine Unregelmäfsigkeit. Nur um diese zu fixieren sagte sie innerlich lang 
kurz, wobei aber das Wort lang eine Betonung hatte. Hier ist also schon 
ein motorischer Rhythmus vorhanden, doch ist hier die Beziehung zu den 
Beizen noch eine sehr lose. Versuchsperson wurde darauf aufgefordert, 
sich mehr auf den Strich zu konzentrieren. Dies war so anstrengend, dafs 
darüber -alles andere beiseite geschoben wurde; Versuchsperson konnte 
nicht einmal mehr die Ungleichheit der Zeiten bemerken. Als die Scheibe 
nun in der Geschwindigkeit 3 geboten wurde, gab Versuchsperson spontan 
ah: „Es schien mir jetzt Rhythmus darin zu liegen". Der Rhythmus war 
4 teilig zwischen Strich und Feld, die Felder betont. Statt zu zählen sagte 
Versuchsperson innerlich vor sich hin: „Strich, Feld, Strich, Feld." Als 
am nächsten Tage Scheibe 1 gezeigt wurde, rhythmisierte Versuchsperson 
dann auch subjektiv bei der dritten und vierten Geschwindigkeit. 

Herr N. sah gleichfalls zunächst Scheibe 2 in den gleichen Ge- 
schwindigkeiten. Bei Geschwindigkeit 2 gab er an, es sei angenehmer als 
vorher, bei Geschwindigkeit 1, weil eine gröfsere Einheit da wäre, d. h. 
Strich und Pause vereinigten sich zu einem Prozesse, während dies vorher 
nicht der Fall war. Als er dann Scheibe 4 sah, sagte er, beim ersten Male, 
Geschwindigkeit 2. „Es ging in rhythmischer Weise". Er zählte die Striche 
zu zwei, den zweiten betont, und gab an, der zweite Strich und die Pause 
danach dauerten länger als das andere Paar. Er sagte ferner aus, dafs er 
erst gemerkt habe, dafs es rhythmisch sei, und erst dann 'angefangen habe 
zu zählen. Am nächsten Tage rhythmisierte er Scheibe 1 subjektiv. 

Mr. S., der seiner Angabe nach unmusikalisch ist, und auch wenig 
Musik getrieben hat, sah Scheibe 1 in 3 Geschwindigkeiten, ohne auch nur 
sich der Regelmäfsigkeit bewulst zu werden. Beim zweiten Versuch zählte 
er, wohl noch unter dem EinfluTs meiner Fragestellung, fortlaufend mit, 
verlor aber bei 80 den Faden, Als er dann Scheibe 3 sah, merkte er zu* 
nächst (Geschwindigkeit 2), die Regelmäfsigkeit. Er beschrieb : „Die Striche 
kommen zweimal zusammen und dann eine Pause, usf." Er hatte jedoch 
gar keine Tendenz zum Zählen. Bei der nächsten Geschwindigkeit war es 
dasselbe, nur angenehmer. Bei Geschwindigkeit 4 verwischten sich die 
optischen Bilder. Ausgesprochener Rhythmus war also auch bei dieser 
objektiv rhythmischen Reihe noch nicht vorhanden, obwohl schon Gruppen- 
bildung eingetreten war. Ich zeigte nun Scheibe 10. Hier fafste Versuchs- 
person sofort, Geschwindigkeit 2, die Striche zu zwei zusammen. Ihr erster 
Eindruck war als ob die Pausen verschieden wären, dies verlor sich aber 
allmählich und sie bemerkte gar keine Verschiedenheit mehr. Trotzdem 
fafste sie noch weiter zu 2 zusammen. Dabei hatte sie die Tendenz zu 
zählen, und zwar so, dafs immer das erste betont war, das zweite nicht, 

also 12 3 4 5 6 usf. Am nächsten Tage rhythmisierte sie Scheibe 2 nicht, 
unwillkürliche subjektive Rhythmisierung trat also bei ihr nicht auf. 

Die vierte noch übrig bleibende Versuchsperson, Herr H., nimmt eine 
Sonderstellung ein, da ich ihr von vornherein objektive Rhythmen zeigte.. 
Ich zog sie heran, bevor ich mit den Versuchen im Zug war, um die: 
Brauchbarkeit der Anordnung auszuprobieren. Ich zeigte ihr zunächst eine 



22 Äwr* Koffka. 

Scheibe, die ähnlich war wie Scheibe 6 — sie wurde nachher nicht mehr 
verwandt, da die Verhältnisse der Ausschnitte zu den festen Teilen nicht 
nach dem oben beschriebenen Prinzip berechnet waren — . Er gab an: 
,,Dreimal erscheint der Strich, zweimal gleich, — einmal die Pause schneller". 
Darauf klopfte er spontan ^ — — . Als er dann Scheibe 4 sah, sagte er, 
„Diesmal war es 2 Takt", und bestand darauf, dals er einen direkten Ein- 
druck von Takt gehabt hätte. Als er zum ersten Male eine objektiv gleich- 
mäfsige Beihe sah (eine Scheibe ähnlich wie Nr. 2) meinte er sofort, es 
wäre ein ganz gemeiner Zweitakt. 

Alle Personen erhielten also durch rein optische Reize den 
rhythmischen Eindruck. Bei manchen trat dies sofort schon bei 
ganz gleichmäfsigen Reihen auf, bei anderen entwickelte er sich 
erst allmählich. 

b) Hauptversuche. 

Die Versuchsreihen wurden durchweg mit objektiv gleich- 
mäfsigen Reizen begonnen. Wenn wir von den 3 Versuchs- 
personen absehen, die schon an den Vorversuchen teilgenommen 
hatten, so rhythmisierten 6 solche Reihen ganz von selber, 6 erst, 
nachdem sie schon objektiv rhythmische Reihen gesehen hatten. 
Es ist am besten, die 3 Versuchspersonen vorauszunehmen, die 
schon Versuche mit optischen Rhythmen kannten I 

Herr He. erwartete das regelmäfsige Auftreten von Lichtern und fafste 
sofort willkürlich in Zweigruppen zusammen, so dafs er aus unseren Be- 
trachtungen ausscheiden mufs. Mifs M. gab ausdrücklich an, dafs sie nicht 
wufste, was sie zu erwarten hätte. Als die Lichter dann kamen — in Ab- 
ständen von 304 a — fühlte sie sich zunächst ganz verwirrt; dies war mit 
Unlustgefühlen verbunden, die so stark wurden, dafs sie es nicht mehr 
länger aushalten zu können glaubte, ohne eine Ordnung in die Erschei- 
nungen zu bringen. Dann fing sie an zu zählen 123 4, ganz unwillkürlich, 
— „it just happened to come" — . Fräulein G. wurde bei den ersten 3 Ver- 
suchen durch das Geräusch des Kymographions so gestört, dafs sie über- 
haupt nichts erlebte. Als ich ihr darum Antiphone gab, hatte sie sofort 
wieder Rhythmus, der ganz so war, wie bei den Vorversuchen, nämlich 
mit akustischer Repräsentation. 

Die übrigen Versuchspersonen sind natürlicherweise viel 
interessanter. Bei zwei von ihnen trat die Rhythmisierung gleich 
beim ersten Male auf. 

Prof. C. — Tempo 350 o für den Reiz — gab an : Auf einmal fand ich, 
dafs ich immer bis 4 zählte, ohne Anstrengung oder Willensimpuls. Ich 
hatte schon einige Zeit gezählt, bevor ich es gewahr wurde". Er nahm 
sich danü vor, dies zu unterdrücken, bemerkte dabei aber eine Tendenz in 
den Rhythmus zurückzuverfallen, die er mit einiger Anstrengung unter- 



Experimenfal'Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 23 

drücken mufste. Herr G. — Tempo 757 a — beschrieb zunächst die Er- 
scheinung und fuhr dann fort: „Zum Schlufs ging es .taktmäfsig, tik tak^ 
ohne Akzenf. 

Damit war für die Versuchsperson der subjektive Rhythmus 
statuiert und trat nun immer wieder auf. 

Deutet schon die Aussage des Herrn G. auf eine Entwicklung 
des rhythmischen Eindrucks, so wird eine solche noch viel klarer, 
wenn wir die übrigen 3 Versuchspersonen ins Auge fassen: 

Mifs H., die sehr musikalisch ist und Musik studierte, hatte folgende 
Entwicklung: Beim ersten Male — Tempo 750 a — hatte sie zunächst die 
starke Assoziation an ein Gewitter und dadurch an ihre Heimat. „Dann 
wurde es dunkel/ und nun trat eine andere Assoziation auf, nämlich „Ich 
sah jemand vor mir tanzen, er tanzte zeitlich gleichmäfsig — purely in 
time — absolut rhythmisch mit dem Erscheinen der Lichter". Es hatte 
nichts mit der Farbe des Lichts zu tun. Dabei waren keine akustischen 
Assoziationen. Hier ist wohl durch die Lichter schon ein Anlafs zum 
Rhythmus gegeben, der aber erst auf dem Wege der Assoziation zum Aus- 
druck gelangt. Ich würde daher dies Erlebnis noch nicht als ein voll- 
gültiges Bhythmuserlebnis auffassen, um so mehr, als das folgende auch 
für meine Ansicht spricht. Beim nächsten Versuche nämlich — Tempo 
350 a — treten sehr starke Assoziationen auf, die aber mehr durch die 
Farbe als durch die Zeitfolge veranlafst werden. Zunächst wurde das 
Herabfallen von Regentropfen vom Dach assoziiert, was wohl hauptsächlich 
auf der zeitlichen Folge beruht, dann aber das Meer bei Nacht, Wolken- 
ballen u. ä., was mit Rhythmus kaum mehr etwas zu tun hat. Das Meer 
rief dann noch die Assoziation an ein Schiff wach, „doch ging es hierfür 
zu schnell". Beim nächsten Versuch — Tempo 200 a — kam u. a. die 
Assoziation an die Schwingungen einer gespannten Saite, dann kam, bei 
einer Wiederholung des Versuchs, sofort die Assoziation an Mendelssohns 
Spinnerlied. Dies verging und an die Stelle trat ein Bach, in dem das 
Wasser sehr schnell fiofs, doch war das Tempo hierfür zu schnell. Es trat 
dann wieder die Assoziation an das Gewitter auf. Dabei gibt die Versuchs- 
person an, dafs sich ihr Kopf und ihre Brust im 3 Takt bewegten. Auch 
hier ist das Rhythmuserlebnis noch nicht in direkter Verbindung mit den 
Lichtern. Dies kam erst beim nächsten Mal — Tempo 1200 o — . Hier 
sagt sie instantan: „Ich bemerkte den Rhythmus sofort; er kam mit dem 
zweiten oder dritten Licht." Es stellten sich dann wieder allerhand Asso- 
ziationen ein, erst an den Puls, dann, hierdurch veranlafst, an eine schwere 
Krankheit. Darauf kehrte sie sofort zum Rhythmus zurück, doch konnte 
sie den Gedanken an die Krankheit nicht mehr ganz los werden. Sie würde 
den Rhythmus noch am ehesten ^/4Takt nennen. 

Bei Herrn K. war der Gang der folgende: Beim ersten Versuche 
— Tempo 344 a — gab er an, er hätte auf das Licht als solches und auf 
seine regelmäfsige Wiederkehr geachtet. Um diese festzustellen, hat er 
sogar willkürlich bis 2 gezählt, und zwar ganz gleichmäfsig, ohne jede Be- 
tonung; doch unterliels er dies bald wieder. Bei den beiden nächsten 



24 -Swrf Koffka, 

Versuchen — Tempo 719 o resp. 399 o — zählte er bis 3 resp. bis 4 und 
zwar war das Zählen willkürlich, die Art des Zählens jedoch unwillkürlich. 
Dabei gab er an, dafs er nicht mehr an den Takt denke, sobald er aufhöre 
zu zählen. Unwillkürlich hat er erst bei der ersten objektiv rhythmischen 
Beihe gezählt, doch ist wohl das Rhythmuserlebnis auch vorher schon 
fertig gebildet, da die Art des Zählens von selbst, d. h. durch die Lichter 
bedingt, eintritt. 

Bei Fräulein W. schliefslich war der Verlauf der folgende: Sie steht 
den Erscheinungen sehr kritisch gegenüber und will ihnen möglichst auf 
den Grund gehen. So stellte sie zunächst die Regelmäfsigkeit fest und 
zwar durch gleichmäfsiges fortlaufendes Zählen. Beim ersten Versuch 

— Tempo 750 a — zählte sie dann nach den, aus Bücksicht auf meine 
graphische Methode (s. o.), eingeschobenen Pausen immer in 3 Gruppen 
ohne jede Betonung, hatte aber nicht den Eindruck, als ob die Lichter in 
Gruppen zu 3 erschienen wären. Für die beiden nächsten Versuche 

— Tempo 500 o resp. 350 o — ist es charakteristisch, dafs sich unwillkür- 
liches Zählen in Gruppen einstellte, das aber auf die Lichterscheinungen 
nicht pafste. Dann bei einem langsameren Tempo — 1000 a — zählte 
Versuchsperson ohne jede Unbequemlichkeit fortlaufend jedes Licht ; dabei 
hatte sie eine Assoziation an ein Leuchtfeuer, das sie im Sommer beob- 
achtet hatte. Beim nächsten Versuch endlich — Tempo 569 a — trat das 
fertige Takterlebnis auf. Versuchsperson zählte auch hier zunächst fort- 
laufendy dann aber in Gruppen zu 3 mit der Betonung auf dem ersten 
Taktteil. Dabei gab Versuchsperson an, daTs sie trotzdem nicht glaube, 
dafs Takt gewesen sei, weil er nicht deutlich genug markiert war. Dies 
ist aber sicher nur ein Schlufs, nicht unmittelbares Erlebnis. Dafür spricht 
zweierlei, einmal bezieht die Versuchsperson diese Angabe nur auf die 
Lichter, während sie zugibt, selbst Rhythmus gehabt zu haben, dann aber 
glaubte sie sogar zuerst zweimal, dafs das erste der 3 Lichter auch heller 
sei. Dies ist, wie wir unten sehen werden, eine häufig bei Rhythmisierung 
auftretende Täuschung. Es blieb dies das einzige Mal, dafs Versuchsperson 
subjektiv rhythmisierte, während sie auf objektive Rhythmen, auch wenn 
sie komplizierter waren, sehr prompt reagierte. 

Es bleiben die 6 Versuchspersonen, die erst subjektiv rhythmi- 
sierten, nachdem sie schon objektiv rhythmische Reihen gesehen 
hatten. Die beiden ersten stellen einen Übergang dar zu den 
eben besprochenen. 

Herr Dr. J. stand bei den ersten beiden Versuchen — Tempo 293 a 
resp. 504 a — den Reizen völlig indifferent gegenüber. Beim dritten Ver- 
such — Tempo 1175 a — gab er an, dafs er eine regelmäfsige Periodizität 
hell dunkel bemerkt habe. Diese Regelmäfsigkeit nennt er einen gewissen 
Takt, doch ist diese Bezeichnung erst aus einer Überlegung hervorgegangen 
während des Versuches war nichts von Takt im Bewufstsein. Versuchs- 
person hat auch weder gesprochen noch gezählt. Wir werden dies Erlebnis 
also wieder als eine Vorstufe des vollkommenen Rhythmuserlebnisses auf- 
zufassen haben. Dann bot ich ihm eine Reihe mit Kont. 135 — Tempo 



Experimental'TJniersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 26 

287 a — . Hier hatte er sofort den Eindruck der Periodizität. Es war ein 
deutlicher Takteindruck. 

Mis G. lieferte folgende Aussagen — sie reagierte sehr stark auf 
Farhen, war auch recht musikalisch, und besuchte sehr viele Konzerte; 
dabei waren ihre Nerven etwas überreizt, sie neigte zu neurasthenischen 
Kopfschmerzen (da sie selbst Dr. med. ist, konnte sie mir alle diese An- 
gaben selbst machen). Beim ersten Versuche — Tempo 350 a — hatte sie 
zunächst Assoziation an ein Gewitter. Dann kamen Assoziationen an Loib 
Füller und die Bewegungen beim Tanzen. Zum Schlufs Traurigkeit, ver- 
anlafst durch die Farbe. Hier wirken eine Menge Faktoren zusammen. 
Gerade bei Lote Füller ist es sehr kompliziert, da es hier fraglich ist, ob 
das blaue Licht oder die Zeitfolge das reproduzierende Moment war. 
Wahrscheinlich haben wohl beide mitgewirkt — das blaue Licht weckt die 
Erinnerung an die Gewänder, die Zeitfolge die an den Tanz. — Jedenfalls 
haben wir hier noch kein voll entwickeltes Bhythmuserlebnis. Beim 
nächsten Versuch — Tempo 750 o — sagt sie, „es ist zu klein, es macht 
Anstrengungen frei zu werden". Es kam die Assoziation an einen Spatzen, 
dem die Knaben einen Flügel abgeschnitten haben, und der nun nicht 
mehr fliegen kann, sondern nur noch hüpfen. „Und", fügte sie hinzu, „ich 
fühle mich, als ob ich auch nur noch hüpfen könnte." Darauf zeigte ich 
ihr eine Reihe mit Kont. 13 5 — Tempo 750 a — , jetzt sagte sie spontan : 

„Ich fand, es war ein Rhythmus hierin, '/«Takt 12 3." Sie zählte erst mit 
und bemerkte erst nachträglich den Rhythmus. Die Erscheinung inter- 
essierte sie sehr stark und es trat ein enorm hoher Grad von Konzen- 
tration ein, so dafs sie sich an akustische oder irgendwelche anderen 
Assoziationen nicht erinnern konnte. Doch hatte sie den heftigen Wunsch 
gehabt, ihre Arme im Kreis zu schwingen. Hier ist also der fertige 
Rhythmuseindruck vorhanden. Es trat dann auch subjektive Rhythmisierung 
ein, wenn auch mit Hilfe von Assoziationen. 

Die 4 übrigen Versuchspersonen hatten bei objektiv gleich- 
mäfsigen Reihen noch keine Spur von Rhythmus. Der ersten 
fiel wenigstens die Regelmäfsigkeit auf. 

Fräulein K. sah 3 gleichförmige Reihen in den Tempi 384 a, 771 a, 
1550 o, und beschrieb bei dem zweiten und dritten die Regelmäfsigkeit. 
Dann zeigte ich ihr eine Reihe mit Kont. 1 3 5, Tempo 367 a. Nun gab sie 
an: „Jetzt war es etwas anders; jetzt kam das Licht immer in einem be- 
stimmten Rhythmus." Dies fiel ihr schon nach dem ersten Male auf, wobei 
unter „auffallen" nicht rein intellektuelles zu verstehen ist. Beim nächsten 
Versuch, objektiv gleichförmige Reihe, — Tempo 743 a — war es wieder 
nur „regelmäfsig", überhaupt schied Versuchsperson sehr genau zwischen 
rhythmisch und regelmäfsig, s. u. 

Herr L. und Herr M. zeigen einen ähnlichen Verlauf. Bei 
beiden tritt bei den ersten 2 Versuchen mit gleichförmigen Reihen 
keine Rhythmisierung ein. Auch ist beiden nichts über Regel- 
mäfsigkeit und Unregelmäfsigkeit aufgefallen. 



26 -Kwrf Koffka, 

Herr L. gab sich beim zweiten Versuch, durch meine Frage veranlafst, 
Mühe, darauf zu achten. Von selbst war er aber nicht darauf gekommen. 
Dann wurde beiden ein 2 Takt gezeigt — Herrn L. Kont. 1 5, Tempo 778 a, 
Herrn M. Kont. 12 5 6, Tempo 312 o — . Herr L. gab nun an : „Die üngleich- 
förmigkeit war ganz auffallend, doch schien ein Gesetz darin zu sein." Um 

dies Gesetz festzustellen, zählte er „taktmäfsig, d. h. mit Betonung" 123 4, 
die erste Hälfte der Gruppe fiel auf die Lichter, die zweite in die Pause. 
Versuchsperson, die etwas musikalisch ist, hatte schon vor dem Zählen 
dunkel bemerkt, dafs die Zeitverhältnisse dem ^4 Takt entsprachen. Herr M. 
gab zunächst nur an: „Es war dieselbe Sache wie vorhin, nur die Dauer 
war verschieden. Erst 2 Lichter, dann eine ebenso lange Pause." Ich 
fragte ihn nun, wie er das festgestellt habe, und erhielt darauf in einiger- 
mafsen empörtem Ton die Antwort: „Das ging doch ganz taktmäfsig; de 

de — de de; das sagt einem das reine rhythmische Gefühl!" 
Beide haben dann auch subjektiv rhythmisiert. 

Genügte bei diesen 3 Versuchspersonen schon die erste 
objektiv rhythmische Reihe, um das Rhythmuserlebnis zu sta- 
tuieren, so war dies in dem nun noch zu besprechenden Falle 
jedoch anders. 

Die beiden ersten gleichmäfsigen Reihen, die ich Herrn Ke. zeigte, 
hatten die Tempi 380 a und 750 a, die zweite ging also fast genau doppelt 
so schnell wie die erste. Trotzdem bemerkte er gar keinen Unterschied. 
Die zeitliche Aufeinanderfolge hatte sich ihm überhaupt noch gar nicht 
deutlich bemerkbar gemacht, gewirkt hatte auf ihn beim ersten Versuch 
die Farbe. Er hatte bei diesem Versuche die Assoziation an das Auf- und 
Zudrehen einer Lampe ; dies mufs so verstanden werden, dafs ihn jedesmal 
von neuem das Licht an eine so behandelte Lampe erinnerte, nicht so, als 
ob eine Lampe fortlaufend an und ausgedreht würde, was ja schon ein 
deutliches Bemerken der Eegelmäfsigkeit voraussetzen würde. Beim zweiten 
Versuch trat die Assoziation an Wetterleuchten ein. Als dritten Versuch 
zeigte ich der Versuchsperson eine Reihe mit Kont. 13 5 — Tempo 380 o — . 
Hier gab sie an : „Ich stand noch unter dem Eindruck des Wetterleuchtens. 
Es war genau so wie das vorige Mal" (nicht nur das Wetterleuchten, sondern 
überhaupt der ganze Versuch). Am nächsten Versuchstage bot ich erst 
wieder eine gleichförmige Reihe — Tempo 716 a — . Hier wurde zum 
ersten Mal die regelmäfsige Zeitfolge bemerkt, wie es wenigstens aus einer 
Assoziation hervorzugehen scheint. Versuchsperson sagte nämlich: „Ich 
habe ein bläuliches Licht gesehen, das ab und zu aufleuchtet, und zwar 
sich zum Kreis erweiternd, wie einer, der den Mund zuspitzt und dies 
immer wiederholt." Beim nächsten Versuche endlich ist der Rhythmus 
statuiert. Ich bot Kont. 13 — Tempo 376 o — . .Jetzt sagte Versuchs- 
person: „Ich sah das Aufleuchten wie das vorige Mal, aber es erfolgte 
taktmäfsig, so dafs man beinahe zählen konnte. ... Es kam sofort etwas 
Taktmäfsiges ; um das zu kontrollieren habe ich gezählt." Später trat dann 
auch einige Male subjektive Rhythmisierung ein. 



Experimental'ünterauchungen zur Lehre vom Rhythmus. 27 

Ich bin so ausführlich auf diese Gruppe von Erscheinungen 
eingegangen, um klar zu erweisen, dafs durch optische Eindrücke 
allein, ohne Assoziationen, der rhythmische Eindruck bei allen 
Personen hervorgerufen werden kann. Individuelle Unterschiede 
haben sich nur in bezug auf die Entwicklung gezeigt. 

Um nun noch ein letztes, unwiderlegliches Arguyient zu dem 
schon gelungenen Beweise hinzutun zu können, habe ich noch 
einige Versuche an taubstummen Kindern angestellt, über die 
jetzt berichtet werden soll. 

Herr Riemann hatte mir 4 Knaben aus der Kgl. Taub- 
stummenanstalt ins Institut gesandt ; sie wurden von einem Lehrer 
und einer Lehrerin begleitet. Beiden sage ich von dieser Stelle 
aus gern meinen Dank für ihre wertvolle Hilfe. Drei von den 
Kindern habe ich untersucht. Eines war im dritten Lebensjahre 
taub geworden, die beiden anderen waren von Geburt taub. Auf 
das vierte, das erst im vierten Lebensjahre das Gehör verlor, 
habe ich verzichtet. Über den Zustand der Vestibularorgane der 
untersuchten Knaben konnte ich nichts in Erfahrung bringen. 
Die Versuche wurden im grofsen und ganzen ebenso angestellt 
wie bei den normalen Versuchspersonen, nur wurde bei zwei von 
ihnen mit objektiven Rhythmen begonnen, bei einem nur ver- 
sehenthch mit einer objektiv gleichförmigen Reihe. 

H. B. 14 Jahre alt, im dritten Lebensjahre taub geworden, sah zunächst 
eine Reihe mit Kont. 13 5 — Tempo 430 a. Er gab an, er habe die graue 
Scheibe und das Licht darauf gesehen, dann klopfte er ganz spontan im 
3 Takt. Dies diente jedoch nur zur Beschreibung. ViTährend des Versuches 
habe er 3 gedacht, aber nicht geklopft. Er scheint gefühlsmäfsig ziemlich 
stark darauf reagiert zu haben, denn er gab an: „es war schön'' und hatte 
dabei einen höchst vergnügten Gesichtsausdruck. Dann zeigte ich ihm 
Kont. 13 — Tempo 430 a. Nach Beendigung des Versuches zeigte er sofort 

2 Finger. Er sagt: „Es war hell, 2 mal." Er hat gezählt 1 2. „Es war 
schön, aber 3 schöner." Dann zeigte ich ihm noch eine gleichförmige 
Reihe — Tempo 430 a. Jetzt sagte er: „Soviel eins" und machte dabei 
einen Strich in die Luft. Er hatte also ganz deutlich den Unterschied 
gegen das vorhergehende erkannt. 

Es unterUegt nach alldem keinem Zweifel, dafs er das voll- 
kommene Rhythmuserlebniss, wie wir es kennen, gehabt hat. 

Th. S., 12 Jahre alt, von Geburt taub. Bei ihm gestalteten sich die 
Versuche viel schwieriger. Er achtete zunächst gar nicht auf die Zeitfolge. 
Beim ersten Versuch, Kont. 13 5 — Tempo 430 a — war nichts aus ihm 
herauszubekommen. Wenn er klopfte, tat er dies ganz gleichmäfsig ohne 
Takt, auch als der Lehrer ihm verschiedene Takte, darunter den richtigen 



28 ^urt Koffka. 

vorgeklopft hatte. Ich zeigte dann Kont. 13 — Tempo 450 a — . Auch 
hier war zuerst nichts Neues vorhanden. Dann aber verdunkelte ich das 
Zimmer zeitweise völlig, um die Aufmerksamkeit der Versuchsperson auf 
das in Betracht kommende Phänomen zu lenken. Dabei konnte man beob- 
achten, dafs er mit der Hand einen steigenden Rhythmus klopfte und zwar 
immer mehrere, der Zahl nach verschiedene Senkungen und eine deutlich 
markierte Hebung; dies ging genau dem Takte der Lichter entsprechend, 
auf das erste Licht kamen die Senkungen, auf die zweite die Hebung. 
Seine Aussagen nachher waren wieder ziemlich umbestimmt. Zunächst 
klopfte er einen 3 Takt, dann erst, unter dem Einflufs des Lehrers einen 
2 Takt. Überhaupt scheint er nur auf Veranlassung des Lehrers e:eklopft 
zu haben, der ihn etwas zu sehr beeinflufste. Trotz alledem glaube ich, 
dafs auch er eine Zeitlang wirklichen Bhythmus hatte. Es ist sonst nicht 
zu erklären, warum er so taktmäfsig zu den Lichtern klopfte. Dafs die 
Resultate bei ihm nicht besser waren, wird uns nicht in Erstaunen setzen, 
wenn wir bedenken, einmal, wie lange es bei manchen normalen Versuchs- 
personen dauerte, und aufserdem, dafs er nur 12 Jahre alt war, also viel 
weniger imstande, genaue Angaben zu machen. 

E. A., 15 Jahre alt, von Geburt taub. Zuerst zeigte ich eine gleich- 
förmige Reihe — Tempo 450 o. Er beschreibt das Phänomen sehr genau, 
hat aber offenbar kein Rhythmuserlebnis gehabt. Dann zeigte ich Kont. 13 5. 
Hier zählte er wieder nur die Male des Auftretens. Dann zeigte ich Kont. 1 3 
— Tempo 460 o — und verdunkelte wieder zeitweilig das ganze Zimmer. 

Jetzt fing er an zu zählen: 12, 12. Er gab an, dies auch während des 
Versuches getan zu haben. Es war auch für ihn diesmal lustbetont 
gewesen. 

Ich glaube, dafs dies genügt, um zu zeigen, dafs auch Taub- 
stumme durch Lichtreize Rhythmus bekommen können, und 
damit ist unser oben schon zur Genüge bewiesener Satz noch 
erhärtet. 



§ 2. Der Yorgang der sobjektiyen Khythmisierung. 

A. Regelmäfsigkeit und Rhythmus. Der Akzent. 

In § 1 haben wir häufig gefunden, dafs Versuchspersonen, 
die noch nicht ein Rhythmuserlebnis angaben, doch schon auf 
eine von ihnen bemerkte Regelmäfsigkeit hinwiesen. Es wird 
daher in diesem Paragraphen zunächst dieser Unterschied näher 
ins Auge zu fassen sein. 

Die Vorversuche sind in Angaben in bezug hierauf recht spärlich, 
es liegt nur ein Fall vor, den wir demnächst erwähnen werden. Bei den 
Hauptversuchen stellte sich das Phänomen bei mehreren Personen ein. 
Bei Herrn Dr. J. haben wir es schon im vorigen Paragraphen einmal er- 
wähnt. Beim dritten Versuche — Tempo 1157 o — war ihm eine „regel- 



Experime7ital- Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 29 

mäfsige Periodizität hell dunkel'' aufgefallen. Wir hatten dies oben noch 
nicht als das eigentliche Bhythmuserlebnis aufgefafst, und wie wir sehen 
werden mit gutem Recht. Der vierte Versuch war, wie oben beschrieben, 
ein solcher mit objektiv rhythmischer Beihe, in dem das vollständige 
Rhythmuserlebnis eintrat. Der erste Versuch des nächsten Tages war 
jedoch wieder eine objektiv gleichmäfsige Beihe — Tempo 173 a — . Hier 
gab die Versuchsperson wieder nur an, dafs „die Strahlen regelmäfsig 
periodisch gröfser und kleiner wurden". Man mufs indes nicht denken, 
dafs die Versuchsperson jede objektiv gleichmäfsige Reihe als regelmäfsig 
bezeichnete. 3 Versuche später, nachdem 2 objektive Beihen, die letzte im 
ausgeprägten 3 Takt, gezeigt worden waren, sah Versuchsperson eine gleich- 
mäfsige Beihe im Tempo 640 a. Hier gab die Versuchsperson an : „Es kam 

mir auf einmal so vor zu zählen, mehr wie ,ich will' als wie ,ich soll* I 1 2, 
nach 2 war eine Pause. Dann wurde mir bewufst, dafs das regelmäfsig sei. 
Dann wurde es 1 2, die Pause nach 2 blieb wie vorher." Hier ist also 
auch zunächst eine blofse Regelmäfsigkeit, sie wirkt aber als Vorstufe eines 
ausgesprochenen Rhythmus. 

Herr Ke. machte ähnliche Angaben. Bei Tempo 1247 a sagte er: „Ich 
sah die Lichter in regelmäfsigen Zwischenräumen aufleuchten und zählte 
eins, lang ausgehalten auf jedes Licht." Dies sei nicht taktmäfsig. Bei 
Tempo 700 a trat dasselbe auf, nur dafs er diesmal erst absichtlich zählte; 
dabei war jedoch die Art des Zählens wieder unwillkürlich und kam ganz 
von selber. Der nächste Versuchstag lieferte ein noch interessanteres Er- 
gebnis. Beim ersten Versuche — Tempo 1070 a — achtete Versuchsperson 
lediglich auf die Gestalt des Lichtes. Beim zweiten — Tempo 840 a — gab 
sie an: „Ich sah, dafs das Licht in regelmäfsigen Zwischenräumen auf- 
einander folgte." Woran sie die Regelmäfsigkeit gemerkt hat, kann sie 
nicht angeben. Beim dritten Versuche — Tempo 575 o — trat subjektive 
Rhythmisierung ein. Versuchsperson gab an: „Ich sah das blaue Licht 
aufleuchten, und zwar so, dafs ich immer 2 für zusammengehörig ansah» 

also dafs ich 1 2 zählte." Der Takteindruck und das Zählen waren gleich- 
zeitig. Hier ist also wieder die Regelmäfsigkeit als Zwischenglied zwischen 
unbemerkter Gleichmäfsigkeit und Rhythmus. 

Fruchtbarer in bezug auf den Unterschied von Regelmäfsigkeit und 
Rhythmus gestalteten sich die Angaben der folgenden Versuchspersonen. 

Herr L. gab bei Tempo 1450 a an, das Licht sei langsam und regel- 
mäfsig aufgeleuchtet und er habe zur Kontrolle der Regelmäfsigkeit fort- 
laufend mitgezählt. Dann aber habe das Langsame und Regelmäfsige sein 
Interesse nicht mehr genügend erregt, so dafs seine Gedanken abschweiften. 
Beim nächsten Versuche — Tempo 670 a — gab er an: „Die Lichterscheinung 
geschah wieder in regelmäfsiger Zeitfolge, aber etwas schneller und be- 
stimmter, d. h. für den psychischen Eindruck. Ich zählte jetzt unwillkür- 

lieh 12 3 4 von Anfang an." Beim nächsten Versuche — Tempo 395 o — 
trat ein Rückschlag ein. „Die Lichter waren auch diesmal regelmäfsig, eher 
noch schneller als das letzte Mal. Ich zählte auch diesmal unwillkürlich 
bis 4 mit, aber die Lichterscheinungen schienen für ein taktmäfsiges Mit- 



30 -ffwr* Koffka, 

zählen nicht so geeignet zu sein . . :, daher zählte ich auch nicht eigentlich 
taktmäfsig, also ohne Akzent.*^ Er gab dann auf meine Frage nach der 
Natur des Takterlebnisses an: „Im Takt sind gewisse regelmäfsig wieder- 
kehrende Bestandteile deutlich von den anderen abgehoben. Blofse Kegel- 
mäfsigkeit genügt nicht. *^ 

Wir haben hier also einen Fall, wo zwar schon Gruppen- 
bildung vorhanden ist, das Erlebnis aber doch nur das der 
Regelmäfsigkeit. 

Am nächsten Versuchstage war der Verlauf ein ähnlicher. Bei den 
ersten 3 Versuchen — Tempi 1240 a, 905 <f, 704 a — hatte Versuchsperson 
wieder den Eindruck der Regelmäfsigkeit und zählte dementsprechend fort- 
laufend mit. Beim 4. Versuch — Tempo 547 a — gab sie an: „Die Licht- 
erscheinungen schienen diesmal schneller und energischer zu geschehen. 

Ich zählte von Anfang an mit im 2 Takt 1 2.^ Beim nächsten Versuche 
— Tempo 451 a — waren die Erscheinungen „noch schneller und lebhafter 
.... der Takt drängte sich geradezu auf. Nach der langen Pause z. B. 
wollte ich gar nicht mehr zählen, tat dies aber doch gezwungenermafsen. 
Es war, als ob der Takt in den Lichterscheinungen läge." Auch am nächsten 
Tage gibt Versuchsperson noch einmal an — Tempo 458 a — : „Es fehlte 
den Lichterscheinungen noch an Straffheit und Bestimmtheit." An dem- 
selben Tage kam es auch noch einmal vor, dafs er Gruppen bildete, diesmal 
Zweigruppen, ohne Takteindruck — Tempo 1020 a — . Ferner war noch 
etwas sehr Bemerkenswertes zu beobachten: 

Beim dritten Versuche nämlich, dem ersten, bei dem er Bhythmus 
erlebte, — Tempo 494 o — gab er an, dafs der Takteindruck vor dem Zählen 
dagewesen und durch dieses deutlicher geworden wäre. Er gibt an, dafs 
der Takteindruck dadurch zum Bewufstsein kam, dafs deutliche Pausen 
da waren. Aufserdem habe das Zählen auch die Art des Taktes verändert 
Vorher taktierte er nämlich innerlich 1, 1, 1 . . ., erst durch das Zählen 
bildete sich eine Zweigruppe, so dafs er jetzt 1 2 zählte. 

Zunächst war hier also eine Gruppe vorhanden, die schein- 
bar aus einem einzigen Ghede bestand. Da wir dieser Tatsache 
im folgenden noch des öfteren begegnen werden, ist es am Platze, 
einige erklärende Worte hierüber voranzuschicken. Während im 
allgemeinen zu einer rhythmischen wie zu jeder Gruppe mehrere 
Gheder gehören, ist es für unsere Erscheinung charakteristisch, 
dafs nur ein Element aus der Reihe der regelmäfsig erscheinenden 
Reize die Gruppe konstituiert. Trotzdem wird man wohl auch 
hier nach einem anderen Gliede suchen müssen. Ohne weiteres 
die Pause als solches aufzufassen, geht nicht an, da wir im 
folgenden bei einer Versuchsperson diesen Fall von dem zur 
Diskussion stehenden scharf geschieden finden werden. Trotzdem 
mufs dies Element in der Pause liegen, vielleicht ohne jede, oder 



Experimental-Üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 31 

wenigstens ohne jede bemerkte Repräsentation. Das erste reprä- 
sentierte Glied ist darum das für das Bewufstsein hervorstechende, 
die Gruppe scheint aus ihm allein zu bestehen, während sie doch 
nicht hätte gebildet werden können, wenn nicht dieses andere 
Glied dazu beigetragen hätte. Wenn wir also im folgenden von 
Einsgruppen sprechen, so soll immer diese scheinbar aus einem 
Gliede bestehende Gruppe gemeint sein. Diese Art des Rhythmus 
wollen wir im Gegensatz zu dem gewöhnlichen, bei dem spezifische 
Gruppenbildung stattfindet, bei dem also mehrere gleichartige 
GUeder vereinigt werden, Rhythmus ohne spezifische Gruppen- 
bildung nennen. Ausführlicher wird hierauf im theoretischen 
Teil dieser Arbeit eingegangen werden. 

Es ist ganz deutlich, dafs bei dieser Versuchsperson zur 
Regelmäfsigkeit etwas hinzukommen mufs, um Rhythmus daraus 
zu machen, was sie mit Worten wie energisch, bestimmt, straff 
bezeichnet. Femer konnte bei ihr Gruppen bildung ohne Rhyth- 
mus, und Rhythmus ohne spezifische Bildung von Gruppen auf- 
treten, wenn man unter „Gruppe" die Zusammenfassung mehrerer 
gleichartiger Glieder versteht, wie das bis jetzt in der Rhythmus- 
literatur üblich war. 

Auch bei Fräulein G. können wir die Unterscheidung zwischen 
Rhythmus und RegelmäXsigkeit machen. Nachdem sie 2 mal — Tempi 749 a, 
910 a — in Viergruppen rhythmisiert hatte, sah sie eine Reihe im Tempo 
1438 o. Hier gab sie an : „Wieder vierteiliger Rhythmus. Alle Töne gleich 
betont. (Versuchsperson erlebte nämlich, wie weiter unten ausführlich 
beschrieben sein wird, durchgehend Töne.) Ich hatte das Bewufstsein, als 
ob an sich lauter gleiche Lichter hintereinander kommen, und dafs ich 4 
immer zusammenfasse." Hier liegt jedenfalls nicht mehr ein richtiger 
4 Takt vor. Wir werden das Erlebnis wohl am besten charakterisieren als 
einen Rhythmus mit Einsgruppen, in dem aber noch durch Perseveration, 
über die weiter unten das Nähere zu sprechen sein wird, Viergruppen 
gebildet werden. Beim nächsten Versuch — Tempo 1743 a — sprach 
Versuchsperson nicht mehr von Rhythmus oder gleicher Betonung, 
sondern nur von gleich mäfsig aufeinander folgenden Lichtern, bei denen 
sich auch noch die Tendenz Viergruppen zu bilden fühlbar machte. 

An einem anderen Versuchstage sah Versuchsperson zuerst eine Reihe 
im Tempo 260 o. Hier gab sie an: »Ein gleichmäfsiges Hintereinander 
ohne Rhythmus . . . Vom Rhythmus dadurch unterschieden, dafs keine 
Absätze da waren, wobei Absatz nicht als Pause zu verstehen ist." Beim 
nächsten Versuch — Tempo 367 a — trat dann subjektive Rhythmisierung ein. 

Wir haben also hier in dem oben besprochenen Versuche 
auch den Rhythmus mit der Einsgruppe, und dabei die inter- 



32 -Kur* Koffka. 

essante Beobachtung, dafs die Tendenz zum Gruppieren eininal 
bei einer solchen, ein anderes Mal bei einer nur regelmäfsigen 
Reihe hervortritt. 

Ungemein reiches Material für diese Frage liefert Fräulein K. Es war 
mir überhaupt durch das grofse Interesse dieser Versuchsperson möglich, 
mit ihr eine weit grOfsere Anzahl von Versuchen vorzunehmen als mit 
meinen anderen Versuchpersonen, so dafs ich vieles mit ihr durchprobieren 
konnte, um dann nur das beste für meine anderen Versuchspersonen zu 
verwenden. Nachdem sie am ersten Tage zum ersten Male, bei einer ob- 
jektiv rhythmischen Reihe, Rhythmus erlebt hatte, s. o., bot ich ihr wieder 
eine gleichmäfsige — Tempo 743 a — . Sie sagte : „Jetzt war es ganz regel- 
mäTsig . . Infolgedessen nicht mehr gezählt.^ Dann kamen 2 objektiv 
rhythmische Reihen, von denen aber die erste auch nur als regelmSXsig 
empfunden wurde (s. den folgenden Paragraphen), während die andere 
Rhythmus auslöste. Dann zeigte ich wieder eine gleichmäfsige Reihe, 

— Tempo 367 a — . Ihre Angabe war : „Jetzt waren keine richtigen Pausen, 
sondern nur ein Sichzusammenziehen und Sichausdehnen, wie mir schien 

ganz regelmäfsig und ziemlich schnell. Ich zählte 1, 1, 1 für 

das Bewufstsein ist das Einszählen verschieden vom rhythmischen Zählen.^ 
Ebenso war es beim nächsten Versuch, der 2 Tage später stattfand, 

— Tempo 286 a — , wo nur veranlafst durch die zu schnelle Folge Nach- 
bilder eintraten, die das Erlebnis störten. Wieder gab Versuchsperson an : 
„Die Regelmäfsigkeit ist nicht eigentlich rhythmisch.'' Darauf kamen 
3 objektiv rhythmische Reihen, die auch das Rhythmuserlebnis hervorriefen, 
dann eine gleichmäfsige — Tempo 575 o — . Hier machte Versuchsperson 
folgende interessante Angabe : „Ich zählte, sobald ich die Lichterscheinung 

sah, 12..., hatte aber dabei das Gefühl, dafs es kein richtiger Rhythmus 

wäre, sondern dafs man auch 1, 1, . . zählen könnte, wie bei einer einfachen 

f 
Regelmäfsigkeit. Dies ging auch, doch kehrte die Tendenz wieder, 1 2 zu 

zählen, der ich auch nachgab. Zum Schlufs zählte ich wieder 1, 1, . . . 

Die Betonung auf 2 war ganz gering und mit dem Eindruck verbunden, 

dafs sie nicht ganz richtig sei, d. h. nicht in den Lichtem gelegen. Als 

ich zum ersten Male nach 1, 1, . . wieder 1 2 zählte, war der Rhythmus 
stärker ausgeprägt. Ein sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen 
Regelmäfsigkeit und Rhythmus gibt die Pause. Bei der Regelmäfsigkeit 
gehört das Intervall dazu (sc. zur Gruppe), bei den stark rhythmisierten 
Reihen nicht, da war sie (die Pause) wieder nichts (s. u.); zuerst 
gehörte sie nicht so ganz dazu."* In diesem Falle haben wir offenbar eine 
Zwischenstufe zwischen Regelmäfsigkeit und Rhythmus, worauf später 
näher einzugehen sein wird. Waren dies alles nur Fälle, in denen Regel- 
mäfsigkeit und Einszählen auf der einen und Rhythmus und Gruppen- 
bildung auf der anderen Seite zusammen gehörten, so kommen wir jetzt 
zu anderen Instanzen. 

Am dritten Versuchstage begann ich mit einer gleichmäfsigen Reihe 

— Tempo 1463 a — . Hier trat ein Rhythmus ein, „aber die Pause ge- 



Experimental'üntermchungen zur Lehre vom Rhythmus. 33 

hörte dazu, es war also eigentlich ohne Pause. Der Akzent kam auf 
die LichtOTScheinung. Ich zählte Eins — s." Die Pause trat also hier als 
zweites dazugehöriges , schwächer betontes , Glied der Gruppe auf, 

etwa wie i ) i ]( in der Musik. Beim Zählen wurde das s des Wortes 

Eins, durch die Pause durchgehalten, diente als Repräsentation der Pause. 
Dies ist also ein Übergang zwischen dem Rhythmus mit Gruppierung zu 
zwei und dem mit einem Gruppenglied. Beim nächsten Versuch — Tempo 
1028 o — erhielt ich folgende Angabe: „Gleich zuerst wufste ich, dafs 
Rhythmus iat, habe auch gleich gezählt und zwar zunächst wie das 
vorige MaL Dann aber sah ich, dafs das zu meinem Rhythmus nicht pauste, 
und zählte nun die Lichterscheinungen, so dafs die Pause ein Nichts 

wurde, 111... und es war Rhythmus , obwohl es kein zweites Glied 
gab. Dies lag am Akzent.*' Hier also deutlich Rhythmus ohne spezi- 
fische Gruppenbildung. Beim nächsten Versuche — Tempo 520 a — : 
„Jetzt war es sofort ausgesprochen regelmäfsig, nicht rhythmisch. Dann 
zählte ich trotzdem unwillkürlich 1, 1, 1 . ., kam aber gegen Schlufs vor der 
Pause (gemeint ist die von mir zu Versuchszwecken eingeschobene Pause, 
Vgl. S. 11) etwas ins Akzentuieren. Dies setzte sich nach der Pause fort, ich 
hörte dann aber mit Zählen auf, um zu sehen, ob wirklich ein Rhythmus 
da wäre, fand aber wieder nur Regelmäfsigkeit." 

Hier haben wir wieder das Schwanken zwischen Regehnäfsig- 
Jkeit und Rhythmus, dem wir schon einmal begegnet sind. 
Gleichzeitig wird deutlich, worin der Unterschied zwischen 
Rhythmus und blofser Regelmäfsig'keit bei gleicher Zahlweise 
1, 1, 1 . . . besteht: Es mufs nämlich beim Rhythmus jedes Glied 
seinen ausgeprägten Akzent haben. 

Der Verlauf des nächsten Versuches — Tempo 730 o — ist ähnlich, 
nur ist hier ein deutlicher Fortschritt von Regelmäfsigkeit zum Rhythmus 
vorhanden. „Zuerst war es wieder nur regelmäfsig, so dafs ich gar nicht 
zählte (blofse Regelmäfsigkeit regt nicht in gleichem MaTse zum Zählen an 
wie Rhythmus); dann kam es mir vor, als ob es doch rhythmisch sein 
könnte, und ich zählte; trotzdem blieb es nur regelmäfsig. Dann wurde 

es rhythmisch und zwar zuerst 111..., zuletzt das 4. etwas mehr betont. 

1111... Dabei waren alle Pausen gleichwertig nichts. Zum Schlufs war 
ein Eindruck von Viergruppen, aber nicht stark, der einfache Rhythmus 
war stärker, also gewissermafsen Rhythmus im Rhythmus . ." Hier ist eine 
neue Zwischenstufe wieder zwischen Rhythmus ohne spezifische Gruppen- 
bildung und mit solcher. Am nächsten Versuchstage waren die 5 ersten 
Versuche Twnpi 2365 o, 1575 o, 1440 a, 1035 (j, 782 a — nur „regelmäfsig". 
Beim 6. Versuch erst — Tempo 528 o — entwickelte sich Rhythmus : „Vor 
der langen Pause regelmäfsig mit ganz kurzen Pausen. Nach der langen 

Pause war endlich wieder Rhythmus.... Ich zählte gleich 12 34 und 
und merkte dabei, das ist ja auf einmal Rhythmus." Beim nächsten Ver- 
such — Tempo 445 a — trat zuerst wieder da« Schwanken zwischen Regel- 

3 



34 -Kmt* Koffka. 

mäfsigkeit und Rhythmus ein: ^Zuerst dachte ich, es wäre regelmäfsig, 

hatte aber ein gewisses MiTstrauen und zählte 111..., dabei aber wieder 
das MiTstrauen, ob es nicht doch blofs regelmäfsig sei. Nach der langen 

Pause war es Rhythmus. 111..." Beim nächsten Versuch — Tempo 
BIO a — war es ganz ähnlich. Auch hier zunächst rhythmisches Zählen, 
dann aber Mifstrauen, wobei aber die Tendenz rhythmisch zu gruppieren 
noch fortbestand. Am nächsten Versuchstage wurden erst 8 Versuche ge- 
macht, beim ersten war das Tempo zu schnell, bei den beiden anderen 
wurde subjektiv mit spezifischer Gruppenbildung rhythmisiert. Beim 
zweiten dieser Versuche — Tempo 395 a — beschrieb Versuchsperson das 
betonte Licht folgendermafsen : „Es ist nicht heller, aber nachdrücklicher, 
wohl etwas länger." Bei den nächsten 3 Versuchen — Tempi 770 a, 920 a, 
1475 a — war wieder Rhythmus ohne spezifische Gruppenbildung. Ich 
erhielt beim ersten dieser Versuche folgende Angabe: „Ich nenne es 
Rhythmus, 1. weil ich es als etwas Nachdrückliches empfand, 2. weil man 
bei jeder Pause wufste, dafs wieder etwas Neues derselben Art anfangen 
würde." Beim dritten dieser Versuche war es insofern etwas anders, als 
im Verlaufe des Versuches die Pause eine Stellung im Rhythmus bekam^ 
etwa als zweiter unbetonter Taktteil", wie das ja schon einmal gewesen 
war. Hier gab Versuchsperson an: „Die Pause ist zum Rhythmus nicht 
notwendig, sondern nur der Akzent. .Die Pause gehört nicht so stark zum 
Takt wie dies ein Licht tun würde, ich habe auch nie 2 gezählt, sondern 
so, als ob ich das s von eins mitsummte." Eine gute Bekräftigung unserer 
Vermutung, dafs wir es mit einer Zwischenstufe zwischen Rhythmus mit 
und ohne spezifische Gruppenbildung zu tun haben. Beim nächsten Ver- 
suche endlich — Tempo 1824 a — ergab sich folgendes : „Ich war unsicher,, 
ob es rhythmisch wäre oder regelmäfsig. Jedenfalls war nur ein Taktteil 
und eine der Länge nach bestimmte Pause. Der Akzent war ganz schwach ; 
in den Pausen wufste ich, dafs alle gleich lang sind, während ich sonst 
gar nicht an die Pausen denke. Wenn gar keine Spur von Akzent da- 
gewesen wäre, dann wäre es blofs regelmäfsig gewesen. Der Akzent ist 
irgendeine Tätigkeit, aber nicht notwendig die irgendeines Organs. Die 
Tätigkeit im Akzent kommt zum Bewufstsein." 

Wir fanden also hier die früheren Beobachtungen bestätigt 
und noch einige neue Angaben, die ein Licht auf diese Be- 
obachtungen werfen. Regelmäfsigkeit und Rhythmus können 
beide mit oder ohne spezifische Gruppenbildung auftreten^ 
charakteristisch für den Rhythmus ist der Akzent; alle ge- 
brauchten Ausdrücke weisen darauf hin, dafs es eine bestimmte 
Art der Aktivität ist, die dem Rhythmus als wesentlich zukommt. 

Es kann Zwischenstufen geben, zwischen Regelmäfsigkeit 
und Rhythmus, die dadurch charakterisiert sind, dafs die Ver- 
suchsperson im Zweifel ist, welches Phänomen vorliegt. Diese 
Zwischenstufen treten häufig als Vorläufer des wahren Rhythmus. 



ExperimentaUUntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 35 

auf. Schliefslich haben wir auch eine Zwischenstufe zwischen 
dem Rhythmus mit spezijBscher Gruppenbildung und dem ohne 
solche entdeckt. 

Zum Schlufs sei noch bemerkt, dafs eine ähnliche hierher gehörige 
Erscheinung bei den Vorversuchen nur ein einziges Mal beobachtet wurde. 
Herr He. hatte bei Scheibe 1 Geschw. 3 Rhythmus zwischen Strich und Pause. 
Er wurde dann aufgefordert, bei einer Wiederholung des Versuches sich auf 
den schwarzen Strich zu konzentrieren. Dies gelang ihm nur dadurch, dafs 
er jedesmal bei Erscheinen des Striches eine Fingerbewegung machte. Gleich- 
zeitig sagte er im Kehlkopf „ Strich". Dabei waren die Striche alle gleich, 
nicht zusammen gefafst. Ich nehme an, dafs hier ein Fall von Begelmäfsig- 
keit, nicht von Rhythmus vorliegt; sonst hätte Versuchsperson wohl noch 
irgend etwas zur Beschreibung hinzugesetzt. Weiteres Material haben die 
Vorversuche in diesem Punkt nicht geliefert. 

Es war erforderhch auf diesen Punkt so ausführüch einzu- 
gehen, weil die hier besprochenen Resultate für unsere Theorie 
von grofser Bedeutung sein werden. 

B. Die Grenzen der subjektiven Rhythmisierung. 

Haben wir im vorigen Paragraphen den Vorgang der sub- 
jektiven Rhythmisierung von ähnlichen Phänomenen abgegrenzt, 
so werden wir jetzt zusehen, innerhalb welcher Grenzen er ein* 
tritt, d. h. einmal welche obere und untere Grenze das Tempo 
nicht überschreiten darf, um subjektive Rhythmisierung hervor- 
zurufen, und zweitens die Grenzen, in denen die Dauer der Gruppen 
solcher subjektiv rhythmisierten Reihen Hegt. 

1. Die Grenzen des Tempo. 

Die verwendeten Tempi sind zu diesem Zweck in 10 ver- 
schiedene Stufen eingeteilt worden, die zuerst weiter aus- 
einander Hegen, nachher nur um 100 a verschieden sind. In 
Betracht kommen nur die Hauptversuche des Winters 1907/08, 
da hier allein systematische Reihen durchgeführt wurden. Be- 
trachten wir zunächst das Gesamtresultat aller Versuchspersonen, 
so zeigt sich, dafs die obere Grenze mit 2400 a, unserem lang- 
samsten Tempo, wohl erreicht ist. Es ist nur in einem Fall 
bei einem Tempo rhythmisiert worden, das unter diese Klasse 
fiel, nämHch von Fräulein G. bei 2176 a. Die andere Grenze 
lag bei diesen Versuchen bei 300 a, allerdings erhielt ich 
im Winter 1906/07 auch noch zweimal eine solche bei 200 a, 

doch sind diese beiden FäUe nicht ganz reinHch, das eine Mal, 

3* 



^6 



Kurt Koffka. 



bei Miss^ H., war die akustische Assoziation an das MENDSLSsasN- 
sche „Spinnerlied" zunächst im Vordergrund, s. o, S. 23, im 
anderen war das Mitzählen willkürlich — Herr K. Folgende 
Tabelle gibt ein Bild, wie -sich die Ehythmisierung auf die ein- 
zelnen Tempi verteilt: 











Tabe 


lle I. 










2400 


1800 


1400 


1100 


750 


600 


500 


400 


300 


200 


1 


1 


5 


4 


11 


7 


11 


4 


3 





Die Verteilung der Werte ist ziemlich gut, wenn man bedenkt, 
dafs nicht alle Tempi gleich häufig verwendet wurden ; hierdurch 
"sind Schwankungen wie sie bei 600 und seinen beiden Nachbar- 
zahlen vorkommen, ohne weiteres zu erklären. Sofort ersichtlich 
ist, dafs eine mittlere besonders günstige Zone bei den Tempi 
750 — 500 a hegt. Weiter ist es auffällig, dafs von hier aus die 
Zahlen nach der Seite der langsameren Tempi hin weniger schnell 
Abfallen als nach der der schnelleren; dies ist jedoch kaum als 
Eigentümlichkeit der Rhythmisierung aufzufassen, sondern hegt 
-an der Reaktionsweise des optischen Sinnesorgans. Bei noch 
schnellerer Aufeinanderfolge nämlich verschwimmen die Reize 
und es treten sehr häfshche Nachbilderscheinungen auf. 

Vergleichen wir vmsere Zahlen mit den in der Literatur für 
Rhythmisierung von Schalieindrücken angegebenen. Th. Boltoüt ^ 
gibt als obere Grenze ein Tempo von 1581 a und als untere ein 
solches von 115 a an, d. h. auf der einen Seite ist die Reihe der 
unseren gegenüber verkürzt, auf der anderen verlängert. Dafs 
das eine auf eine Eigenschaft des optischen Organs zurückzu- 
führen sei, haben wir aber schon oben als wahrscheinlich an- 
genommen, aber auch für die Verlängerung der Reihe zu lang- 
samen Tempi wird derselbe Gnmd vorhegen. Optische Eindrücke 
Mingen so viel langsamer ab als akustische, dafs bei langsameren 
Tempi dort die Pausen nicht so lang erscheinen wie hier. 

Der Wert einer Tabelle wie der unsrigen ist ein beschränkter, 
wenn die Angaben, aus d^ien sie gewonnen ist, untereinander 
sehr variieren. Wir müssen darum noch kurz die einzehien 
Versuchspersonen gesondert betrachten. Hier zeigt sich aber eine 



1 Ä. a. 0. S. 214. 



Experiment al- Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 



37 



recht gute Gleichmäfsigkeit. Personen, die nur sehr wenig rhyth- 
misierten, taten dies ansschliefsKch bei solchen Tempi, die in der 
von uns oben als beste gekennzeichneten Zone liegen. Herr G, 
mit 3 Rhythmisierungen, bei 750 ff zweimal und bei 500 a einmal, 
Herr Ke. bei 600 a und 500 a, Fräulein W. bei 600 a. Auch 
bei allen anderen Versuchspersonen liegt das Maximum der 
ßhythmisierung durchweg in dieser Zone. Zu bemerken ist noch, 
dafs die ganz langsamen Tempi, 2400 a und 1800 e nur bei 
Fräulein G., das Tempo 1400 a bei ihr und Fräulein K. vor- 
kommt. 



2* Die Grenzen der Dauer der rhythmischen Gruppe. 

Die Dauer der Gruppen wurde berechnet als Zeit vom Be- 
ginn der einen bis zum Beginn der nächsten Gruppe ; die zwischen 
den Gruppen stehende Pause ist also durchweg, auch bei objektiv 
rhythmischen Reihen, mitgerechnet worden. Wir können hier 
für die Resultate die Ergebnisse aller Versuchspersonen der 
Hauptanordnung heranziehen, da es ja bei jedem Tempo mögUch 
ist, kurze und lange Gruppen zu bilden.^ Wir erhalten dann 
folgende Tabelle: 







Tabe 


lle n. 






5600 


3500 


2200 


1600 


1100 


650 


5 


5 


8 


16 


16 


8 



Es zeigen sich also sehr grofse Schwankungen; die gröfste 
Dauer ist fast 9 mal so grofs wie die kleinste, ein Resultat, das 
mit einer der ersten psychologischen Rhythmustheorien, wonach 
die rhythmische Gruppe als Apperzeptionswelle aufzufassen sei, 
nicht gut vereinbar ist (Näheres hierüber später). Es zeigt sich 
auch hier wieder eine bevorzugte Zone, die Zahlen fallen aber 
hier ziemlich allmählich ab. Qb die Verkürzung auf der unteren 
Grenze wieder der UnbequemUchkeit sehr schneller Tempi wird 
zugeschrieben werden dürfen, ist nicht festzustellen. Auch hier 
stimmen die Verhältnisse bei den einzelnen Versuchspersonen 
mit dem Gesamtresultat gut überein, zu vermerken ist nur, dafs 



^ Einschränkungen hiervon s. a. S. 54. 



38 Kurt Koffka. 

bei Fräulein G. das Maximum erheblich nach dem langsamen 
Ende verschoben ist. Bei ihr sind gerade die längsten Dauern 
am häufigsten vertreten, daraus ist aber nur zu schliefsen, dafs 
sie auch bei sehr langsamen Tempi noch Gruppen bilden konnte, 
nicht, dafs ihre Gruppen überhaupt die Tendenz hatten sehr lang 
zu werden. Es handelt sich nämhch immer nur um Drei- und 
Viergruppen. Da die Versuche ja alle nicht als messende beab- 
sichtigt waren, können sich natürlich immer nur bei gröfseren 
Zahlen brauchbare Gesetzmäfsigkeiten ergeben. Es hatte aus 
diesem Grunde auch keinen Zweck, noch kleinere Unterabteilungen 
in der Anordnung der verschiedenen Zeiten zu machen. 

Genaue den unseren entsprechende Angaben finden sich in 
der Literatur nicht. Bolton^ und Mac Dougall^ sprechen immer 
nur von der Durchschnittsdauer bestimmter Gruppen s. u. S. 51, 
unterlassen es aber, die Grenzen anzugeben, die überhaupt vor- 
kamen. 

C. Die phänomenologische Repräsentation und der 

Ausdruck des Rhythmus. 

Aus den nun schon in ziemlicher Menge angeführten Aus- 
sagen der Versuchspersonen geht hervor, dafs sie alle den 
Rhythmus irgendwie innerlich markierten, dafs sie ihn alle mit 
sinnlichen Vorstellungen begleiteten. Diese lediglich als Reprä- 
sentation des Rhythmus aufzufassen, sind wir an dieser Stelle 
noch nicht berechtigt. Hier sollen sie nur beschrieben werden. 
Die Rechtfertigung der Überschrift dieses Abschnittes, die ich 
doch der Übersichtlichkeit wegen anwenden wollte, wird in einem 
späteren Teile folgen. 

Charakteristisch für die Versuche ist, dafs diese Vorstellungen 
fast durchweg rein motorisch oder akustomotorisch waren. Die 
sehr interessanten Ausnahmen hiervon besprechen wir demnächst. 
Am häufigsten trat Zählen auf, im ganzen wohl mehr motorisch, 
bei einer Versuchsperson, Herrn B., sehr stark akustisch. Von 
den 7 in Betracht kommenden Personen der Vorversuche zählten 
nur 2 nicht, von d«n 14 Versuchspersonen der Hauptversuche 
nur eine, und zwar Fräulein G., die schon bei den Vorversuchen 



1 a. a. 0. S. 214. 

* R. MacDougall The Structure of Simple Rhythm Forms. Psychol. 

Bev. Mon. Siip, 4 



Experimental-Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 39 

dabei gewesen war. Das Zählen geschieht entweder so, dafs in 
den Gruppen fortlaufend bis zum Ende gezählt und dann von 
neuem begonnen wird, also z. B. 1 2 3, oder so, dafs immer nur 
1 gezählt und die Gruppierung nur durch Betonung markiert 

wird, z. B. 1 1 1, oder schüefslich überhaupt fortlaufend so, dafs 

die Gruppen durch Akzente gebildet wurden also z. B. 12 3, 

4 5 6, 7 8 9 . . ., natürüch abgesehen von den Fällen, wo über- 
haupt nur Einsgruppen vorlagen. Die eine Versuchsperson, die 
nie zählte, Herr He., sagte stattdessen taktmäfsig Strich schwarz. 
Strich Strich, oder schwarz schwarz, je nachdem ob sie Striche 
und Pausen, die Striche oder die Pausen allein zusammenfafste. 
Fräulein G. hatte durchweg Töne und zwar war es im allgemeinen 
so, dafs der akzentuierte Ton eine andere Tonhöbe hatte als die 
anderen — im allgemeinen war er höher, doch kamen auch 
Fälle vor, wo er tiefer war. Bei den Hauptversuchen wurde 
dies sehr genau beobachtet, und hier fanden sich auch einige 
Ausnahmen. Bei den Gruppen nämUch, die an den Grenzen der 
Dauer lagen, waren alle Töne gleich hoch, einmal bei 6500 a, 
einmal bei 5200 a. Ebenso war es, wenn blofse Regelmäfsigkeit 
vorlag, mochte sie gruppiert sein oder nicht. 

Bei anderen Versuchspersonen kam aufser dem Zählen noch 
vor, dafs sie summten, oder ticktack sagten. Zwei Versuchs- 
personen, Herr He. und Herr M. klopften auch noch zuweilen 
zum Takte. Herr He. tat dies immer wenn es komplizierter 
wurde, so wenn er die Instruktion hatte, sich auf den Strich zu 
konzentrieren ; es erleichterte ihm die Auffassung erheblich, wenn 
es sie nicht überhaupt erst möghch machte. 

Ganz besonders interessant sind aber 3 Fälle, in denen eine 
optische Repräsentation vorhanden war, resp. die optischen Emp- 
jBndungen als Repräsentation genügten. Im ersten Fall, bei 
Herrn W., war die optische Repräsentation an das Zählen 
geknüpft. 

Er sah Scheibe 2, mit der vierten Geschwindigkeit, bildete Viergruppen 
mit Betonung auf dem ersten Glied. Hier war nun, nach seiner Aussage, 
die Betonung dadurch gegeben, dafs der erste Strich per- 
spektivisch zurücktrat und dadurch kleiner wurde. 

Hier hegt zweifellos schon eine optische Gruppierimg der 
Eindrücke entsprechend der motorischen und akustischen vor. 



40 Kurt Koffka. 

Was auf motorischem Gebiete die Zahlen, auf akustischem Ge- 
biete die verschieden hohen Töne sind, das sind auf optischem 
verschiedene Raumpunkte. Ich habe daher diese Erscheinung 
hier dargestellt und nicht in dem später behandelten Abschnitt 
über Täuschungen, in dem sonst gerade das kleiner und gröfser 
Erscheinen vorkommt. 

Der zweite Fall stammt von Fräulein G. 

Bei Tempo 1824 o gab sie an, es wäre ein Steiliger Rhythmus mit 
Betonung auf dem letzten Gliede. VorstellungsmäTsig seien 3 Töne -da- 
gewesen, etwa d d fis. „Aufserdem noch ein ganz vages optisches 
Bild, als wenn beim Übergang vom zweiten zum dritten Ton 
irgend etwas in die Höhe ginge." Also auch hier visuelle Vor- 
stellungen verbunden mit andersartigen, diesmal akustischen. 

Der dritte Fall liegt in 2 Angaben von Fräulein K, 

Bei Tempo 395 a — vorausgegangen am selben Tage war nur ein 
Versuch mit 237 a — gab sie an : „Diesmal war es Rhythmus. Ich wnÜBte 

dies sofort und zählte gleichzeitig 1234, sehr schnelL Nachher zilhlte ich 
nicht mehr, wufste aber doch noch, dafs es Bhythmue war. Hier wird 
es den Lichtern angesehen. Ich sehe, dafs immer 4 Licht- 
erscheinungen zusammengehören und dafs immer die vierte 
Lichterscheinung einen Akzent trägt, es ist nicht heller, 
aber nachdrücklicher . . . darin liegt der Bbythmus.*^ Beim nächsten 

Versuch — Tempo 460 a — gab sie an : „Es war wieder rhythmisch, 1 ^ , . . 
Bald aufgehört zu zählen, da es nicht nötig ist. Das Zählen macht für den 
Eindruck gar keinen Unterschied, es ist blofs eine Gedächtnisstütze.** 

Hier kann also die motorische Repräsentation ganz fehlen, 
der Rhythmus wird dnrch die optische Empfindung direkt aus- 
gelöst. In den folgenden Teilen der Arbeit werden wir noch 
häufig auf ähnliche Erscheinungen stofsen. 

Der optische Rhythmus steht also durchaus nicht etwa 
schlechter da als der akustische, d. h. abhängiger von phäno- 
menologischen Vorstellungen anderer Qualität. Leider finden 
sich nirgends spezifizierte Angaben hierüber. Aus den wieder- 
gegebenen Protokollen Boltons und Minees ist aber zu ersehen, 
dafs durchweg eine Repräsentation vorhanden war. Leider sind 
auch die Protokolle in diesem Punkt nicht immer sehr durch- 
sichtig. Meistens wurde wie bei uns gezählt, doch kam auch 
einmal als Hilfe eine rein optisch motorische Vorstellung, näm- 
lich die des schwingenden Pendels. 



Experimental- Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 41 

D. Die Entwicklung des Rhythmuserlebnisses beim 

Beobachten der Reihe. 

Wir haben im vorigen Abschnitte gewisse mit dem Rhythmus- 
erlebnis verbundene sinnliche Vorstellungen besprochen und 
wollen in diesem untersuchen, wie sich genetisch diese zum Er- 
lebnis selbst verhalten. Wenn man ganz oberflächlich zusieht, 
so scheint es zunächst, als ob Rhythmuserlebnis und Zählen oder 
die verschiedenen anderen Arten des Vorstellungsverlaufes zu* 
sammenfielen, da sie beständig zusammen auftreten. Dem steht 
aber schon die Angabe entgegen, die wir zum Schlufs des vorigen 
Abschnittes angeführt haben. Aber auch sonst zeigen sich bei 
genauer Beobachtung deutliche Unterschiede, die auf zeitlicher 
Trennung beruhen. Das vorhandene Material stammt wieder 
zum allergrößten Teil aus den Hauptversuchen, und zwar speziell 
aus dem Winter 1907/08. Ein Fall aus den Vorversuchen und 
einer aus dem Winter 1906/07 stehen aufserdem zur Verfügung. 

Überblicken wir unser Material, so findet sich in den aller- 
meisten Fällen, dafs tatsächlich Rhythmuseindruck und Zählen 
gleichzeitig waren. Dies geht sogar sehr weit. In 2 Fällen, bei 
Herrn B. und Miss M. (s. o. S. 20, S. 22) ist zuerst der Eindruck 
der Unordnung vorhanden, aus dem sich dann der Rhythmus- 
eindruck gleichzeitig mit dem Zählen löst. Aber auch sonst 
gehen die meisten Aussagen nach dieser Richtung: es soll aber 
schon an dieser Stelle erwähnt werden, dafs es sich bei allen 
subjektiven Rhythmisierungen nie um Gruppen handelt, die mehr 
als 4 Glieder haben; hierauf werden wir uns bei späterer Ge- 
legenheit zu beziehen haben. Immerhin kamen aber auch hier 
Fälle vor, die einen anderen Verlauf aufwiesen: 

Fräulein K hatte eine Beihe in Tempo 1463 a gesehen und diese sa 
rhythmisiert, dafs die Pause mit zur Gruppe gehörte (s. o. S. 32).. Dann 
sah sie eine Reihe im Tempo 1028 o. Hier gab sie an: „Gleich zuerst i;?ufste 
ich, dafs es Rhythmus ist, habe auch gleich gezählt und zwar zunächst wie 
das vorige Mal, Dann aber sah ich, dafs das nicht pafste und zählte nun 
die Lichter seheinungen. ..." 

Wenn hier auch noch Rhythmuserlebnis und Zählen gleich- 
zeitig auftreten, so sind sie hier doeh schon zu trennen. Das 
Zählen ist noch eine Nachwirkung des vorigen Versuchs, es pafst 
auch tatsächlich gar nicht auf den deutlich vorhandenen Takt- 
eindruck, mit dem es also nicht identisch sein kann. Femer 
sind die oben (S. 32) ausführhch zitierten Versuche, in denen 



42 Kurt Koffka. 

Schwanken zwischen Regelmäfsigkeit und Rhythmus eintrat, hier 
heranzuziehen. Einmal wurde die Regelmäfsigkeit sofort bemerkt 
und dann gezählt, dann baute sich plötzlich auf diesen Eindruck 
der Regelmäfsigkeit der Eindruck des Rhythmus auf, dem das 
Zählen erst folgte. 

Auch eine der hierher fallenden Aussagen des Herrn L. haben wir 
schon (S. 30) angeführt. Hier trat das Bhythmuserlebnis vor dem Zählen 
auf, doch wurde durch das Zählen aus der Einsgruppe eine Zweigruppe. 
Beim darauf folgenden Versuch — Tempo 795 a — war seine Angabe ganz 
ähnlich. Auch hier war erst Takteindruck da, dann Mitzählen, das in 
Viergruppen erfolgte. Aber auch hier ist Versuchsperson nicht sicher, ob 
der Takt vor dem Zählen mit dem des Zählens identisch war. 

Auch Herr M. lieferte einen solchen Fall. Bei Tempo 725 a gab er an, 
„der Eindruck, dafs Takt ist, kam schon vor dem Zählen** ; es handelte sich 
um eine Zweigruppe. Noch eine Beobachtung soll hier erwähnt werden. 
Herr G. hatte beim zweiten Versuch — Tempo 506 o — ausgeprägten 
Bhythmus mit Pause nach dem letzten Glied. Er wollte feststellen, ob die 
Pause objektiv begründet sei und zählte daher willkürlich in verschiedenen 
Gruppen, dabei richtete sich die Pause nach dem Zählen. Da ihn dies sehr 
verwunderte, hörte er ganz auf zu zählen und hielt den Atem an. „Da 
merkte ich, dafs die Lichterscheinungen gleichmäTsig waren. Mir schien 
es dabei, als ob sie gar nichts mit meinem Ich zu tun hätten, als ob sie 
davon isoliert wären. Sie haben aber doch hervorgerufen, dafs ich den 
Takt fühlte, aber es war keine Beziehung zwischen mir und dem Takt." 

Also auch hier ist noch Takt vorhanden ohne begleitende 
Vorstellung, aber es erhellt gleichzeitig, welche grofse Bedeutung 
diese Vorstellungen für den Rhythmuseindruck haben. 

Aus dem Gesagten geht schon hervor, dafs das Rhythmus- 
erlebnis mit den sinnlichen Vorstellungen, die es begleiten, nicht 
identisch sein kann, da bei der Entstehung häufig Trennung der 
beiden zu beobachten war. Näher werden wir auf die hier ob- 
waltenden Verhältnisse erst viel später eingehen können, wenn 
wir alles vorliegende Material besprochen haben. 

E. Die Pause und ihre Bedeutung für denRhythmus. 

Es ist jetzt Zeit, etwas näher auf die Struktur der Elemente 
einzugehen, die den Rhythmus bilden. Im nächsten Abschnitt 
sollen ausführlich alle die Abweichungen behandelt werden, die 
die Vorstellungsreihe von der Reizreihe aufweist. In diesem be- 
fassen wir uns speziell mit dem, was psychisch zwischen zwei 
Rhythmusgruppen liegt, und was wir kurz mit Gruppenpause 
oder auch Pause bezeichnen wollen, gleichviel ob eine solche als 



Experimental'Üntermchttngen zur Lehre vom Bhythmus. 43 

objektiv vorhanden erschien oder nicht. Man könnte die Frage 
zunächst so stellen: Sind bei einer objektiv gleichförmigen Reihe, 
die mit spezifischer Gruppenbildung rhythmisiert wird, alle Inter- 
valle zwischen den einzelnen Gliedern gleich, oder nicht? In 
diesem Abschnitt fragen wir, wie eben auseinandergesetzt, nur 
nach der Gleichheit für das psychische Erlebnis, und werden 
dann auch noch zusehen, was die Pause bei den Rhythmen ohne 
spezifische Gruppenbildung und bei blofser Regelmäfsigkeit be- 
deutet. Das Material zur Bearbeitung dieser Frage stammt allein 
aus den Hauptversuchen des Winters 1907/08. 

Als ganz allgemeine Antwort auf unsere eben präzisierte 
Frage können wir folgendes sagen: Während die Zeitintervalle 
zwischen den Reizen innerhalb einer Gruppe gar nicht eigentlich 
ins Bewufstsein traten, so macht die Gruppenpause hiervon eine 
deutliche Ausnahme. Sie ist ein Nichts, eine EQuft. 

Die Angaben der Versuchspersonen stimmen darin durchaus überein 
So sagt Herr G. — Tempo 506 a — : „Die Pause war eine Kluft, und gehört 
weder zum alten noch zum neuen Takt. In der Pause war, glaube ich, gar 
nichts im Bewufstsein." Herr M. sagte einmal — Tempo 1200 a\ „Die 
Pause nach 2" — er bildete Zweigruppen — „bedeutet einen schärferen 
Einschnitt, eine gröfsere Markierung. In ihr ist nichts im Bewulstsein." 
Analoges findet sich bei den anderen Versuchspersonen. Manche geben 
aber noch an, dafs sie in der Pause schon das nächste erwarten ; z. B. sagte 
Herr Ke. — Tempo 455 a — : „Während der Pause Erwartung, dafs ich wieder 
würde zählen können. . , . Die Pause war ein Nichts, eine Kluft." Ähnlich 
äufserte sich Herr L. Diese Aussage ist so zu verstehen, dafs phänomeno- 
logisch eine Leere im Bewufstsein ist und deutlich bemerkt wird, daher 
weifs die Versuchsperson, dafs jetzt wieder die Gruppe von neuem los geht. 
Dies Wissen tritt nach der Aussage des Herrn L. bei ausgeprägtem 
Rhythmus ein. Wir haben aber schon einen Fall zitiert, in dem die Ver- 
suchsperson an dem Vorhandensein der Pause das Bestehen des Rhythmus 
erkannte, und zwar bei Herrn L. (s. o. S. 30). 

Es könnte dies leicht dazu führen, die Bedeutung der Pause 
für den Rhythmus zu überschätzen, indem man meint, die Pause 
sei das, was wirklich den Rhythmus ausmache. Dem stehen 
2 Fälle schroff entgegen. Der erste stammt von Fräulein K. 
Auch sie hat einmal an der Pause das Rhythmuserlebnis erkannt. 
Bei Tempo 770 a sagte sie: „Ich nenne es deshalb rhythmisch, 
weil die Pause wieder nichts war. Die Pause war nicht das 
Rhythmus bildende Element." Sie fügte dann die auf S. 34 
zitierte Begründung warum sie es Rhythmus nennt hinzu, und 
betont auch wiederholt, dafs nicht die Pause, sondern der Akzent 



44 ^i**** Koffka. 

den Rhythmtis schaffe. Der andere hierher gehörige Fall liegt 
in den Angaben des Herrn Ke. Zu der eben zitierten Angabe 
fügte er hinzu: „der Takt wurde durch das hellere Licht ge- 
bildet". — Versuchsperson hatte Dreigruppen gebildet, dabei war 
das erste Licht heller erschienen, und nach dem dritten eine 
Pause. Der Rhythmus wurde demnach nicht durch die Pause, 
sondern durch den Akzent geschaffen. 

Auch die Bedeutung der Pause bei blofser Regelmäfsigkeit 
haben wir schon gestreift (vgl. Fräulein K.s Aussagen S. 32). 
Hier ist die Pause ein ebenso wahrgenommenes Element wie das 
Licht, und alle Pausen sind gleichwertig. Dafs das zweite beim 
Rhythmus nicht der Fall ist, haben wir schon zur Genüge dar- 
getan, für das erste noch einen Beleg: 

Bei Tempo 395 o bildete Fräulein K. Viergruppen und sagte: „Die 
Pause nach dem vierten war Nichts, sonst war keine Pause da." 

Wahrgenommen ist also blofs die Taktpause, während die 
anderen 3 objektiv gleich langen für das Bewufstsein gar keine 
Bolle spielen. Auch sonst ist die Aussage interessant, da sie auch 
wieder betont, dafs nicht die Pause das Bhiythmus bildende 
Moment ist, sondern der Akzent. Ist der Rhythmus schwach 
ausgeprägt, so drängt sich auch die Pause mehr in den Vorder- 
grund des Bewufstseins, vgl. S. 32. Fräulein K.s Angaben. Was 
für den Rhythmus mit spezifischer Gruppenbildung gilt, gilt auch, 
für Rhythmus ohne solche. Auch hier ist die Pause deutlich 
nichts, der Akzent schafft den Rhythmus; so stammten einige 
unserer Zitate von solchen Reihen. 

Endlich müssen wir noch den auch schon auf S. 32 teilweise 
zitierten Versuch berücksichtigen, in dem die Pause mit zur 
rhythmischen Gruppe gehört. Hier gab Versuchsperson an, dafs 
es ganz ohne Pause sei. „Das Nichts fiel völlig fort.** 

Als Resultat dieser Beobachtung ergibt sich also für uns 
folgendes : Die Pause ist ein Merkmal des Rhythmus, doch kann 
sie nur als Proprium nicht als wesentliches Merkmal aufgefafst 
werden. Sie wird im Bewufstsein deutlich als Nichts wahr- 
genommen, dabei tritt zuweilen, besonders bei stark ausgeprägten 
Rhythmen die Erwartung des Kommenden ein. Die Pause ist 
aber nicht das Rhythmus schaffende Element, kann sie ja sogar 
in einzelnen Fällen ganz fehlen. 



Experimental-Untermckungen zur Lehre vom Rhythmus, 45 

F. Täuschungen. 

In diesem Abschnitte besprechen wir die Veränderungen, die 
die subjektiv rhythmische Reihe gegenüber der objektiv vor- 
handenen gleichmäfsigen aufweist. Der Name Täuschung ist aus 
Gründen der Korrespondenz mit den räumUchen Erscheinungen 
gewählt. Wir können zwei verschiedene Arten von Erscheinungen 
unterscheiden, die unter diese Klasse fallen, einmal solche Täu- 
schungen, die für die Gruppenbildung charakteristisch sind, und 
dann solche, die den ganzen Ablauf der Reihe betreffen. Die 
erste Art, als die interessantere möge voranstehen. 

I. Täuschungen, 
-die für die Gruppenbildung charakteristisch sind. 

Die hierher gehörenden Erscheinungen sind zum grofsenTeil 
schon ausführlich beschrieben,^ zum Teil sogar schon quantitativ 
untersucht worden,^ so dafs wir uns hier kürzer fassen können. 
Immerhin ist es interessant, auf die Analogien hinzuweisen, die 
hier zwischen optischen und akustischen Rhythmen bestehen. 

1. Die Verlängerung der Pausen nach den Gruppen. 

Wir haben im vorigen Abschnitt zur Genüge ausgeführt, 
wie sich die Gruppenpause von den übrigen als psychisches Er- 
lebnis abzeichnet. Es genügt an dieser Stelle hinzuzufügen, dafs 
diese gesteigerte Bedeutung mit einer zeitlichen Verlängerung 
parallel ging. Diese Täuschung trat fast durchweg ein und war 
sehr auffällig. Selbst wenn die Versuchspersonen untersuchen 
wollten, ob die Pause wirklich objektiv begründet wäre, und des- 
halb willkürlich andere Gruppen bildeten, konnte es vorkommen, 
dafs auch noch diese neuen Gruppen durch eine Pause von- 
einander getrennt waren, wie in dem auf S. 42 zitierten Falle. 
Analoge Angaben finden sich bei Bolton. 

2. Die Veränderungen an dem betonten Reiz. 

Auch in diesem Punkte ist die Analogie mit akustischen 
Reihen eine vollkommene. Die Veränderung kann eiae zweifache 
sein. Einmal kann die Qualität des Reizes, daQU sein Zeitwert 



^ Vgl. E. Meumann a. a. O., Th. Bolton a. a. 0., J. B. Minbb a. a. 0. 
* Vgl. Mac Douoall, The Structure of Simple Bilythm Forma. F^chol, 
Bev., Mon. Sup. 4. 



46 -Kur* Koffka. 

verändert sein. Beides kam vor und zwar sowoM bei den Vor- 
wie bei den Hauptversuchen. 

a) Die Veränderung der Qualität des betonten 

Reizes. 

Aus den Vorversuchen fällt ein Fall hierher. Herr W. gab 
bei seinem ersten, schon oben S. 20 zitierten Versuche an : „Der 
betonte, 1, war kleiner, der unbetonte, 2, gröfser." Ahnhches werden 
wir im nächsten Paragraphen wieder antreffen. Hier ist also 
eine wirkHche Veränderung in der Gestalt des Reizes eingetreten 
und zwar ganz ohne räumliche Lokalisation wie in dem oben 
S. 39 besprochenen Beispiele, so dafs wir berechtigt sind, diesen 
Fall an dieser Stelle unterzubringen. Die Veränderung der Ge- 
stalt des Striches in den Vorversuchen, entsprach einer Ver- 
änderung der Helligkeit bei den Hauptversuchen. Eine solche 
trat sehr häufig ein, so, dafs das betonte Licht heller erschien 
als die anderen. Angaben hierüber finden sich bei Miss G., den 
Herren Ke. und L. und Fräulein W. Allerdings merkte die 
Versuchsperson häufig, bei besonders darauf gerichteter Auf- 
merksamkeit, dafs dieser Unterschied objektiv nicht vorhanden 
sei. Analoges tritt jedoch auch bei Schallreihen auf. 

b) Die Veränderung des Zeitwertes des betonten 

Reizes. 

Diese Erscheinung wurde von 2 Versuchspersonen angegeben. 
Bei den Vorversuchen von Herrn W., bei den Hauptversuchen 
von Fräulein K. (vgl. S. 34). Es handelt sich natürlich immer 
um eine Verlängerung der Dauer. 

Treten die eben beschriebenen Täuschungen auch sehr 
häufig auf, so geht es doch nicht an, sie mit dem Rhythmus- 
erlebnis schlechthin zu identifizieren, wie es Mine» (a. a. 0.) tut. 
Näher hierauf können wir natürlich erst im letzten Teil der 
Arbeit eingehen. 

IL Täuschungen, die den ganzen Ablauf der Reihen 

betreffen. 

Unter diesen Gesichtspunkt fallen Täuschungen in bezug 
auf das Tempo. Es kam nämlich vor, dafs während des Ver- 
suches sich das Tempo zu ändern schien. Eine Beschleunigung 
wurde angegeben von Dr. J., Fräulein K. und Herrn M., eine 



Experimental'Untersuchungen zur Lehre vom Bhythmus. 47 

Verlangsamung von Fräulein G. und Herrn L.; die Tempi, bei 
denen der Eindruck der Beschleunigung eintrat, waren schneller 
als die, in denen sich das entgegengesetzte Phänomen zeigte, 
200 0, 367 a, 455 a, gegen 910 a und 778 a. Auffallend ist 
ferner, dafs nur in zwei von diesen Fällen subjektive Ehythmi- 
sierung eingetreten war, bei Herrn M. 465 a und Fräulein G. 
910 o] in den übrigen Fällen handelt es sich um blofse Regel- 
mäfsigkeit.^ 

Auch solche Angaben finden sich schon bei Bolton. 

Schliefslich seien noch 2 Fälle angeführt, die zeigen, dafs 
Tempounterschiede in kleinen Grenzen nicht erkannt werden, 
wenn es sich um blofse Regelmäfsigkeit handelt. So merkte 
Fräulein K. den Unterschied der Tempi 1575 und 1440 a nicht, 
und Herr M. nannte sogar ein Tempo von 228 a langsamer als 
ein solches von 274 a. Bei Rhythmisierung hatte Herr M. den 
Unterschied von 454 und 400 o ganz richtig bejnerkt. 

G. Faktoren, die die Struktur der Gruppe bestimmen. 

Wenn wir bis jetzt von Gruppen gesprochen haben, so haben 
wir allein ihre Gröfse berücksichtigt. Es lassen sich an den 
Gruppen aber verschiedene Merkmale unterscheiden, und wir 
wollen jetzt zusehen, wie sich diese zueinander verhalten. Dies 
reiht sich in eine allgemeine Betrachtung ein, die darauf ausgeht, 
überhaupt möglichst viele der Faktoren herauszufinden, die 
einen bestimmenden Einflufs auf die Struktur der Gruppe haben. 

Die folgenden Eigenschaften sind auseinanderzuhalten. 
1. Die Gröfse der Gruppe, d. h. die Anzahl der Glieder, aus denen 
sie besteht; 2. das Tempo in dem die Reihe fortschreitet; 3. die 
Dauer der Gruppe, als Produkt aus Gröfse und Tempo, und 
4. die Art, je nachdem der Akzent am Anfang oder am Ende 
steht oder gar überhaupt fraglich ist. Hiernach unterscheiden 
wir fallenden, steigenden und fragUchen Takt. Zunächst be- 
sprechen wir allgemeinere Faktoren, die auf eine oder mehrere 
dieser Eigenschaften Einflufs haben, dann den Einflufs den diese 
Faktoren aufeinander ausüben. 



* Bei Herrn L. — Tempo 778 a — kann ich eine Erklärung des Phä- 
nomens geben. Er sah, dafs ich irgendeine Bewegung ausführte und 
glaubte, ich hätte gehemmt, worauf dann das Phänomen bei ihm eintrat» 



48 ^wrt Kofha, 

I. Individuelle Unterschiede. 

Man darf durchaus nicht annehmen, dafs bei gleichen} Tempo 
die Struktur der Gruppe eindeutig bestimmt ist. Vielmehr gibt 
€S mehrere Faktoren, die hier mitbestimmend wirken. Zunächst 
treten erhebliche Unterschiede bei den verschiedenen Versuchs- 
personen auf. Es gibt einmal solche, die auf jeden neuen Ver- 
such ganz oder doch fast unbeeinflufst reagieren, als ob es der 
ö!rste Versuch wäre, und solche die schwer aus der einmal ein- 
geschlagenen Bahn herauszubringen sind, die ersten sind Systemen 
mit schwachen Eigenschwingungen und starker Dämpfung^ die 
letzten solchen mit starker Eigenschwingung und schwacher 
Dämpfung zu vergleichen. Diese Eigentümlichkeit soU aber erst 
im nächsten Absätze näher besprochen werden. Dann aber 
haben die verschiedenen Versuchspersonen z. T. auch stark aus- 
geprägte rhythmische Gewohnheiten, sei es, dafs sie diese durch 
eingehende Beschäftigung mit Musikstücken erworben haben, 
sei es, dafs schon angeborene Dispositionen vorliegen. So bildete 
2. B. Fräulein G. bei den Hauptversuchen keine einzige Zwei- 
gruppe, auch kam bei ihr aufser einem fraglichen nur steigender 
Takt vor. Bei den Vorversuchen ist es etwas anders. Dort 
treten hauptsächlich Zweigruppen auf, doch sind sie dann duirch 
die Verschiedenheit von Strich und Hintergrimd hervorgeruf^i 
und beharren, auch wenn dann die Striche oder die Pausen allein 
2usammengefafst werden, nach dem allgemeinen Habitus der 
Versuchsperson, Femer war sie, wie schon oben erwähnt, die 
einzige, die exzessiv lange Gruppen bildete, wobei es besonders 
merkwürdig ist, dafs das für sie angenehmste Tempo ein 
schnelleres ist als für die meisten anderen Versuchspersonen. 

Fräulein K. rhythmisierte einmal fallend, gegen fünfmal 
49teigend; für sie ist die grofse Zahl der Einsgruppen besonders 
charakteristisch — die Einsgruppen werden in den Gesamt- 
resultaten zu den fraglichen Rhythmen der Art nach gezogen. — 
Herr L. bildete keine steigenden und keine Dreigruppen, Herr 
Ke. imd Herr M. keine Viergruppen. Fräulein W. rhythmisierte 
nur ein einziges Mal subjektiv, in den beiden Reihen zur Be- 
stimmung der Grenzen tat sie es kein einziges Mal. Auch Herr 
Ke. rhythmisierte sehr selten (zweimal). Diese Beispiele mögen 
genügen. Sie stammen von den Versuchspersonen, die mir das 
reichste Material lieferten. Auf die Vorversuche nälier einzugehen 



Experimentct^Vntersuchungtn zur Lehre vom Rhythmus, 49 

scheint nicht ratsam, da dort noch andere Faktoren mitbestimmend 
waren, die unsere Untersuchung nur komplizieren, zumal da das 
geringe Material einigermafsen sichere Schlüsse doch nicht zuläfst. 

IL Perseveration. 

Wir haben schon im vorigen Abschnitte angedeutet, dafs es 
für die Struktur einer Gruppe nicht immer gleichgültig gewesen 
ist, was für Gruppen vorangegangen sind.^ Es stellen sich näm- 
lich starke Perseverationstendenzen ein, die wir jetzt im näheren 
beschreiben wollen. Besonders charakteristisch sind 2 Versuchs- 
personen, Fräulein G. und Herr M. 

Fräulein G. rhythmisierte zum ersten Male bei einem Tempo von 
749 G und zwar in Viergruppen. Diese behielt sie dann auch in den nächsten 
3 Versuchen — 910 a, 1438 a, 1743 a bei, obwohl, wie wir oben des näheren 
besprochen haben, beim vorletzten Versuch eigentlich schon Bhythmus 
ohne spezifische Gruppenbildung und beim letzten überhaupt nur noch 
Eegelmäfsigkeit vorlag. Ganz typisch ist auch ihr Verhalten bei den beiden 
systematischen Beihen. Die erste begann mit Tempo 2176 a. Hier bildet 
sie sofort Dreigruppen und behielt diese bis zum Schlafs — 324 a — bei. 
Bei der umgekehrten Reihe fing sie beim zweiten Versuch — Tempo 367 o — 
an zu rhythmisieren, und zwar in Viergruppen, die sie auch bis zum Schlufs 
— 1569 a — nicht änderte. Ganz ähnliches Verhalten zeigte Herr M.; er 
bildete in einer Beihe von 1200 o bis 307 o unausgesetzt Zweigruppen. 
Zeigt auch keine andere Versuchsperson diese Erscheinung in so starkem 
Grade, so finden sich doch noch manche Angaben über Einwirkung des 
letzten Versuches auf den gerade angestellten. Herr Ke. zählte bei Tempo 
2433 a in der Pause 123. Beim nächsten Versuche — Tempo 1675 a — 
gab er an: „Ich sah die Lichter wie das vorige Mal, und unter dem Ein- 
rflufs des vorigen Males zählte ich wieder 12 3 zwischen den Lichtern. Dann 
schien aber das Licht in gleichen Zwischenräumen zu folgen, so dafs das 
taktmäfsige von den Lichtern auszugehen schien.^ Später trat etwas Ähn- 
liches ein. Versuchsperson bildete bei dem Tempo von 455 a Dreigruppen. 
Beim nächsten Versuche — 400 a — gab sie an: „Ich sah das Licht auf- 
leuchten, und es summte mir im Kopf der 3 Takt ; — das Summen bedeutet 
nichts Akustisches — . Das wollte ich auf die Lichter anwenden, es ging 

aber nicht. Statt dessen war es mir, als wenn ich 1 2 zählen könnte. Das 
ging aber auch nicht, es war blofs regelmäfsig." Diese beiden Fälle sind 
besonders interessant, weil hier die Perseveration zwar vorhanden, aber 
nicht stark genug war, den unmittelbaren Eindruck zu unterdrücken. Ganz 
analog ist eine Aussage von Fräulein K., die wir S. 33 zitiert haben. 

Perseveration gibt sich auch dadurch zu erkennen, dafs am 
Ende einer Versuchsreihe noch bei einem Tempo rhythmisiert 



^ Auch BoLTON erwähnt gelegentlich solche Beobachtungen. 

4 



60 ^^rt Koffka, 

wird, bei dem dies am Anfang einer Versuchsreihe nicht mehr 
der Fall ist. 

Das deutlichste Beispiel hierfür liefert Herr L. Bei Tempo 547 a hatte 
sich bei ihm ein 2 Takt statuiert, der auch noch verharrte, als das Tempo 
schon bis auf 282 a herabgegangen war — hier trat allerdings nach einiger 
Zeit die Tendenz auf, die Zweigruppen noch zu einer Viergruppe zu ver- 
einigen. Am nächsten Tage bot ich als erste eine Beihe im Tempo 283 a 
und erhielt hier keine Bhythmisierung. 

Endlich kann die Perseverationstendenz auch so wirken, dafs, 
wenn bei einem Versuch einmal in irgendeiner Weise rhythmi- 
siert worden ist, alles andersartige rhythmisieren erschwert und 
leicht durch ein Zurückfallen in den ursprünglichen Takt unter- 
brochen wird. 

Herr B., der bei Scheibe 1 3 Takt mit deutlichen Gruppenpausen hatte^ 
wollte kontrollieren, ob die Pause auch objektiv vorhanden sei und zählte 
deshalb in Viergruppen, wobei die Pause verschwand, „doch war dies nicht 
leicht, und sobald ich die Aufmerksamkeit weniger stark konzentrierte, trat 
wieder Dreirhythmus ein". Herr N. fafste bei Scheibe 1 Geschwindigkeit 3 
die Striche zu fallenden Zweigruppen zusammen. Er nahm sich dann vor> 
ohne Betonung fortlaufend zu zählen, „merkte aber, dafs er doch jeden 
zweiten unwillkürlich betonte". 

Hierher gehört auch noch eine sehr eigentümliche Angabe von Miss G» 
Bei Tempo 1200 o gab sie an . . . „Der Rhythmus kam und rief sofort die 
Erinnerung an Chopins Trauermarsch wach, war aber zuerst in den 
Lichtern". — Chopins Trauermarsch war für sie durch Assoziation unge- 
wöhnlich stark unlustbetont. Sie unterdrückte die Erinnerung daher und 
hatte nun eine andere sehr starke Assoziation : „Ich stand auf einem hohen 
Kliff und in die weite Ferne blickend, sah ich, wie sich die Wellen an den 
Felsen brachen. Da sagte ich zu mir : Wie grofs ist es I Als ich dies sagte,, 
hörte ich wieder den Marsch und gerade an der Stelle, wo ich hätte an- 
gekommen sein müssen, wenn ich ihn die ganze Zeit weiter gesungen 
hätte." 

Das beigebrachte Material wird genügen, um zu zeigen, wie 
wichtig auch im Gebiete des Rhythmus die Beharrungserschei- 
nungen sind, die sich in anderen Gebieten als Gedächtnis, Übung,. 
Gewohnheit äufsern. 

III. Verteilung der Aufmerksamkeit. 

Haben wir im vorangehenden gerade Faktoren besprochen, 
die ein Aufrechterhalten eines bestimmten Taktes begünstigen, 
so finden wir, dafs durch eine Verteilung der Aufmerksamkeit 
die rhythmischen Gruppen verkürzt werden. Dies war am 
häufigsten bei den Vorversuchen zu beobachten. Wie schon er- 



ExperimentaUüntersuchungen zwr Lehre vom Rhythmus. 51 

wähnt, rhythmisierten die meisten Versuchspersonen zunächst so, 
dals sie nicht die Striche, sondern die Striche und die Pausen 
züsammenfafsten. Sie wurden dann in einer erneuten Instruktion 
besonders darauf hingewiesen, sich mehr auf den Strich zu kon- 
zentrieren. Da dies für die meisten durchaus keine leichte Auf- 
gabe war, schon deshalb, weil wir nach dem vorangehenden wohl 
Perseverationstendenzen annehmen müssen, so mufste ein grofser 
Teil der Aufmerksamkeit auf die Erfüllung -der Instruktion ge- 
richtet werden. Dies hatte nun häufig zur Folge, dafs die Gruppen 
verkürzt wurden. 

Miss M., die bei Scheibe 1 Geschwindigkeit 3 von selbst Strich und 
Pause zu 8 Gruppen zusammengefaTst hatte, bildete mit der verschärften 
Instruktion, obwohl sie sie nicht ausführen konnte, nur Viergruppen. Bei ' 
Scheibe 2 Geschwindigkeit 3 wurde unter denselben umständen aus Vier- 
gruppen solche mit nur zwei Gliedern. Dasselbe trat bei Herrn N. ein, nur 
gelang es ihm wirklich, die Striche zusammenzufassen. Bei Herrn Hb. 
wurde dabei aus einem 2 Takt eine blofse Regelmäfsigkeit. Hier ist das 
Resultat nicht eindeutig, da hier die Dauer der Gruppe dieselbe blieb. 

Die Hauptversuche liefern nur einen hierher gehörigen Fall. Prof. C. 
— Tempo 350 o — rhythmisierte im 4 Takt. Er glaubte aber, das Zählen 
unterdrücken zu müssen. Dabei merkte er eine gewisse Anstrengung den 
Rhythmus zu unterdrücken. „Trotzdem brach der Rhythmus manchmal 
durch, und zwar jetzt meistens in Zweigruppen." Auch hier war die Auf- 
merksamkeit geteilt und der Erfolg derselbe wie in den Vorversuchen. 

IV. Einflufs der Eigenschaften der Gruppen 

aufeinander. 

Wir hatten 4 verschiedene Merkmale einer Gruppe unter- 
schieden. Um ihre Korrelationen festzustellen, war es erforder- 
lich, jede mit jeder zu kombinieren. Dies ergab insgesamt 
6 Tabellen, aus denen die hier mitgeteilten gewonnen sind. In 
der Literatur finden sich hierher gehörige Angaben nur in bezug 
auf das Verhältnis von Gröfse und Dauer, resp. Tempo. Bolton 
und MacDougall fanden nämlich, dafs bei Durchschnittswerten 
die gröfseren Gruppen kürzere Dauer haben als die kleineren, 
d. h. dafs das Tempo schneller wächst als die Gröfse. Bei 
unseren Versuchen findet sich das nicht bestätigt. Nach der 
ganzen Anlage hat es hier keinen Sinn, Durchschnittswerte für 
die einzelnen Gruppen zu bilden. Eine andere Methode soll es 
für uns verdeutlichen. In Tabelle HI ist in Prozenten angegeben, 

wie oft jede Gruppe bei der betr. Dauer vorkam. 

4* 



52 



Kwt Koffha. 

Tabelle HI. 

**/« der Orappen bei der Dau«r. 





6600 


3500 


2200 


1600 


1100 


650 


1 






.— - 


12,5 


12,5 


25 


2 


— 


— 


25 


25 


56,3 


50 


3 


40 


.20 


37,5 


37,5 


12,5 


25 


4 


60 


80 


37,5 


25 


18,7 


— 



Träfe die eben erwähnte Behauptung zu, dann müf&ten bei 
der längsten Dauer die Zweigruppen die höchsten Zahlen auf- 
weis^tt, bei der kürzesten die Viergruppen. Das Umgekehrte ist 
der Fall. Gerade die Zweigruppe haben den gröfsten Anteil an 
den kurzen Zeiten, die Viergruppen an den langen. Ähnlich ist 
es, wenn wir dasselbe auf Vergleich von Tempo und Gröfse an- 
wenden, wie es in Tabelle IV geschehen ist. Hier stehen oben 
die Tempi statt der Dauer, sonst sind die Zahlen ganz analog 

Tabelle IV. 

% der Gruppen bei den Tempi. 





2400 


1800 


1400 


1100 


750 


600 


500 


400 


300 


200 


1 






33,3 


25 


23,1 






_ 




^— 


2 






16,7 


75 


23,1 


37,5 


63,6 


12,5 


25 


— 


3 


100 


100 


— 


— 


23,1 


25 


36,4 


25 


25 


100 


4 


— 




50 




30,7 


37,5 




62,5 


50 


— 



Hier verschieben sich die Verhältnisse ein wenig. Den 
gröfsten Wert bei der gröfsten Geschwindigkeit haben die Drei- 
gruppen, die hier überhaupt allein auftreten. Dann kommen die 
Viergruppen, und dann erst die Zweigruppen. Am Ende der 
langsamen Tempi hingegen haben aber die Vier- imd die Eins- 
gruppen das Übergewicht. Es zeigt sich also, dafs die Wirkung 
des Tempos nicht durchweg in der Richtung Hegt, die Gruppen 
zu vergröfsem. Die einzelnen Gruppen haben selbst ihren be- 
stimmten Lebhaftigkeitswert, ^ Drei- und Zweigruppen sind leb- 

^ Dieses ist wohl zum grofsen Teil die Ursache davon, dafs Stimmung 
und Tageszeit auf den Bhythmus bestimmend einwirken. 



Experimental'üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 



53 



hafter als Viergruppen und treten daher bei langsamen Tempi 
nicht so leicht auf. Die Tatsache, dafs bei den langsamsten 
Tempi nur Dreigruppen vorkamen, widerspricht dem nicht, 
wenn wir bedenken, dafs diese Resultate allein von Fräulein G» 
stammen, die eben überhaupt bei sehr langsamen Tempi rhyth- 
misierte. Sehen wir hiervon ab, dann treten die Dreigruppen 
überhaupt am spätesten auf. Die Einsgruppen treten nur inner- 
halb einer gewissen Zone auf; bei langsameren Tempis verhältnis- 
mäfsig häufiger als bei schnellen. 

Entsprechend ergibt sich beim Vergleich von Tempo und 
Dauer, dafs je langsamer das Tempo ist, um so gröfser die Dauer 
und umgekehrt. 

Betrachten wir jetzt noch das Verhältnis von Gröfse zu Art. 
Tabelle V veranschaulicht dies. Hier ist der Prozentsatz an- 
gegeben, den die betr. Arten an den Gruppen haben. Analog 
ist in Tabelle VI der Prozentsatz der Gruppen für die betr. 
Arten. 



Tabelle V. 

% der Arten bei den Gruppen. 





2 


3 


4 


s 


10,5 


60 


38,9 


f 


52,8 


31,3 


17,6 


? 


36,7 


18,7 


23,5 



Tabelle VI. 

% der Orappen bei de& Arten. 





2 

1 


3 


4 


8 


10 


40 


50 


f 


55,5 


27,8 


16,7 


? 

1 


50 


21,4 


28,6 



Es geht daraus hervor, dafs bei Drei- und Viergruppen die 
steigenden Takte vorwiegen, bei Zweigruppen die fallenden. Bei 
steigendem Takt finden sich entsprechend am meisten Vier-, am 
wenigsten Zweigruppen, bei fallendem ist es umgekehrt. Bei den 
Dreigruppen erreichen die fraglichen Fälle ein Minimum, diese 
Gruppe scheint demnach die ausgeprägteste, bestimmteste 
zu sein. 

Beim Vergleich von Tempo und Art ergibt sich, dafs das 
günstigste Tempo für steigenden Takt etwas langsamer ist, als 
für fallenden Takt. Zur Veranschaulichung dient Tabelle VII, 
in der angegeben ist, wie sich prozentualiter die Arten auf die 
einzelnen Tempi verteilen. 



54 



Kurt Koffka. 



Tabelle VII. 

Prozent der Arten bei den Tempi. 





2400 


1800 


1400 


1100 


760 


600 


500 


400 


300 


200 


s 


5 


ö 


10 


^.^ 


20 


20 


15 


15 


10 




f 


— 


— 




11,1 


11,1 


22,2 


27,8 


16,7 


5,6 


5,6 


? 




— 


20 


10 


35 




15 


10 


5 


5 



Es scheint demnach der fallende Rhythmus der lebhaftere 
2U sein, was sehr gut damit übereinstimmt, dafs bei ihm vor- 
wiegend Zweigruppen gebildet werden. 

Beim Vergleich von Dauer und Art ergibt sich, dafs steigen- 
der Takt bei der kürzesten Dauer, fallender bei der längsten 
nicht vorkommt. 

Diese Tabellen sind lediglich den Resultaten der Hauptver- 
suche entnommen, da die Vorversuche aus den schon erwähnten 
Gründen für eine quantitative Auswertung nicht zu verwenden 
waren. 

Es ergab sich also, dafs die Zweigruppe die lebhafteste, 
die Dreigruppe die stabilste Form ist, und dafs dadurch das 
Prinzip des Wachsens der Gruppen mit gröfserer Geschwindig- 
keit, wie es bis jetzt aufgestellt war, durchbrochen wird. Daraus 
folgt dann, dafs grofsen Geschwindigkeiten kleine Dauer entsprach 
und umgekehrt. 

Sehen wir jetzt noch zu, wie oft die verschiedenen Gröfsen 
und Arten überhaupt vorkommen. Tabelle VIII gibt die abso- 
luten Zahlen für die Gröfsen, Tabelle IX für die Arten. 



Tabelle VIII. 

Vorkommen der Gruppengröfsen. 



Tabelle IX. 

Vorkommen der Taktarten. 



Gröfse 1 

Vor- — — 
kommen " 



s 



Art 



19 



16 



17 



20 



18 



20 Vorkommen 



Es zeigt sich demnach, dafs Zweigruppen zwar am häufigsten 
gebildet werden, dafs jedoch die Drei- und Viergruppen nicht 
weit zurückstehen. Analog ist es für steigenden, fallenden, frag- 
lichen Takt. 



Experimental-Üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus, 55 

Das Vorkommen der verschiedenen Tempi und Dauern haben 
wir schon oben dargelegt, vgl Tab. I und II, S. 36, 37. 

H. Assoziationen. Gefühlsbetonung. 

Wir haben im vorangehenden die wesentlichen Tatsachen 
der subjektiven Rhythmisierung besprochen und es bleiben nur 
noch zwei Punkte übrig, die aber Begleiterscheinungen des eigent- 
lichen Erlebnisses sind. Beide können wir in wenigen Worten 
erledigen. Assoziationen treten in den meisten Fällen nicht auf, 
wenn wir die Erscheinungen nicht hierher rechnen, die wu- in 
Abschnitt C besprochen haben. Trotzdem kam es auch, wie wir 
bereits gesehen haben, häufig genug vor, dafs sehr starke Assozia- 
tionen sich aufdrängten. Wir fanden Assoziationen an bestimmte 
Melodien — Mendelssohns Spinner-Lied, Chopins Trauermarsch — 
dann zeigten sich vielfach Bewegungsassoziationen, an tanzen, an 
sich brechende Wellen, an ein schwingendes Pendel. Unter 
Umständen konnten ganze Situationen vorstellungsmäfsig auf- 
treten, wie bei Miss G., wo sich sogar Geruchs- und Temperatur- 
vorstellungen einstellten. Solche extremen Fälle sind jedoch 
äufserst selten, im allgemeinen haben die Assoziationen keinen 
wahrnehmbaren Einflufs auf den Verlauf des Versuches ausgeübt. 
Über den zweiten Punkt ist zu sagen, dafs das Rhythmuserleb- 
nis meist sehr schwach lustbetont ist, so schwach, dafs die meisten 
Angaben lauten: indifferent. Erst wenn lange kein Ehythmus, 
sondern blofse Regelmäfsigkeit kam, sehnte sich die Versuchs- 
person nach Rhythmus zurück und merkte dann, dafs er doch 
angenehm sei. Zuweilen traten sehr starke Gefühlsreaktionen 
ein, diese waren dann aber ausnahmlos durch die Assoziationen 
bedingt. 

§ 3. Die Bhythmisiemiig olbjektiy rhythmischer Beihen. 

Wir haben in § 2 ausführlich besprochen, wie sich das 
Rhythmuserlebnis darstellt, das durch objektiv gleichmäfsige 
Reihen hervorgerufen wird. Jetzt wenden wir uns den Vor- 
gängen zu, die eintreten, wenn dem Beobachter schon objektiv 
rhythmische Reihen geboten werden. Hiermit ist die Freiheit 
der Auffassung natürlich beschränkt. Die Dauer der Gruppe ist 
zum mindesten festgelegt; sie entspricht im allgemeinen der 
Dauer der objektiven Periode, kann aber auch ein ganzes Viel- 



56 JSMrt Koffka, 

faches hieryon sdn. Zxx bemerken ist hier noch einmal, dafs 
die objektiven Rhythmen sich nur durch Einfügung von Pausen 
von den gleichmäfsigen Reihen unterscheiden, nicht durch Akzen- 
tuierung bestimmter Lichter. 

Bei der Anordnung des Materials verfahren wir wie im 
vorigen Paragraphen, wobei sich natürlich einige kleine Ände- 
rungen als wünschenswert herausstellen werden. Dies ermög- 
licht am besten einen Vergleich der beiden Vorgänge: das 
Gleichartige kann erkannt, das Ungleichartige herausgesondert 
werden. 



A. Regelmäfsigkeit und Rhythmus. 

Wir haben diese Erscheinung im vorigen Paragraphen so 
ausführlich besprochen, dafs wir sie an dieser Stelle schneller 
abtun können. Es kam auch bei objektiv rhythmischen Reihen 
vor, dafs die Regelmäfsigkeit zwar bemerkt wurde, aber doch 
nicht das Rhythmuserlebnis auslöste. Ja es kam sogar einmal 
vor, dafs nicht einmal die Regelmäfsigkeit ins Bewiifstsein trat, 
wie wir es bereits in § 1, S. 26 bei Herrn Ke. zitiert haben- 
Dies war aber der einzige Fall, in dem gar kerne Einwirkung 
der regelmäfsigen Periode auf das Bewufstsein zu konstatieren 
war. Sehr nahe kommt dem schon eine Angabe von Fräulein G. 
— Kont. 13 6, Tempo 460 o, „Ich hatte den Eindruck von 
ünregehnäfsigkeit. Trotzdem habe ich unwillkürüch gezählt, 
12 3 oder 1 2, hatte aber gar kein Gefühl von Takt." Wenn 
auch im Bewufstsein nichts von Regelmäfsigkeit vorhanden ist, 
so weist doch das Zählen auf das Entstehen einer solchen hin. 
Häufiger war es, dafs die Regelmäfsigkeit bemerkt wurde, und 
doch kein Takterlebnis im Bewufstsein war. 

Einen Fall haben wir auch schon in § 1 auf S. 21 zitiert. Bei Scheibe 3, 
Geschwindigkeit 2 u. 3 trat dies bei Mr. S. auf. Ähnliches erlebte er bei 
Scheibe 6, nachdem er zuvor schon einmal den Bhythmuseindruck gehabt 
hatte. Er gab an : „Die Gruppe ist eine Einheit. Der Strich kommt dreimal 
zusammen und dann eine lange Pause.'' Um die Dreigruppe zu erkennen, 
zählte Versuchsperson einmal bis 3. Versuchsperson gab an, den Eindruck 
der Regelmäfsigkeit gehabt zu haben. Bei Geschwindigkeit 1 trat eine 
andere Art der Zusammenfassung ein. Es fing mit der langen Pause an 
und endet mit einem Strich, dazwischen wechselten Strich und Pause ein- 
ander ab. Auch diese Gruppe hatte noch einen einheitlichen Charakter, 
aber nicht mehr so wie vorher. 



ExperimentaJrüntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 57 

Hier handelt es sich also um das Phänomen der Regel- 
mäfsigkeit mit spezifischer Gruppenbildung, dafs wir auch schon 
im vorigen Paragraphen angetroffen haben. 

Ganz Ähnliches trat einmal bei Fräulein K. auf. Bei Kont. 124 5, 
Tempo 184 a, gab sie an; „Jetzt war es andere" — vorher war eine gleich- 
mäfsige Reihe im Tempo 743 o als regelmäfsig bezeiebnet worden. — „Es 
war regelmäfsig, aber nicht so, dafs es rhythmisch war, so dafs man z. B. 
gezählt hätte Die Reize folgten zu schnell." Hier hat die Versuchsperson 
zweifellos bemerkt, dafs die Regelmäfsigkeit eine andere war, als bei gleich* 
mäCsigen Reihen, wenn sie auch nicht zu einer numerischen FeststeUung 
der Gruppe kam. Deutlicher war die Gruppe bei einem mit Herrn Ke. 
angestellten Versuche — Kont. 12 56, Tempo 290 o — . Er merkte, dafs 
das Licht immer zweimal hintereinander aufleuchtete, zählte aber nicht, 
und hatte sicher nicht den Takteindruck. Schliefslich gehört noch eine 
interessante Angabe des Herrn L. hierher. Bei Kont. 1256, Tempo 285 a, 
bemerkte er die Regelmäfsigkeit und zählte ganz unwillkürlich bis 2 mit; 
auf 2 lag ein schwacher Ton, der jedoch so minimal war, dafs ihn Veiv 
Suchsperson erst nachträglich bemerkte. Trotzdem war „kein fortgehender 
Takt, sondern ganz diskrete Teile". 

Hier ist die Gruppenbildung nicht nur in der gewöhnlichen 
Art und Weise vorhanden, sondern sie zeigt sogar ein Merkmal, 
wenn auch in sehr schwachem Grade, das sonst nur Gruppen 
innerhalb eines Rhythmus zukommt. Hierauf werden wir später 
zurückkommen müssen. 

Wir trafen also bei objektiv rhythmischen Reihen dieselben 
Verhältnisse an wie bei gleichmäfsigen; noch deutUcher wurde 
das Vorhandensein von Regelmäfsigkeit mit spezifischer Gruppen- 
bildung. 

B. Die komplizierteren rhythmischen Gruppen, 

An dieser Stelle haben wir im vorigen Paragraphen von den 
zeitlichen Grenzen der Rhythmisierung gehandelt. Hier setzten 
wir an die Stelle der zeithchen Grenzen Schwierigkeiten, die 
durch qualitative unterschiede der Reihen gebildet wurden. 
Quantitative Versuche wurden in bezug auf diese Frage nicht 
gemacht, aber unser Material Hefert uns einige nützliche Angaben. 

Es gab Versuchspersonen, die auch noch bei den kompli- 
ziertesten Gruppen, etwa Kont. 12 5 6 7 oder 12 3 4 5 7, 
noch ein ganz klares Rhythmuserlebnis hatten und andere, bei 
denen schon eine geringere Komplikation genügte um den Ein- 
druck völliger Regellosigkeit hervorzubringen. Aber auch die 
Beobachter, die noch Rhythmuserlebnis hatten, weisen noch 



68 -ß^«»'* Koffha, 

mancherlei Unterschiede auf, die wir in Abschnitt D ausführlich 
besprechen werden. Als charakteristisch kann angegeben werden, 
dafs komplizierte Gruppen durchweg in einfache zerlegt werden. 
Während nämlich die Anordnung der Kontakte 1, 2 3 4 5 7 als 




^T\ 



^ ^ Y aufgefafst werden konnte, ohne dafs dabei eine 

deuthche Trennung des letzten von den übrigen auffiel, was dann 
etwa dem Rhythmus eines Cakewalk entsprechen würde, wurde 
durchweg der zwischen den Pausen stehende Taktteil streng 
von den anderen isoliert, und teils vor, teils hinter die anderen 
gestellt. So entstand auch nicht eigentUch der Eindruck einer 
Sechsgruppe, wie Fräulein G. ausdrückhch angab. AhnUch 
wurden die gebotenen Fünfgruppen in eine Zwei- und eine Drei- 
Gruppe zerlegt. Dabei bUeb immer noch der Eindruck der Ein- 
heit für die ganze Gruppe bestehen, wie dies auch Fräulein G. 
bei ihrer eben erwähnten Aussage ausdrücklich hinzufügte. 
Häufig genug kam es indes auch vor, dafs, wie schon erwähnt, 
so kompliziert angeordnete Reize gar nicht mehr den Eindruck 
des Rhythmus oder der Regelmäfsigkeit hervorriefen. 

Herr M. konnte bei Kont. 12 4 5, Tempo 294 a eine bestimmte Eegel- 
mäfsigkeit nicht wahrnehmen. „Es kamen 2 Lichter und dann 2 ver- 
schiedene Pausen." Er wufste also das Schema, in dem sich die Lichter 
folgten, nur fehlte der darauf aufgebaute Eindruck der Regelmäfsigkeit. 
Ähnlich war es bei Herrn L. bei Kont. 12 3 4 5 7, Tempo 294 a. Auch er 
bemerkte eine grofse Unregelmäfsigkeit, in der ihm nur ein alleinstehendes 
Licht auffiel. Er versuchte auch hier Eins zu zählen, und dann nachher 
mit dem Zählen fortzufahren, kam auch einige Male bis 5, aber „ohne 
jeglichen Takt und ohne darüber Gewifsheit zu haben". 

Auch kam es vor, dafs die Regelmäfsigkeit bemerkt wurde, 
dafs aber doch kein Rhythmus da war, da sich die verschiedenen 
Gruppen störten, wie bei den in Zwei- und Dreigruppen zerlegten 
Fünfgruppen. Angaben hierüber stammen von den Herren K., 
Ke., L. 

Noch eine Erscheinung können wir an dieser Stelle erwähnen. 
Es kam nämlich bei den Vorversuchen einmal vor, dafs eine 
kompliziertere Gruppe durch gröfsere Geschwindigkeit zu einer 
einfachen wurde. 

Fräulein G. hatte bei Scheibe 5, Geschwindigkeit 1, durch Zusammen- 
fassung von Strichen und Pausen eine Sechsgruppe, mit Betonung auf 1 
und 6, wobei allerdings deutlich auch nur 1 als Strich und 6 als Pause 



Experimental- Untersuchungen zur Lehre vom Bhythmus. 59 

erkannt wurde, während alles übrige ganz unbestimmt war. Bei Ge- 
schwindigkeit 2 wurde dann eine Viergruppe daraus mit Ton auf 1 und 4. 

Sonst lassen sich die Vorversuche nicht heranziehen, da die 
verschiedenen Auffassu^gsmöglichkeiten die Betrachtung irre- 
levant machen. 

C. Die phänomenologische Repräsentation und der 

Ausdruck des Rhythmus. 

Auch in diesem Punkte können wir uns auf das im vorigen 
Paragraphen Gesagte beziehen. Fast durchweg trat Zählen auf, 
in einzelnen Fällen auch Summen, dann auch wieder akustische 
Vorstellungsfolgen bei Fräulein G. und Herrn H. Doch zeigten 
sich hier einige Erscheinungen, die wir bei der subjektiven Rhyth- 
misierung nicht beobachten konnten. Es traten nämlich bei 
komplizierteren Gruppen besondere Eigentümlichkeiten in den 
Vorstellungen auf. 

Bas einfachste Beispiel bietet Miss M., bei einem Versuch aus den 
Vorversuchen. Bei Scheibe 3, Geschwindigkeit 4, hatte sie Dreigruppen 
mit Betonung auf 3. Dabei hatte sie, nach ihrer Angabe, am Ende der 
Gruppe abwechselnd die Tendenz den Kopf zu heben und zu senken. — 
Ich konnte während des Versuches deutliche Kofbewegungen der Versuchs- 
person beobachten. — Hierdurch wurden wieder 2 Dreigruppen zu einer 
Einheit zusammengefafst. 

War in diesem Falle die Zusammenfassung durch motorische 
Vorstellungen gestützt, so kamen auch Fälle vor, in denen 
akustische dies bewirkten. 

So hatte z. B. Herr G. bei Kont. 12 3 5 7, Tempo 309 a, die Ton- 
folge cc ff f. Ganz Ähnliches fand sich durchgehend bei Fräulein G. 

Noch interessanter ist aber das Auftreten einer optischen 
Anordnung der kompHzierten Gruppen, die einmal auftrat. 

Fräulein G. hatte bei Kont. 12 4 5 6, Tempo 377 o, aufser den Tönen 
de d d e noch ein ganz vages visuelles Bild und zwar nebeneinander 2 
und 3 übereinander befindliche horizontale Striche, weifs auf schwarzem 
Grunde. Sie gab dazu an: „Mit jedem Lichte kam ein Strich, und doch 
war das Bewufstsein der ganzen Gestaltqualität immer die Hauptsache. 
Das Gerüst war immer da, es wurde nur ausgefüllt. In der Pause war 
die Gestaltqualität dunkler, bei jeder neuen Gruppe mufste sie quasi wieder 
aufgebaut werden." 

Hier haben wir also die Teilung der Fünfgruppe in Zwei- 
und Dreigruppen nicht nur akustisch, sondern auch optisch ver- 
wirkHcht. 



60 K^rt Koffka, 

Schliefslich mag an dieser Stelle noch auf zwei Beob- 
achtungen hingewiesen sein, die sich auf den motorischen Aus- 
druck des Rhythmus beziehen. 

Herr Hb. bildete bei Scheibe 3, Geschwindigkeit 2, mit verschärfter 
Instruktion steigende Zweigrnppen, die er mit starken Fingerbewegungen 
begleitete. Dabei sagte er innerlich: Strich Strich. Er gab dann an: „Ich 
kann die Bewegungen unterdrücke;!, mufs aber Strich Strich sagen, dabei 
wird es aber weniger bestimmt als Gruppe. 

Miss G., die bei Kont. 13 5, Tempo 300 o fallende Dreigruppen bildete, 
gab an, dalüs sie die starke Neigung fühlte, ihre Arme im Kreise herum 
zu drehen. 

Dr Die Entwicklung des rhythmischen Erlebnisses 

bei Beobachtung der Reihen. 

Im vorigen Paragraphen hatten wir an dieser Stelle versucht 
eine Trennung vorzunehmen zwischen dem Rhythmuserlebnis 
selber und den begleitenden Vorstellungsreihen, die wir als 
phänomenologische Repräsentation bezeichnet hatten. An dieser 
Stelle werden wir dies nach verschiedener Richtung hin fort- 
setzen. 

Wir haben im vorigen Paragraphen darauf hingewiesen, dafs 
leicht der Schein entstehen kann, als ob der Rhythmus und die 
begleitenden Vorstellungsreihen dasselbe wäre. Wie weit dies 
gehen kann, geht daraus hervor, dafs sogar eine Versuchsperson, 
Herr Ke., diese Angabe machte, obwohl sie durchaus im Wieder- 
spruch mit einer anderen seiner Angaben steht. 

Bei Kont. 12 3 5 6 7, Tempo 295 a, hatte er Takteindruck und Zählen 
gleichzeitig. Dabei meinte er : „Ich würde sagen, Zählen und Takteindruck 
ist dasselbe.*^ Dals dies einer anderen Angabe derselben Versuchsperson 
direkt widerspricht, wird gleich gezeigt werden. Die Aussage soll nur 
zeigen, wie leicht hier der Schein die Wahrheit verdecken kann. 

Gehen wir jetzt dazu über, genau zu besprechen, wie sich 
die Trennung der beiden betrachteten Erscheinungen vollziehen 
läfst. Auch hier fangen wir mit zeitlicher Trennung an. Eine 
solche trat in sehr vielen Fällen ein, doch kamen auch Fälle 
vor, in denen Rhythmus und Repräsentation gleichzeitig auf- 
traten. Es ist nun von Interesse, zuzusehen, ob sich die Rhythmen, 
bei denen das Rhythmuserlebnis mit der Repräsentation gleich- 
zeitig war, von den anderen in irgendeiner spezifischen Eigen- 
schaft unterscheiden. 



Experimental' Untersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 61 

Fräulein K. gab bei Kont. 12 4 5 6, Tempo 280 a, an: „Jetzt wufste 
ich von der dritten Lichterscheinung an, dafs es ein Rhythmus ist, aber 
erst später konnte ich den Rhythmus durch Zählen fixieren.*' 

Fast wörtlich dasselbe sagte sie bei Kont. 12 3 4 5 7, Tempo 292 a, 
und bei Kont. 12 4 5 6 7, Tempo 264 a, ähnliches bei Kont. 1—7, Tempo 
295 <7. Bei Kont. 1 3, Tempo 240 a, 12 6 6, Tempo 280 a, 13 6, Tempo 
519 a, 1 2 3 5 6 7, Tempo 298 o, dagegen trat das Rhythmuserlebnis gleich- 
zeitig mit dem Zählen auf. 

Es trifft hier also durchgehend zu, dafs bei komplizierteren 
Gruppen erst der Rhythmuseindruck da war und dann das Zählen, 
während bei einfachen Gruppen beides gleichzeitig auftrat. Eine 
Ausnahme hiervon soll gleich besprochen werden. 

Ganz Analoges findet sich bei Fräulein W. Bei Kont. 135 Tempo 
583 <7, ist zählen mit dem Rhythmuseindruck gleichzeitig, bei Kont. 12 45, 
Tempo 359 a tritt es erst später auf. Fräulein G. konnte bei Kont. 124 56, 
Tempo 377 o noch von Anfang an, mit dem Rhythmuseindruck gleichzeitig, 
zählen, bei Kont. 123457 ging der Takteindruck voraus. Auch bei den 
Vorversuchen gab sie dieses durchweg an, so bei Scheibe 3 Geschwindig- 
keit 2, Scheibe 5 Geschwindigkeit 1, Scheibe 6 Geschwindigkeit 3. Hier 
sagte Versuchsperson: „Es ist immer so, dafs der Rhythmus schon da ist, 
bevor gezählt wird, oder ich weifs, was den Rhythmus hervorbringt." Bei 
den einfacheren subjektiven Rhythmen hatte sie nichts davon angegeben. 

Schliefslich mufs noch Dr. J. an dieser Stelle erwähnt werden. Bei 
Kont. 1234 5 7, Tempo 167 o war der Takteindruck vor dem Zählen da. 
Bei Kont. 135, Tempo 328 a, liegt es nicht ganz so einfach. Hier wufste 
Versuchsperson vor dem Zählen genau die Natur des Vorgangs, sie be- 
merkte die RegeimäTsigkeit der Zeitfolge. Aber erst mit dem Zählen trat 
der Takteindruck hervor. 

Bis jetzt war also ausnahmslos bei einfachen Gruppen das 
Zählen mit dem Eindruck des Taktes simultan, bei komplizierteren 
folgte es darauf. Jetzt kommen wir zu einigen Fällen, in denen 
es anders liegt, die aber trotzdem sich ganz zwanglos unter 
unseren Satz einordnen. 

Wir erinnern uns an die Fälle, die wir in § 1 zitiert haben. 
Bei Fräulein K. (vgl. S. 25), Herrn L. (vgl. S. 25), Herrn Ke. 
(vgl. S. 26) trat das rhythmische Erlebnis zum ersten Male bei 
einer objektiv rhythmischen Reihe auf, und zwar bei Kont. 13 5 
und 1 3, also den einfachsten Gruppen. Trotzdem war hier das 
Rhythmuserlebnis vor dem Zählen da. Widerspricht dies schein- 
bar dem eben Gesagten, so läfst es sich doch leicht damit ver- 
einen, wenn man bedenkt, dafs es sich bei diesen Gruppen um 
ein ganz neues Erlebnis handelte, so dafs zu dem bisher Be- 
kannten mindestens ebensoviel Neues hinzukam, wie durch die 



62 S:urt Koffka, 

komplizierteren Gruppen zu den einfachen. Die Erklärung ist 
eine ganz zwanglose und wird durch die Tatsachen gestützt. Die 
hierher gehörigen Angaben von Fräulein K. und Herrn Ke. 
haben wir schon zitiert. Für Herrn Ke. geht aber aus dieser 
Betrachtung hervor, dafs seine oben zitierte Aussage, als ob 
Rhythmuserlebnis und Zählen identisch seien, auf einer Täuschung 
beruht, da ja das eine vor dem anderen auftrat. Herr L. bildet 
zunächst noch eine Ausnahme. Auch bei Kont. 12 3 5 6 7 
Tempo 316 a hatte er das Rhythmuserlebnis vor dem Zählen. 
Er reagierte also nicht so bestimmt auf die Reize, was sich auch 
darin zu erkennen gibt, dafs er kompliziertere Zeitfolgen über- 
haupt nicht rhythmisierte. 

Aus den Vorversuchen läfst sich hier noch Herr N. anführen. Bei 
Scheibe 4, bei der er spontan die Striche zusammenfaüste, was ein verhältnis- 
mäfsig einfacher Takt ist, hatte er Rhythmuseindruck vor dem Zählen, es 
war aber auch das erste Mal, dafs er Ehythmus erlebte (vgl. S. 21). Bei 
Scheibe 10, die gleichfalls bei richtiger Zusammenfassung recht einfache 
Gruppen ergibt, sagte er dann nichts Derartiges mehr aus. 

Die Ausnahmen von unserem Satz, die wir bis jetzt be- 
sprochen haben, waren lediglich nach der Richtung, dafs bei 
einfachen Gruppen schon das Rhythmuserlebnis vor der Repräsen- 
tation da war. Jetzt kommen wir noch auf ein paar Fälle, die 
in der entgegengesetzten Richtung liegen. 

Hierfür kommt hauptsächlich Herr G. in Betracht. Bei Kont. 1245, 
Tempo 325 a, gab er ausdrücklich an, der Takteindruck sei mit dem Zählen 
dagewesen. Bei Kont. 12 3 5 7, Tempo 309 o ist es zweifelhaft. Hier zählte 
er nicht, sondern hatte statt dessen begleitende Tonvorstellungen, doch 
gab er an, diese seien erst später gekommen, während er sofort wufste, 
dafs und wie der Rhythmus war. Den Schlüssel zur Erklärung liefert uns 
der folgende Versuch, Kont. 12 3 45 7, Tempo 281 a. Hier gab Versuchs- 
person an: „Diesmal war es schwerer den Takt zu prüfen. Ich habe auch 
nicht gleich gemerkt, dafs Takt war. Meine Bemühung ging darauf die 
objektive Zeitfolge festzustellen. Im Augenblicke, wo ich zur Erkenntnis 
kam, hatte ich auch Takt." Versuchsperson ist also vor allem bestrebt zu 
untersuchen, was in Wirklichkeit vorgeht. Dabei ist es leicht verständlich, 
dafs bei ihm der Takteindruck erst mit dem Zählen da sein kann, d. h. 
wenn das Erkenntnisbestreben befriedigt ist. 

Fräulein W., die in ihrem Gesamthabitus Herrn G. recht ähnlich war, 
machte daher auch zweimal ähnliche Angaben, bei Kont. 12 3 4 5 7, Tempo 
372 o und 1—7, Tempo 386 o. 

Die Ausnahmen waren also teils Bestätigungen unseres Satzes, 
teils Hefsen sie sich aus anderen mitwirkenden Umständen ohne 
weiteres erklären. 



Experimethtal-Untersuchungen zwr Lehre vom Rhythmus. 63 

Haben diese Ausführungen gezeigt, dafs man das Rhythmus- 
erlebnis von der Repräsentation überhaupt trennen mufs, so 
haben wir noch einen Fall zur Verfügung, der zeigt, dafs auch 
die verschiedenen Repräsentationen verschieden leicht auftreten. 

Fräulein G. hatte, wie schon eben erwähnt, bei Kont. 12 4 56, Tempo 
377 a Kbythmuserlebnis, gleichzeitig mit Zählen. Sie gab dabei an: „Als 
ich in den Rhythmus hineingekommen war, hatte ich auch wieder akustische 
Assoziationen/' Es ist dies besonders interessant, da Versuchsperson sonst 
nie zählte. Beim nächsten Versuche, mit Kont. 12 34 5 7, hatte Versuchs- 
person wieder Töne ohne vorhergehendes Zählen, dafür war aber hier der 
Rhythmuseindruck vor diesen da. 

Dies deutet von neuem auf die grofse Bedeutung, die 
motorische Vorstellungen für das Rhythmuserlebnis haben. Bei 
schwierigem Takte sind sie einmal sofort mit dem Erlebnis da 
und erst später treten akustische Vorstellungen hinzu, das zweite 
Mal ist erst der Rhytmuseindruck vorhanden, und daran schHefsen 
sich dann die Tonreihen. 

Aufser der zeitlichen läfst sich noch eine andere Trennung 
zwischen dem Rhythmuseindruck und den. begleitenden Vor- 
stellungsreihen aufzeigen. Es kam nämlich in mehreren Fällen 
vor, dafs die Versuchsperson nicht wufste, wie der Rhythmus, 
den sie deutlich erlebte, beschaffen war. 

Herr K., Kont. 12 3 4 5 7, Tempo 156 (7, bemerkte zuerst nur Unregel- 
mäfsigkeit. „Dann fing ich an zu zählen und zählte immer 5 Lichter mit 
Betonung des letzten, war dabei aber nicht sicher, ob es wirklich fünf 
waren." Bestimmter ist eine hierher gehörige Angabe des Herrn Dr. J. 
Rei Kont. 12 3-4 5 7, Tempo 167 a, sagte er: „Von vornherein war eine Art 
Rhythmus. Es ging mir die Zahl 6 durch den Kopf." Versuchsperson 
glaubte sich zu erinnern, dafs der Rhythmus etwa so war 12 3 4 56, „doch 
stimmte dies häufig nicht". 

Fräulein K. gab bei Kont. 1 — 7, Tempo 295 a, etwas Ähnliches an wie 
Herr K. Sie zählte abwechselnd in Fünf- und Sechsgruppen, ohne zu 
wissen, welches das Richtige wäre, während sie w)n Anfang an wufste, dafs 
Rhythmus war. Etwas anders war es bei Kont. 12 34 5 7, Tempo 292 a. 

Hier zählte sie 1 Hill, wufste aber während des Versuches nicht, wie oft 
das ist. Hier war also die richtige Gruppe zwar vorhanden, aber nicht 
als solche aufgefafst. Dasselbe gab Fräulein G. bei Kont. 1—7 Tempo 363 a 
an, nur hatte sie statt der vielen Eins Tonvorstellung. 

Auch hier fanden wir die Ergebnisse des vorigen Paragraphen 
bestätigt, konnten aber noch einige interessante Erweiterungen 
hinzufügen. Eine zeithche Trennung zwischen Rhythmuserlebnis 
und Repräsentation tritt bei kompUzierteren Gruppen viel leichter 



64 ^rt Koffka, 

auf als bei einfachen. Die Trennung kann auch so sein, dafs 
eine bestimmte Vorstellungsreihe das Rhythmuserlebnis begleitet, 
während der betreffende Beobachter durchaus nicht sicher ist, ob 
diese Vorstellungsreihe die richtige ist. Schliefslich fanden wir 
es als unnötig, dafs Rhythmus mit dem Wissen um die Beschaffen- 
heit der Gruppen verbunden ist. 

R DiePause und ihre Bedeutung für den Rhythmus. 

Wir können uns hier darauf beschränken, die im vorigen Para- 
graphen gemachten Angaben zu bestätigen. Ich erhielt dieselben 
Beschreibungen für das, was während der Gruppenpause im Be- 
wufstsein der Versuchsperson war. Es tritt phänomenologisch 
eine Leere ein, trotzdem ist sich die Versuchsperson der Be- 
deutung der Pause bewufst. 

So sagte Herr G. einmal, Kont. 12 46, Tempo 325 <7, „phänomenologisch 
ist in der Pause nichts, wohl aber die Bewufstheit, dafs die Pausen eine 
Bedeutung im Takt haben.'' Fräulein K., die immer wieder die Pause als 
ein Nichts beschrieb, gab einmal entsprechend an, Kont. 12 5 6, Tempo 
280 <7, „in gewissem Sinne gehört die Pause zum Takt, da ich weifs, dafs 
jetzt ein neuer Takt anfängt, während ich beim zweiten Licht" — es 
handelte sich um Zweitakt — „weifs, dafs ein Takt aufhört." 

Auch aus den Vorversuchen können wir diesmal einen Fall anführen. 
Bei Scheibe 9, Geschwindigkeit 3, sagte Herr Hb., nach der Gruppe käme 
ein Einschnitt. Man macht einen neuen Anfang wie beim Marschieren. 

Wir haben im vorigen Paragraphen gesehen, dafs die Pause 
zwar nicht das Rhythmus bildende Element ist, aber doch eine 
grofse Rolle im Rhythmus spielt, so dafs die Beobachter daran 
häufig ihr Erlebnis als Rhythmus erkannten. Auch an dieser 
Stelle läfst sich ein solcher Fall mitteilen. 

Bei dem eben (S. 63) erwähnten Versuche von Fräulein K., Kont. 
12345 7, Tempo 292 a, gab sie an: „Dafs überhaupt ein Rhythmus da ist, 
erkenne ich daran, dafs regelmäfsig eine Pause eintritt, in der nichts ist. 
Trotzdem ist die Pause nicht das Rhythmus bildende Element." Bei einem 
anderen Versuche, Kont. 124567, Tempo 264 a, in dem Versuchsperson 
Sechsgruppen bildete, die in eine Zwei- und eine Viergruppe zerfielen, 

Versuchsperson zählte 12 123 4, traten zwei Pausen hervor. Versuchs- 
person gab an: „Die zwei Pausen (nach der ersten zwei und der vier) 
waren gleich lang, aber hatten verschiedene Bedeutung dadurch, dafs 
ich bei der ersten wuTste, dafs noch die vier kommen würden, aber sie 
ist auch schon gewissermafsen ein Nichts, aber dies Nichts wird auf- 
gefafst, während die zweite Pause ein absolutes Nichts auch im Bewufst- 
sein ist.*' 



Experimental'üntersuckungen zur Lehre vom Rhythmus, 65 

F. Täuschungen. 

Auch hier werden wir im grofsen und ganzen das Material 
des vorigen Paragraphen bereichem können, ohne etwas wesent- 
lich Neues hinzuzubringen. 

I. Täuschungen, die für die Gruppenbildung 

charakteristisch sind. 

1. Die Verlängerung der Pause nach den Gruppen. 

Über diesen Punkt läfst sich natürlicherweise nur sehr wenig 
sagen, da ja die Pause nach den Gruppen objektiv verlängert 
war, und man im allgemeinen nicht feststellen kann, ob diese 
objektive Verlängerung subjektiv noch überschätzt wird. Ein 
Fall steht zur Verfügung, aus dem dies hervorzugehen scheint. 

Fräulein K. gab, als sie zum ersten Male rhythmisierte, Kont. 13 5, 
Tempo 367 o, an, die Pause zwischen den Gruppen sei so grofs, dafs sie 
vielleicht 1 2 hätte zählen können, objektiv fiel natürlich nur ein Licht in 
die Pause. 

Diese Angabe deutet also darauf hin, dafs auch die objektiv 
vorhandene Pause noch überschätzt werden kann. 

2. Die Veränderungen an den Reizen. 

Wir wählen diese etwas von den früheren abweichende 
Überschrift, da sich auch an nicht betonten Reizen Veränderungen 
einstellten. 

a) Die Veränderungen der Qualität der Reize. 

Bei den Vorversuchen trat es in einzelnen Fällen auf, dafs 
die Länge des Strichs zu variieren schien. 

Im vorigen Paragraphen haben wir dies von Herrn W. angegeben, den 
wir auch an dieser Stelle wieder zitieren können. Bei Scheibe 4, Ge- 
schwindigkeit 2 war der betonte Strich für ihn der kürzere. Ähnliches 
gab Herr H. bei Scheibe I (analog Scheibe 5) an, nur war bei ihm der un- 
betonte der kürzere. Eine Verstärkung des betonten Lichtes bei den 
Hauptversuchen beschrieb nur Miss G. bei Kont. 135, Tempo 350 a, 

b) Die Veränderungen des Zeitwertes der Reize. 

Es wurde bei objektiv rhythmischen Reihen viel öfter eine 

Verlängerung der Dauer des Reizes angegeben als bei objektiv 

gleichmäfsigen. Bei den Vorversuchen wiesen die Herren H., N. 

und W. darauf hin, bei den Hauptversuchen Miss . G. und Fräu- 

5 



66 -Swri Koifka. 

leia K. Der Fall der Mifs G. ist noch dadurch interessant, dals 
hier nicht der betonte Reiz der zeitHch verlängerte war. Bei 
dem unter a) zitierten Versuche gab sie an: „Das erste Licht 
war stärker als die anderen, es war akzentuiert. Das dritte 
schien länger zu dauern, als wenn es eine ausgehaltene Note 
wäre." 

Es scheint, als wenn bei gänzlich unbefangener Beobachtung 
sich ziemhch regelmäfsig der Eindruck einstellt, als ob der 
Akzent in den Lichtern läge, wie es auch Fräulein K. einmal 
angab. Will dann aber die Versuchsperson etwas darüber fest- 
stellen, worin nun eigenthch der Akzent besteht, dann wird sie 
meistens jfinden, dafs er objektiv nicht vorhanden ist, und daher 
kommt es, dafs verhältnismäfsig wenig Angaben hierüber vor- 
liegen. 

IL Täuschungen, die den ganzen Ablauf der Reihen 

betreffen. 

Es trat nur ein hierher gehöriger Fall auf, nämlich eine 
scheinbare Beschleunigung. Herrn K. schien es bei Kont. 123567, 
Tempo 295 (t, nach der eingeschobenen längeren Pause, schneller 
zu werden. Das Tempo ist also wieder ein ziemhch schnelles; 
der Versuch ist jedoch nicht rein, da das Uhrwerk des Kymo- 
graphion plötzlich schneller imd mit etwas mehr Geräusch Uef , so 
dafs die Täuschung wohl darauf zurückgeführt werden mufs. 

G. Faktoren, die die Struktur der Gruppen 

bestimmen. 

Auch hier halten wir uns an die Einteilung des vorigen 
Paragraphen. 

I. Individuelle Unterschiede. 

Wir haben schon unter B. hervorgehoben, dafs es individuelle 
Unterschiede gibt in bezug darauf, ob die Versuchspersonen 
komplizierte Gruppen bilden können, oder nicht. Aber auch 

• 

sonst haben sich bei diesen Versuchen noch manche Eigentüm- 
lichkeiten herausgestellt, die aus den Ergebnissen des § 2 noch 
nicht erschlossen werden konnten. Versuchspersonen nämlich, 
von denen nur wenig Material vorlag, konnten nicht, auch wenn 
das Material auf eine Eigentümlichkeit hinwies, mit zureichender 
Sicherheit charakterisiert werden. Jetzt ist dies eher mögUch. 



r 



Experimental-Üntersuchungen zur Lehre vom Rhythmus. 67 

Versnchspersonen, die bei unseren objektiv rhythmischen Reihen 
nie steigend rhythmisierten, dürfen wir dies als eine Eigentüm- 
lichkeit zusprechen, da wie wir demnächst sehen werden, bei 
solchen Reihen sehr leicht steigend rhythmisiert wird, ein Zufall 
also sehr unwahrscheinlich ist. Zu diesen Personen gehören 
Dr. J. und Miss G. Alle anderen rhythmisierten bei unseren 
Reihen auch steigend. 

II. Perseveration. 

Das Material für diesen Faktor ist bei objektiv rhythmischen 
Reihen natürlich ärmer als bei gleichmäfsigen , da hier die 
Gröfse der Gruppe durch die Zahl der Lichter sehr stark deter- 
miniert ist. Doch reichte die Determination nicht immer aus, 
so dafs wir auch hier einen Fall von Perseveration angeben 
können, wenn er auch nicht so klar ist, wie die im vorigen 
Paragraphen beschriebenen. 

Herr M. sah, als er das erste Mal rhythmisierte, Kont. 125 6 im 
Tempo 312(7. Er hatte erst steigenden 2 Takt, dann aber, als er die Pause 

untersucht hatte, klopfte er einen 4 Takt , die beiden ersten 

waren richtig, die letzten fielen in die Pause. Beim nächsten Versuche, 
Kont. 12 3 5 6 7, Tempo 315 a, gab Versuchsperson an, es wäre wieder ein 
vierteiliger Takt wie vorher, nur war diesmal gerade die Pause betont. 

Wenn auch hier tatsächüch dieselben zeitKchen Verhältnisse 
vorliegen, d. h. die Dauer der Gruppen war dieselbe, so ist der 
Einflufs der Perseveration wohl doch mafsgebend gewesen; ein- 
mal ist der Eindruck von 3 aufleuchtenden Lichtern sehr ver- 
schieden von dem von 2 Lichtern, und es ist auffälüg, dafs trotz 
dieser Verschiedenheit die Gleichheit erkannt wurde, dann mufs 
man bedenken, dafs die in Frage stehende Versuchsperson gerade 
sehr starke Perseverationstendenzen aufwies, wie wir es im vorigen 
Paragraphen gesehen haben. 

Sonst ist noch eine Beobachtung von Fräulein K. hier anzuführen. 
Bei Kont. 135, Tempo 517 a, hatte sie steigenden Ehythmus. Sie beschlofs 
dann, den Akzent auf das mittlere Licht zu legen und dementsprechend 
zu zählen. Dies ging aber nicht. „Dabei hatte ich den Eindruck, dafs ich 
willkürlich in den Takt eingriff. '^ Auch diese Angabe ist durchaus nicht 
eindeutig. Durch die Pause ist der Akzent stark beeinflufst, und dies 
allein mag zur Erklärung genügen. Immerhin ist es doch wahrscheinlich, 
dafs auch hier Perseverationstendenzen mitsprechen, da wir im vorigen 
Paragraphen analogen Erscheinungen begegnet sind. Wir werden bald auf 
diese Angaben zurückkommen. 

5* 



68 



Kurt Koffka. 



III. Verteilung der Aufmerksamkeit. 

In diesem Punkt liegen 2 Fälle vor, die denen des vorigen 
Paragraphen entsprechen. 

Fräulein G. fafste, wie wir schon oben S. 58 beschrieben haben, bei 
Scheibe 5 Geschwindigkeit 1 Striche und Pausen zu Sechsgruppen zusammen, 
woraus bei Geschwindigkeit 2 durch Verschwimmen der mittleren Glieder 
Viergruppen wurden. Ich forderte sie nun auf, möglichst nur auf die 
Striche zu achten. Dies gelang nicht. Dabei wurde aber aus der Vier- 
gruppe eine steigende Dreigruppe, Strich, Strich, Pause. Etwas Ähnliches 
trat in dem auf S. 59 zitierten Versuche bei Miss M. auf. Sie hatte bei 
Scheibe 3 Geschwindigkeit 4 steigende Dreigruppen, die sie durch ab- 
wechselndes Kopfheben und Senken zu Sechsgruppen vereinte. Bei der 
verschärften Instruktion blieb alles wie vorher, nur war die Tendenz zum 
Kopfbeugen bei jeder Gruppe dieselbe, daher wurden auch nicht 2 Drei- 
gruppen vereinigt. 

In beiden angegebenen Fällen war der Einflufs der Auf- 
merksamkeitsteilung also wieder so, dafs die Gruppen kürzer 
wurden, wie wir es schon bei den gleiehmäfsigen Reihen beob- 
achtet hatten. 



rV. Einflufs der Eigenschaften der Gruppen 

aufeinander. 

Da hier die Gröfse der Gruppe und damit^auch ihre Dauer 
festgelegt ist, da ferner die langen Gruppen ein sehr schnelles 
Tempo hatten, so kommt allein die Beziehung von Gröfse und 
Art in Frage. Wir wollen die verhältnismäfsig einfachen Gruppen, 
zwei bis vier von den komplizierten, fünf bis sieben sondern und 
angeben, wie oft prozentualiter die Arten für diese Gruppen vor- 
kamen 

Tabelle X. 



\ der Arten bei den Gruppen. 




2 4 


5 7 


s 


57,1 


66,5 


f 


22,9 


13,5 


? 


20 


20 



Die langen Gruppen zeigen ein kleines Überwiegen nach der 
Seite des steigenden Taktes, doch ist der Unterschied nicht grofs. 
Immerhin ist ganz charakteristisch, dafs der Unterschied nicht 



ExperimentaUUntersuchuTigen zur Lehre vom Rhythmus. 



69 



durch die unentschiedenen, sondern durch die fallenden Takte 
wett gemacht wird, was uns ganz erklärlich vorkommt, da ja 
lange Gruppen nicht so lebhaft sind wie kurze. 

Eine dies bezeugende Aussage des Herrn N. mag hier noch angeführt 
werden. Bei Scheibe 4, Geschwindigkeit 4, fafste er die Striche erst zu 
Zwei-, dann zu Viergruppen zusammen. Dabei gab er an: „Die erste Auf- 
fassung war lebhafter, die zweite ruhiger und angenehmer." 

Viel wichtiger als dies ist aber eine Tatsache, die in Tabelle XI 
ausgedrückt ist. Hier ist in absoluten Zahlen das Vorkommen 
der verschiedenen Arten angegeben. 

Tabelle XL 

Vorkommen der verschiedenen Taktarten. 



s 


f 


? 


30 


10 


10 



Wir bemerken also gegenüber den Versuchen mit gleich- 
mäfsigen Reihen ein starkes Anwachsen der steigenden Gruppen 
und ein entsprechendes Sinken der beiden anderen. Das Ver- 
hältnis sei prozentualiter in Tabelle Xu und XIII ausgedrückt. 



Tabelle XII. 

Prozentuales Vorkommen der Arten 
bei den Versuchen mit gleichmäf sigen 

Reihen. 



Tabelle XIII. 

Prozentuales Vorkommen der Arten 

bei den Versuchen mit objektiv 

rhythmischen Reihen. 



s 


f 


? 


34,5 


31 


34,5 



s 


f 


? 


60 


20 


20 



Daraus geht die bekannte Tatsache hervor, dafs eine Pause 
leicht so wirkt, wie ein dynamischer Akzent, was dann auch die 
eben beschriebene Angabe von Perseveration bei Fräulein K. 
.zweifelhaft macht. 



H. Assoziationen. Gefühlsbetonung. 

Assoziationen kamen bei diesen Reihen seltener vor als bei 
den gleichmäfsigen, auch stehen sie in den wenigen beschriebenen 
Fällen in direkter Verbindung mit dem Rhythmuserlebnis. 
Miss M. und Miss H. gaben solche an und beide assoziierten ihre 



70 ^^rt Kofka. 

frühere Mnsiklehrerin, wie sie im Takte zählte. Aufserdem be- 
schrieb noch Herr L. eiae Assoziation bei Kont. 12 3 5 6 7, 
Tempo 282 a mid zwar an Zirkusbewegmigen und das Knallen 
der Peitsche. Auch dies steht natürlich in engem Zusammen- 
hang mit dem Rhythmuseriebnis. Wir können uns das so er- 
klären, dafs die Reize die Aufmerksamkeit stärker auf sich zogen 
und so ein Abschweifen der Gedanken verhinderten. 

Die Gefühlsbetonung war im allgemeinen eine stärkere als 
bei den früheren Reihen. Es wurde sehr häufig das Erlebnis 
als angenehm oder recht angenehm bezeichnet. Eine Versuchs- 
person sprach einmal von einem Gefühl der Leichtigkeit und 
Bequemlichkeit. Es findet sich auch eine starke Unlustreaktion. 

Miss H. sagte bei Kont. 13 5, Tempo 360 a, spontan : „Das war höchst 
unbefriedigend. Ich konnte 12 3 gar nicht los werden. Es brachte mich 
ganz aufser Fassung. Eecht unangehm, weil es nichts bedeutet." Versuchs- 
person war, wie schon bemerkt, sehr musikalisch, und die Abweichung des 
Bhythmus vom musikalischen mag schuld an dieser Keaktion sein. Ganz 
im Gegenteil fand Miss G. denselben Takt, den sie allerdings fallend auf- 
fafste, sehr angenehm und lustig. Ich zitiere sie aber nur um zu zeigen, 
wie stark der Bhythmus die Aufmerksamkeit fesseln konnte. Es war das 
erste Mal, dafs sie rhythmisierte, und sie war dabei „so interessiert, dafs 
für den Augenblick alles andere aus dem Bewufstsein ausgeschlossen war". 

ÜberbUcken wir die Resultate, die uns die Versuche mit der 
ersten Instruktion lieferten. Es ging mit Gewifsheit hervor, dafs 
unser Gesichtssinn ebenso imstande ist uns das Rhythmuserlebnis 
zu vermitteln, wie unser Gehörssinn, womit natürhch nicht etwa 
behauptet sein soll, dafs beide Sinne auch quahtativ gleich für 
diese Leistung veranlagt seien. Wir fanden, dafs zum Rhythmus 
das Bewufstsein der Regelmäfsigkeit nicht genügt, dafs dies viel- 
mehr eine blofse Vorstufe von jenem ist. Auch konnten wir 
Übergänge zwischen Regelmäfsigkeit und Rhythmus aufzeigen. 
Femer sahen wir, dafs auf der einen Seite die Bildung spezifischer 
Gruppen für das Rhythmuserlebnis nicht erforderlich ist, dafs 
aber auf der anderen Seite eine solche Gruppenbildung schon 
bei blofser Regelmäfsigkeit vorkommen kann. Wir fanden Über- 
gänge zwischen Rhythmus ohne spezifische Gruppenbildung und 
mit solcher. Die Grenzen der subjektiven Rhythmisierung waren 
bei unseren optischen Rhythmen gegen die akustischen etwas 
nach der Seite der langsameren Tempi hin verschoben, doch 
hatten wir dies als eine Eigentümüchkeit des perzipierenden 
Organes aufgefafst. Wir fanden, dafs bei optischen Rhythmen 



Experimental-Üntersuchungen zur Lehre vom Bhythmus, 71 

sich begleitende Vorstellungsreihen einzustellen pflegen, die denen 
bei akustischen durchaus entsprechen. Sowohl optische wie 
akustische wie motorische kamen vor, es war dabei die grofse 
Bedeutung der motorischen Vorstellungen für das Rhythmus- 
erlebnis ersichtlich. Trotzdem hatten wir es nötig gefunden, 
diese Vorstellungsreihen von dem eigentlichen Rhythmuserlebnis 
zu scheiden. Wir hatten gesehen, dafs die Pause ein wichtiges 
Merkmal des Rhythmus ist, dafs sie aber doch nicht das Element 
ist, das den Rhythmus schafft, dafs dies vielmehr ein bestimmter 
Eindruck ist, der Akzent, Absatz, Tätigkeit genannt wurde. Wir 
haben die Veränderungen besprochen, die die subjektiven Reihen 
gegenüber den objektiven aufweisen. Wir haben die verschiedenen 
Faktoren untersucht, die auf die Struktur der Gruppe von Ein- 
flufs sind. Wir haben dabei individuelle Unterschiede und Per- 
severationstendenzen aussondern und den Einflufs der Aufmerk- 
samkeit ermitteln können. Wir haben die Beziehungen der ver- 
schiedenen Gruppeneigenschaften zueinander besprochen und 
dabei bestätigt gefunden, dafs die Pause einen dynamischen 
Akzent ersetzen kann. Wir haben festgestellt, dafs Assoziationen 
keinen wesentlichen Einflufs auf das in Frage stehende Phänomen 
ausüben. Es zeigten sich die Rhythmuserlebnisse im allgemeinen 
lustbetont, bei subjektiver Rhythmisierung schwächer, bei Rhyth- 
misierung objektiv rhythmischer Reihen stärker. Wir fanden, 
dafs die Verhältnisse bei objektiv rhythmischen Reihen, denen 
bei gleichmäfsigen entsprachen und sie in manchen Punkten be- 
stärkten und ergänzten. Damit schliefsen wir diesen Abschnitt 
ab und wenden uns jetzt den Versuchen mit der zweiten In- 
struktion zu. 



Lebenslauf. 



Ich, KuET KoFFKÄ., evangeUscher Konfession, bin am 18. März 
1886 als Sohn des Justizrats Emil Koffka in Berlin geboren. 
Michaelis 1892 trat ich in die 2. Vorschulklasse des hiesigen 
Kgl. Wilhelms Gymnasiums ein, das ich Michaeüs 1903 mit dem 
Zeugnis der Reife verliefs. Im Wintersemester 1903 bezog ich 
die hiesige Universität und wurde bei der philosophischen 
Fakultät inskribiert. Ich hörte philosophische imd naturwissen- 
schaftliche Vorlesungen. Das nächste Jahr, Ostern 1904—1905, 
verbrachte ich in Edinburgh, wo ich meine Studien nach 
dieser Richtung hin fortsetzte. Ostern 1905 wurde ich wieder in 
Berlin immatrikuliert. Ich widmete mich jetzt dem Studium 
der Psychologie, wurde Oktober 1905 Mitglied des psychologischen 
Instituts, in dem ich bald die Vorarbeiten zu der vorUegenden 
Arbeit begann. Ich hörte Vorlesungen der Herrn Professoren 
Stumpf, Rtehl, Rubens, Schumann, Ziehen, ICnoblauch, Hettnee, 
arbeitete auch im physiologischen Institut bei Herrn Prof. Nagel. 
Die Promotionsprüfung bestand ich am 23. Juli 1908. 

Cael Stumpf, der mich in die Psychologie einführte, ist 
auch in der Philosophie mein Lehrer und Leiter geworden. Ihm 
gebührt vor allen anderen mein Dank. 



Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S.